Donald Trump und Kim Jong Un haben in Singapur eine gemeinsame Vereinbarung verabschiedet. Der Inhalt: Nordkorea verspricht seine Denuklearisierung. Im Gegenzug gibt es US-Sicherheitsgarantien. Doch weder ein Zeitplan für die Denuklearisierung steht fest, noch was die USA genau versprechen - und das ist nicht der einzige Haken.

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Noch während des Gipfels sagt US-Präsident Donald Trump: "Es ist besser gelaufen, als irgendjemand hätte erwarten können, Spitzenklasse!"

In der Pressekonferenz im Anschluss verspricht er dann, dass es jetzt zu einem dauerhaften Frieden auf der koreanischen Halbinsel kommt.

Warum große Skepsis angebracht ist

Doch was ist die Vereinbarung (hier im Wortlaut) wert? USA-Experte Josef Braml ist im Gespräch mit unserer Redaktion skeptisch.

"Trump hatte auch das G7-Treffen gefeiert und seine persönlichen Beziehungen mit den westlichen Staatenführern mit Bestnoten bewertet – um dann mit einem Tweet wieder alles zu zerstören", sagt er.

In der Vereinbarung bleibt zudem einiges vage. So gibt es beispielsweise keinen Zeitplan für eine Denuklearisierung.

Allein schon deswegen besteht die Gefahr, dass es tatsächlich zu keinen weiteren Schritten kommt, so Braml: "Trump wäre nicht der erste US-Präsident, dem Hoffnungen gemacht werden, die sich dann doch nicht erfüllen."

Kim Jong Un sollte gewarnt sein

Aus seiner Sicht ist aber auch Nordkorea gut beraten, ein gewisses Maß an Vorsicht walten zu lassen: "Trump ist unzuverlässig", sagt der Experte.

Braml erinnert an den Iran-Deal, der unter Barack Obama geschlossen und jetzt von den USA unter Trump "für null und nichtig" erklärt wurde: "Eigentlich müsste Kim wissen, dass seine einzige Lebensversicherung die Nuklearwaffen, seine Zweitschlagskapazität sind."

Deswegen wäre es von Kim "waghalsig, seine Lebensversicherung für ein Versprechen von Trump preiszugeben".

Auch der Sicherheitsexperte Wolfgang Ischinger dämpft die Erwartungen an die Vereinbarung - und stellt ebenfalls die Frage, wie verlässlich die Partner sind.

Die Experten auf amerikanischer Seite hätten dauerhafte Sorgen, ob die nordkoreanische Seite "vielleicht trickst oder Dinge verschweigt oder heimlich weiter macht", so Ischinger im SWR-"Tagesgespräch".

Umgekehrt dürfe man "mit großer Sicherheit unterstellen, dass Kim, dass die nordkoreanische Führung natürlich nicht ihr künftiges Schicksal in die Hände von Donald Trump legen möchte".

Was ist von den US-Garantien zu halten?

Auch die USA sind bei den Zusicherungen zunächst vage geblieben. Zwar werden Sicherheitsgarantien versprochen, welche das genau sein sollen, ist aber nicht schriftlich fixiert.

In der Pressekonferenz nach dem Gipfel sprach Trump dann allerdings doch einen Punkt an: Die Militärmanöver mit Südkorea sollen eingestellt werden, auch der Abzug von US-Soldaten aus Südkorea sei möglich.

Experte Braml ist auch hier skeptisch: "Wenn die USA ihre Soldaten aus Südkorea abziehen, verspricht das nicht unbedingt mehr Sicherheit weder für Süd- noch für Nordkorea."

Momentan schützt die Präsenz von US-Truppen vor einer einer Eskalation des Konflikts.

Denn: Würden die USA das Kim-Regime aktuell beispielsweise mit einem Luftschlag attackieren, würde der Vergeltungsangriff der Nordkoreaner auch US-Soldaten treffen, erklärt Braml. Deswegen könne sich Nordkorea weitgehend sicher sein, dass es nicht zu einem Angriff seitens der USA kommt.

"... dann verdient Trump Applaus"

Trump sieht laut eigener Aussage die Verhandlungen mit Nordkorea als Prozess. Der nun stattgefundene Gipfel sei lediglich der Beginn eines langen Wegs zum Frieden auf der koreanischen Halbinsel.

Bereits nächste Woche sollen erneut Delegationen von USA und Nordkorea über weitere Schritte verhandeln, Trump kündigte zudem an, Kim ins Weiße Haus einzuladen.

Bei diesen Treffen müssen die vielen noch offenen Punkte - ein Zeitplan zur Denuklearisierung und Sicherheitsgarantien, aber auch wirtschaftliche Schritte oder die Verbesserung der Menschenrechtssituation in Nordkorea - verhandelt werden.

Niemand kann von einem achtstündigen Gipfel die Lösung aller Probleme erwarten - vor allem, nachdem mehr als ein halbes Jahrzehnt lang geschwiegen wurde.

Doch sollte "tatsächlich mehr als heiße Luft rauskommen, (...) dann verdiente er (Trump) dafür auch Zustimmung, Unterstützung oder wenn Sie so wollen auch Applaus", sagt Ischinger.

Ein Verhandlungsprozess wäre ein weltpolitischer Gewinn, so Ischinger weiter. Und die Chance, dass er heute begonnen hat, ist so groß wie selten zuvor - trotz des gegenseitigen Misstrauens.

Dr. Josef Braml ist USA-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) und Autor des Buches "Trumps Amerika – Auf Kosten der Freiheit". Aktuelle Analysen veröffentlicht er auch über seinen Blog usaexperte.com.
Wolfgang Ischinger ist seit 2008 Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz. Der 72-jährige war persönlicher Mitarbeiter von Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Chef des Planungsstabs im Auswärtigen Amt, der politischen Abteilung und später Staatssekretär. Von 2001 bis 2006 war Ischinger deutscher Botschafter in Washington.
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