• Am Montagabend feiert die neue Nachrichtensendung "RTL Direkt" mit Jan Hofer Premiere.
  • Zu Gast ist Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock von den Grünen.
  • Die Show vermischt verschiedene Formate wie klassische Nachrichten, Talksendung und sogar Comedy in nur 20 Minuten Sendezeit.
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Eine Kritik
von Christian Stüwe
Diese Kritik stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Ein bisschen klassische Nachrichtensendung, ein bisschen Politiktalk, ein bisschen Interaktion mit Social Media. Eine RTL-Reporterin begleitet eine Familie beim Einkaufen, am Ende gibt es auch noch das Wetter und sogar Comedy. Und das alles in 20 Minuten Sendezeit.

Das Konzept von "RTL Direkt" ist auf Tempo ausgelegt, die neue Nachrichtensendung mit Jan Hofer, die am Montagabend Premiere hatte, ist innovativ und auf eine Zielgruppe zugeschnitten, die unterhalten und zugleich informiert werden will. Das ist grundsätzlich gut. Doch am Ende hatte man das Gefühl, dass die Show vielleicht einfach zu viel will.

Aber von vorne. Um 22:15 Uhr begrüßt Ex-Tagesschau-Sprecher Jan Hofer die Zuschauerinnen und Zuschauer. Der 69-Jährige hat einen dunklen Anzug angezogen, dazu ein weißes Hemd und ein passendes Einstecktuch.

Eine Krawatte trägt Hofer aber nicht, was signalisieren soll, dass es bei "RTL Direkt" lockerer zugeht als bei der "Tageschau" und den "Tagesthemen", zu denen das neue RTL-Format parallel ausgestrahlt wird.

RTL Direkt: Annalena Baerbock ist bei Jan Hofer zu Gast

Mit Hofer im Studio steht Annalena Baerbock, die Sendung wird live aus Berlin ausgestrahlt. "Wie grün wird Deutschland und was kostet uns das eigentlich?", lautet das übergeordnete Thema der ersten Ausgabe von "RTL Direkt", die Kanzlerkandidatin der Grünen soll dazu Rede und Antwort stehen.

Doch zunächst werden in einem kurzen Einspieler die schlimmen Bilder des Tages aus Afghanistan gezeigt, das Chaos und das Leid am Flughafen von Kabul. Baerbock kritisiert die Bundesregierung und spricht von einer Katastrophe mit Ansage.

Als Hofer Baerbock fragt, ob deshalb jemand zurücktreten müsse, weicht die Grünen-Politikerin aus. Hofer fragt eindringlich nach, Baerbock weicht wieder aus. Keine Frage, Baerbock ist im Wahlkampfmodus und will Fehler vermeiden.

Auch eine mögliche Koalition mit der Linkspartei möchte sie später weder bestätigen, noch ausschließen. Doch Hofer fragt bei seinem hochkarätigen Premierengast immer wieder nach und spricht auch unangenehme Dinge wie Baerbocks misslungenen Wahlkampf an. Das ist gut und einer der Höhepunkte der ersten Ausgabe von "RTL Direkt".

Zuschauer dürfen Baerbock per Videobotschaft Fragen stellen

Wirklich lange am Stück wird aber nie gesprochen, das Gespräch wird immer wieder unterbrochen. Zunächst für den Nachrichtenüberblick mit den Themen aus Deutschland.

Dann kommt der bereits erwähnte Beitrag mit einer fünfköpfigen Familie, die zum Einkaufen in den Biomarkt und zum Discounter begleitet wird und dann feststellen muss, dass der Bioeinkauf 85 Euro mehr gekostet hat.

Die Familie würde grundsätzlich gerne grün wählen, ist sich aber nicht sicher, ob sie sich das leisten kann. Ob es den Beitrag gebraucht hätte, um Annalena Baerbock mit Fragen nach Biofleisch und den Kosten grüner Politik zu konfrontieren, sei mal dahingestellt. Vielleicht wäre mehr Redezeit für die Kanzlerkandidatin und Hofer eine bessere Option gewesen.

Aber "RTL Direkt" will andere Nachrichten machen, will eigene Themen setzen, selbst an einem Tag mit so schrecklichen Bildern aus Afghanistan, denen sich eine Nachrichtensendung eigentlich ausführlicher widmen muss.

"RTL Direkt" möchte schnell und modern um jeden Preis sein und will dabei einfach zu viel. Das zeigt sich auch bei der Zuschauereinbindung durch Social Media. Hier dürfen vier Personen per Videobotschaft Fragen an Baerbock stellen, die sie zuvor über die sozialen Netzwerke eingereicht haben.

Die Fragen sind aber so gewöhnlich, dass das ganze letztlich ziemlich bemüht wirkt. Hier gibt es sicherlich noch ordentlich Potenzial, der Ablauf der Show muss sich noch einspielen.

Passt Comedy zu schlimmen Nachrichten?

Ein Ziel von "RTL Direkt" ist es, die Zuschauerinnen und Zuschauer mit einem Lächeln in die Nacht zu entlassen. Deshalb darf sich der Kabarettist Abdelkarim vor dem Wetter noch ein paar humoristische Gedanken zum Bundestagswahlkampf machen.

Auch das ist im Prinzip eine gute Idee, wirkt in einer Nachrichtensendung an einem Tag mit einer tragischen Nachrichtenlage wie in Afghanistan aber eher unpassend.

Und dann ist die Show auch schon vorbei und Annalena Baerbock hat ganz am Ende ihren besten Moment, als sie Jan Hofer noch einen mitgibt. "Wenn Sie sich trauen, zu 'Let's Dance' zu gehen, dann glaube ich, dass wir diesem Land zutrauen können, sich in Zukunft zu erneuern", sagt sie.

Die Auswahl der Gäste dürfte entscheidend für "RTL Direkt" sein

Die Premiere von "RTL Direkt" war nicht schlecht, der Mix der verschiedenen Formate und das hohe Tempo sind aber gewöhnungsbedürftig. Am Ende bleibt der Eindruck, dass alles vielleicht ein bisschen viel für 20 Minuten ist, auch wenn Anchorman Jan Hofer, der die Sendung künftig im Wechsel mit Pinar Atalay moderieren wird, einen guten Job machte.

Auch wegen des prominenten Moderatoren-Duos dürfte die Show eine Chance haben, sich auf dem Sendeplatz zu etablieren und vielleicht gerade die Zuschauerinnen und Zuschauer abzuholen, denen die Nachrichten in den Öffentlich-Rechtlichen zu ernst sind.

Entscheidend dafür wird auch sein, welche Gäste Atalay und Hofer ins Studio locken können. Die polarisierende Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock war sicherlich eine gute Wahl, um bei der ersten Show für Quote zu sorgen. Ob "RTL Direkt" dieses Niveau halten kann, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen.

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Teaserbild: © picture alliance/dpa/RTL/Markus Nass