• Millionen Menschen können von einem Jahreswechsel in Frieden nur träumen. Gewalt, Unterdrückung und Hunger bestimmen ihr Leben.
  • Ein Überblick über die Krisen der Welt und ein Ausblick darauf, wie es in den

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In Belarus macht ein von der EU nicht anerkannter Präsident Migranten zum Druckmittel in einem Streit um Einfluss und Anerkennung. In Äthiopien tobt ein Krieg um die politische Vorherrschaft, in dem ein Friedensnobelpreisträger persönlich an der Front steht. Und im Jemen führt der jahrelange Bürgerkrieg an den Rand einer gewaltigen Hungersnot.

Auch das Jahr 2022 wird in einigen Weltregionen von schweren Krisen geprägt sein, viele davon dauern bereits seit Jahren an. Vor Ort leiden Tausende, teils gar Millionen Menschen, während um regionalen und geopolitischen Einfluss gekämpft wird.

Äthiopien

Im zweitgrößten Land Afrikas zeichnet sich keine Trendwende ab. Der Konflikt, der in der nördlichen Region Tigray begann, hat sich mittlerweile auf andere Teile des Landes ausgeweitet. Der Friedensnobelpreisträger und Regierungschef Abiy Ahmed startete im November 2019 eine Militäroffensive gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF). Nun rückt die TPLF gemeinsam mit Rebellen der Oromo Liberation Army auf die Hauptstadt Addis Abeba vor.

Abiy Ahmed soll nach eigenen Angaben mittlerweile die Regierungstruppen an der Front unterstützen. Den Preis für den immer weiter eskalierenden Konflikt zahlen die rund 115 Millionen Menschen, die in Äthiopien leben. Die Wirtschaft des ehemaligen Stabilitätsankers in der Region liegt am Boden. In den Konfliktregionen Tigray, Afar und Amhara sind mehr als fünf Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen. Der Vielvölkerstaat droht durch den Konflikt zu zerfallen, Vermittlungsversuche der USA und der Afrikanischen Union waren bislang nicht erfolgreich.

In der von Dürre und Hunger geplagten Somali-Region in Waaf Dhuug in Äthiopien sind wie dieser Säugling viele Kinder unterernährt.

Belarus

"Die Migrationskrise in Belarus ist längst ein Problem von internationalem Ausmaß", sagt der belarussische Politologe Waleri Karbelewitsch. In Belarus harren weiter Tausende Migranten aus, um in die EU und vor allem nach Deutschland zu gelangen. Hunderte haben es in den vergangenen Monaten schon geschafft. Machthaber Alexander Lukaschenko habe den Konflikt geschaffen, um Druck auf die EU zu machen und seine Anerkennung im Westen zu erreichen, sagt Karbelewitsch. "Er kann die Lage jederzeit verschärfen." Der Politologe erwartet, dass Lukaschenko dem Westen weiter Probleme machen wird. Dabei kann er sich auf Russlands Hilfe verlassen.

Lukaschenko hatte als Reaktion auf die EU-Sanktionen mehrfach erklärt, keinen Migranten auf dem Weg in den Westen mehr aufzuhalten. Und er forderte Deutschland zur Aufnahme von 2.000 Migranten auf. Mehr als zehn Menschen sind bisher gestorben in den Grenzregionen, wo Litauen und Polen Stacheldrahtzäune errichtet haben. Zudem versuchen Tausende Soldaten in den EU-Staaten, die Migranten aufzuhalten.

"Ich bitte um Asyl in Polen" steht auf dem Schild dieses Asylbewerbers aus Syrien, den polnische Grenzschützern in Gewahrsam genommen haben.

Ukraine-Konflikt

Vor ihrem Abschied als Bundeskanzlerin hätte Angela Merkel (CUD) gern noch einmal selbst einen Gipfel im Ukraine-Konflikt zur Beendigung des seit bald acht Jahren andauernden Kriegs im Donbass abgehalten. Allerdings sieht Russland keine Voraussetzungen für ein solches Treffen. Moskau und Kiew werfen sich gegenseitig Verstöße vor gegen den Friedensplan, der seit langem auf Eis liegt. Die Zahl der Toten in dem Stellungskrieg zwischen ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten in den Regionen Donezk und Luhansk liegt nach UN-Schätzungen bei mehr als 13.000.

Indes schafft der russische Präsident Wladimir Putin durch die Ausgabe von Pässen und durch wirtschaftliche Hilfe im Donbass Tatsachen und festigt die Strukturen. Klar ist auch, dass bei einer ukrainischen Offensive Russland selbst militärisch eingreifen würde. Die NATO und die EU werfen Russland einen Truppenaufmarsch an der ukrainischen Grenze vor. Russland hingegen kritisiert eine zunehmende Militarisierung der Ukraine durch die USA und eine Vielzahl westlicher Militärmanöver vor seinen Grenzen.

Ein ukrainischer Soldat sitzt in einem Graben an der Trennlinie zu prorussischen Rebellen.

