Er war der letzte noch lebende Ex-Außenminister der FDP: Klaus Kinkel ist tot. Der politische Ziehsohn von Hans-Dietrich Genscher starb am Montag mit 82 Jahren.

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Der ehemalige Bundesaußenminister Klaus Kinkel ist tot. Der frühere FDP-Vorsitzende starb am Montag im Alter von 82 Jahren, wie der heutige Parteichef Christian Lindner unter Berufung auf die Familie am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Die Beisetzung findet auf Kinkels Wunsch im engsten Kreis statt.

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Juncker: "Kinkel hat Weichen gestellt"

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker würdigte Kinkel in einer ersten Reaktion auf die Todes-Meldung als großen Europäer.

"Als Bundesaußenminister hat Klaus Kinkel im Kabinett von Helmut Kohl die Weichen gestellt, um das wiedervereinte Deutschland im Herzen des wiedervereinten Europas zu verankern", schrieb der Luxemburger. "Uns verlässt ein deutscher Patriot und ein großer Europäer."

Der DFB dankt Kinkel für Leidenschaft und Begeisterung

Auch der DFB kondolierte. "Der Tod von Klaus Kinkel hat uns alle im DFB und mich persönlich sehr erschüttert, weil ich fast 30 Jahre lang mit ihm in unterschiedlichen Funktionen sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet habe", sagte DFB-Präsident und CDU-Politiker Reinhard Grindel.

"Wir sind dankbar für seine nach innen kritische und fordernde, aber nach außen den DFB unterstützende Arbeit. Klaus Kinkel war ein leidenschaftlicher Politiker mit Ecken und Kanten. Seine Begeisterung für ihm wichtige Themen war ansteckend. Er wird uns sehr fehlen", setzte Grindel in Würdigung des Verstorbenen hinzu.

Klaus Kinkel - Nachfolger von Hans-Dietrich Genscher

Kinkel gehörte über viele Jahre hinweg zu den engsten Mitarbeitern des früheren Außenministers Hans-Dietrich Genscher (ebenfalls FDP). Nach dessen Abschied aus dem Auswärtigen Amt übernahm er 1992 für sechs Jahre selbst das Ministerium. Kinkel war auch Vizekanzler der damaligen schwarz-gelben Koalition.

Der gebürtige Schwabe begann seine berufliche Karriere nach einem Jura-Studium als Beamter im Bundesinnenministerium. 1979 war er der erste Zivilist an der Spitze des Bundesnachrichtendienstes (BND).

Nach dem Machtwechsel zu Schwarz-Gelb 1982 kehrte er als Staatssekretär im Justizministerium in die damalige bundesdeutsche Hauptstadt Bonn zurück. In dieser Funktion war er nach dem Fall der Mauer auch am deutsch-deutschen Einigungsvertrag beteiligt.

Seit 1991 in der FDP

1991 wurde der Spitzenbeamte selbst Justizminister. Erst damals trat er auch in die FDP ein.

Ein Jahr später setzte er sich nach Genschers Rücktritt in einer Kampfabstimmung um den Chefposten im Auswärtigen Amt gegen die damalige Bauministerin Irmgard Adam-Schwaetzer (ebenfalls FDP) durch. 1993 wurde Kinkel Vize von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU).

Zusätzlich übernahm Kinkel damals auch noch den Vorsitz der FDP. Nach einer Niederlagenserie bei Kommunal- und Landtagswahlen verzichtete er jedoch 1995 auf eine abermalige Kandidatur.

Bis 2002 Abgeordneter im Deutschen Bundestag

Mit dem Wahlsieg von Rot-Grün verlor er 1998 sein Ministeramt. Bis 2002 saß Kinkel dann noch im Bundestag.

Später arbeitete er als Anwalt und übernahm den Vorsitz der Deutsche-Telekom-Stiftung. Zuletzt lebte er in Sankt Augustin bei Bonn. (hau/dpa/AFP)

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