Der künftige US-Präsident Donald Trump hat die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel scharf kritisiert. Im Interview mit der "Bild"-Zeitung sagte Trump: "Ich finde, sie hat einen äußerst katastrophalen Fehler gemacht, und zwar all diese Illegalen ins Land zu lassen." Zudem drohte er der deutschen Autoindustrie mit Strafzöllen. Die Nato bezeichnete er erneut als obsolet.

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Donald Trump hat die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel im Interview mit der "Bild"-Zeitung (hier bei Bild+ das gesamte Interview - kostenpflichtig) scharf kritisiert. Deutschland und die Kanzlerin hätten mit der Aufnahme von Flüchtlingen "einen äußerst katastrophalen Fehler gemacht". Von den Folgen dieser Politik habe Deutschland - in Anspielung auf das Weihnachtsmarkt-Attentat von Berlin - einen "deutlichen Eindruck bekommen". Der IS-Attentäter Anis Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen Lkw über den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin gelenkt und dabei zwölf Menschen getötet und fast 50 verletzt. Er selbst wurde wenige Tage später in Italien von Polizisten erschossen. Amri war mutmaßlich als Flüchtling nach Deutschland gekommen.

Trump sei erstaunt gewesen, dass Deutschland in der Flüchtlingsfrage Merkels Weg eingeschlagen habe, denn Deutschland sei bei Einreisebestimmungen eines "der strengsten Länder der Welt" gewesen. Anstatt Flüchtlinge aufzunehmen, hätte sich die Bundesrepublik nach Trumps Meinung für Sicherheitszonen etwa in Syrien stark machen und die Golfstaaten dafür zahlen lassen sollen: "Die haben doch schließlich Geld wie kaum ein anderer. Das Ganze wäre wesentlich billiger gewesen als das Trauma, das Deutschland jetzt durchmacht."

Er habe aber stets "großen Respekt" vor Kanzlerin Merkel gehabt, auch wenn er sich noch nicht entschieden hat, ob er sie im anstehenden Bundestagswahlkampf unterstützt: "Merkel ist mit Abstand einer der wichtigsten Regierungschefs", sagte Trump. "Ich hatte das Gefühl, sie ist großartig, eine großartige Anführerin."

Donald Trump will schärfere Grenzkontrollen – auch für EU-Bürger

Trotzdem möchte der künftige US-Präsident die Grenzkontrollen bei Einreisen in die USA deutlich verschärfen und dabei unter Umständen auch EU-Bürger ins Visier nehmen: "Das könnte passieren, aber wir werden sehen. Ich meine, wir reden hier von Teilen der Welt und Teilen Europas, wo wir Probleme haben, wo sie reinkommen und Probleme verursachen. Ich will diese Probleme nicht haben."

Es werde "extreme Sicherheitsüberprüfungen" geben, da die bisherigen Maßnahmen aus seiner Sicht nicht ausreichten. Zudem wolle er "es nicht so machen wie Deutschland": "Wir wollen nicht, dass Leute aus Syrien zu uns kommen, von denen wir nicht wissen, wer sie sind. Es gibt keine Möglichkeit für uns, diese Leute zu überprüfen."

Hinsichtlich der Bedeutung der Nato bekräftigte Trump seine Haltung. Für ihn ist das Verteidigungsbündnis obsolet. "Die Nato hat Probleme. Sie ist obsolet, weil sie erstens vor vielen, vielen Jahren entworfen wurde. Zweitens zahlen die Länder nicht das, was sie zahlen müssten." Das ist sehr unfair gegenüber den USA. Abgesehen davon ist mir die Nato sehr wichtig."

Deutliche Worte von Trump an die deutsche Wirtschaft

Deutliche Worte richtete Donald Trump auch an die deutsche Wirtschaft – vor allem an die Autoindustrie. Er droht BMW und anderen deutschen Autoherstellern mit Strafzöllen von bis zu 35 Prozent, wenn die Unternehmen Produktionsstätten in Mexiko anstatt in den USA errichteten und ihre Fahrzeuge von dort aus in die USA exportieren wollten: "Ich würde BMW sagen, wenn sie eine Fabrik in Mexiko bauen und Autos in die USA verkaufen wollen ohne eine 35-Prozent-Steuer, dann können sie das vergessen. Sie können Autos für die USA bauen, aber sie werden für jedes Auto, das in die USA kommt, 35 Prozent Steuern zahlen. Was ich damit sage, ist, dass sie ihre Fabrik in den USA bauen müssen - es wird für sie viel besser sein und für unsere Bemühungen." In den USA hat die Androhung von Strafzöllen bereits Wirkung gezeigt: Mehrere Automobilhersteller wollen Teile ihrer Produktion wieder von Mexiko in die USA verlagern.

Daneben warf er den deutschen Autobauern und der Bevölkerung zudem unfaires Verhalten vor. Zwar sei Deutschland ein "großes Hersteller-Land", an die Adresse der Deutschen gerichtet kritisierte er aber, "dass Ihr den USA gegenüber sehr unfair wart. Es besteht keine Gegenseitigkeit. Wie viele Chevrolets sehen Sie in Deutschland? Nicht allzu viele, vielleicht gar keine, man sieht dort drüben gar nichts, es ist eine Einbahnstraße." Er sei für Freihandel, aber nicht um jeden Preis. Die USA hätten ein Außenhandelsdefizit von 800 Milliarden US-Dollar pro Jahr: "Das wird aufhören."

Trump ist stolz auf seine deutschen Wurzeln

Doch trotz Dissens und Kritik, Deutschland sei für Trump "etwas ganz Besonderes". Er sei besonders stolz auf seine deutschen Wurzeln und auf Bad Dürkheim, die pfälzische Heimat seiner Vorfahren: "Bad Dürkheim, ja, das ist echtes Deutschland, nicht wahr? Keine Frage, das ist echtes Deutschland. Nein, ich bin sehr stolz auf Deutschland. Ich liebe Deutschland", sagte der künftige US-Präsident.

Auf die Frage, welche deutschen Züge er an sich erkenne, sagte Trump: "Ich mag Ordnung. Ich mag es, wenn die Dinge ordentlich erledigt werden. Dafür sind die Deutschen ziemlich bekannt. Aber ich auch – ich mag auch Ordnung, und ich mag Stärke."


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