Taiwan

Fast täglich dringen chinesische Militärflugzeuge in Taiwans Luftraumüberwachungszone (ADIZ), manchmal zu Dutzenden. Damit verstärkt die Volksbefreiungsarmee den Druck auf die demokratische Inselrepublik. Doch steigt auch das Risko von Missverständnissen, die einen Konflikt auslösen können. Ohnehin droht die kommunistische Führung mit einer Eroberung zur "Wiedervereinigung", da Taiwan nur als Teil der Volksrepublik betrachtet wird. Dagegen sehen sich die 23 Millionen Taiwaner längst als unabhängig, pochen auf ihren freien Lebensstil.

Bei einer Eskalation könnten die USA leicht in einen Krieg gezogen werden. Washington hat sich per Gesetz der Verteidigungsfähigkeit Taiwans verpflichtet, was bisher meist Waffenlieferungen bedeutete. Aber US-Präsident Joe Biden sprach sogar von einer "Verpflichtung" der USA, Taiwan im Falle eines chinesischen Angriffs zu verteidigen.

Taiwanesische Soldaten üben für den Ernstfall.

Libyen

Nach dem Sturz des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 ist Libyen in einem Bürgerkrieg versunken. Etliche Milizen ringen mit Hilfe ausländischer Mächte um Einfluss. In diesem Frühjahr wurde unter UN-Vermittlung eine Übergangsregierung gebildet, die das Land zu Wahlen führen soll. Die Libyer sollen am 24. Dezember über einen Präsidenten und später über ein Parlament abstimmen. Aufgrund interner Streitigkeiten ist aber unklar, ob die Wahlen tatsächlich stattfinden. Ungewiss ist auch, ob diese am Ende wirklich zur Stabilisierung des tief gespaltenen Landes führen können.

Beobachter rechnen mit Widerstand gegen die Wahlergebnisse. Der Sieg eines umstrittenen und am Krieg beteiligten Kandidaten wie dem mächtigen General Chalifa Haftar könnte zudem neuerliche Gewalt auslösen. Deutschland gilt als wichtiger Vermittler in dem Konflikt - auch aus eigenem Interesse: Durch Libyen führen wichtige Routen für Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa. Schmuggler nutzen die Instabilität des nordafrikanischen Landes für ihre Aktivitäten aus.

Der libysche General Chalifa Haftar.

Jemen

Die UN bezeichnen die Lage im Jemen als schlimmste humanitäre Krise der Welt - trotzdem scheint der Westen den Konflikt fast vergessen zu haben. Seit 2015 kämpft die jemenitische Regierung an der Seite von Saudi-Arabien gegen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen. Die Huthis haben große Teile im Norden des Landes eingenommen, darunter auch die Hauptstadt Sanaa. Seit Monaten gibt es zudem schwere Gefechte mit vielen Toten um die ölreiche und strategisch wichtige Stadt Marib, die die Huthis ebenfalls erobern wollen.

Der Bürgerkrieg hat das bitterarme Land an den Rand einer Hungersnot gebracht. Mehr als 20 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, 400.000 Kinder nach Angaben von Unicef schwer unterernährt. Bemühungen für eine Lösung des Krieges blieben bislang weitestgehend erfolglos. Nur wenige Menschen schaffen es, aus dem abgeschotteten Land zu fliehen. In Europa nimmt man wohl auch wegen der geringen Anzahl an Flüchtlingen kaum Notiz von der Katastrophe.

Omar wurde im Februar 2021 auf dem Heimweg von der Schule verwundet, als eine Granate in seiner Nachbarschaft einschlug.

Syrien

Auch der Konflikt in Syrien ist schon lange aus den Schlagzeilen verschwunden. Machthaber Baschar al-Assad sitzt wieder fester im Sattel, seitdem er mit Unterstützung Russlands einen Großteil des Landes wieder unter seine Kontrolle bringen konnte. Nach mehr als zehn Jahren Bürgerkrieg haben sich die militärischen Auseinandersetzungen zwar etwas beruhigt. Ein Ende des politisch bislang ungelösten Konflikts ist aber nicht in Sicht. Kämpfe können deshalb auch jederzeit wieder ausbrechen.

Und die Bevölkerung leidet nach wie vor: Eine Wirtschaftskrise stürzt immer mehr Menschen in Armut, viele Syrer hungern. Durch die Kämpfe sind Hunderttausende Menschen getötet und Gebiete im Land stark zerstört worden. Für den Wiederaufbau fehlt das Geld. In das Land zurückzukehren bleibt zudem für die Millionen ins Ausland geflohenen Syrer gefährlich. Ihnen drohen Menschenrechtlern zufolge nach wie vor willkürliche Festnahmen, Entführungen, Folter oder gar der Tod. (dpa/mcf)

Millionen Syrer sind auf der Flucht, die meisten innerhalb des Landes. Hier ein Flüchtlingscamp bei Idlib.