• Am Mittwochabend (14. September) trafen bei Maischberger in puncto Sanktionen gegen Russland mit Marieluise Beck (Grüne) und Klaus Ernst (Linke) zwei völlig verschiedene Ansichten aufeinander.
  • Das sorgte nicht nur für lautstarke Rede-Duelle und hitzige Debatte, sondern auch für die Aussage: "Was mich erstaunt, Herr Ernst, ist Ihre Kälte gegenüber den Menschen in der Ukraine!".
  • Wie er auf den Vorwurf reagierte.
Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht von Marie Illner dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Der Sarg der Queen ist in London angekommen und die Öffentlichkeit hat Gelegenheit, Abschied zu nehmen. Gleichzeitig hat die Ukraine mit einem Befreiungsfeldzug im Nordosten des Landes überrascht. Mehr als 20 Ortschaften konnten zurückerobert werden, die Geländegewinne umfassen mehrere tausend Quadratkilometer. Der Krieg in der Ukraine stand auch bei Sandra Maischberger wieder im Fokus der Sendung.

Das ist das Thema bei "Maischberger"

Zwar stieg Maischberger mit dem Tod der Queen und dem Anbruch einer neuen Epoche in Großbritannien in die Sendung ein, ziemlich flott ging es dann aber zum eigentlichen Hauptthema: dem aktuellen Stand des Ukrainekriegs und seinen Folgen für Deutschland. "Braucht es mehr Waffen oder sofortige Verhandlungen und ein Ende der Sanktionen?", stellte Maischberger zur Debatte. "Wie kann Deutschland der Ukraine am besten helfen?", wollte sie wissen und: "Wie wirken die Sanktionen gegen Russland – dort und bei uns? "

Das sind die Gäste

  • Marieluise Beck (Grüne): Die Grünen-Politikerin sagte: "Putin hat sehr systematisch über viele Jahre hinweg eine Abhängigkeit des Westens aufgebaut und insbesondere Deutschlands von seinem Land und seinen Energielieferungen." Deutschland sei sehr davor gewarnt worden, sich in eine solche Abhängigkeit zu begeben. "Polen hat uns gewarnt, die baltischen Staaten haben uns gewarnt", sagte sie. Schon vor Kriegsbeginn habe Russland die Speicher in Deutschland nicht mehr wie vereinbart aufgefüllt. "Das war eine systematische Vorbereitung, einen Krieg gegen uns zu führen mit der Waffe, die er gegen den Westen hat", befand Beck.
  • Klaus Ernst (Linke): "Wir führen einen Wirtschaftskrieg gegen Russland", sagte der Bundestagsabgeordnete. Deutschland führe diesen Krieg, Russland versuche sich zu wehren, indem es beispielsweise das Gas abdrehe. "Es war für mich erstaunlich, dass Russland überhaupt so lange Gas geliefert hat", sagte Ernst. Durch die jetzige Gasmangellage und Preispolitik in Deutschland würde sich die Konkurrenzsituation auf lange Sicht zwischen Deutschland, Europa und den USA dramatisch zugunsten der USA verschieben. "Bei uns besteht das Risiko einer dramatischen Wirtschaftskrise", sagte er.
  • Bärbel Bas (SPD): "Wir müssen jetzt die Unterstützung geben, die wir geben können", fand die SPD-Politikerin und Parlamentspräsidentin. Das müsse allerdings mit den Partnern abgestimmt werden. "Da kann Deutschland durchaus die Gespräche suchen", forderte sie. Man dürfe jetzt nicht nachlassen. "Dass wir Waffen liefern, ist richtig und wichtig", so Bas. Die Ukraine wäre nicht so weit, wenn man das nicht schon getan hätte.
  • Ulrich Wickert: Der Autor und Moderator sagte: "Ich finde es ziemlich schrecklich, wie die Verteidigungsministerin argumentiert. Sie sagt, wir können nicht genug liefern. Es stehen 100 Marder-Panzer auf dem Hof eines Industrieunternehmens, das man sofort verkaufen kann." Zweitens sage sie, Deutschland müsse jetzt Führungsmacht werden. "Ja bitteschön, dann soll sie doch mal führen." Es bleibe Deutschland nichts anderes übrig. "Es ist richtig, dass wir Verantwortung übernehmen."
  • Julie Kurz: "Der Erfolg der Ukrainer wurde zum Teil mit deutschen Waffen gemacht", stellte die ARD-Korrespondentin fest. Weil es in der Bevölkerung aber nicht nur Zustimmung zu Waffenlieferungen gebe, wolle Scholz sich lieber als derjenige darstellen, der sich treiben lässt. "Die Sanktionen zeigen Wirkung und wir müssen uns fragen: Was haben wir denn für Alternativen?", fragte sie. Selbst, wenn man auch Schaden nehme, müsse man da durch.
  • Helene Bubrowski: Die FAZ-Journalistin sagte mit Blick auf die beschlossene Frauenquote der CDU: "Es ist eine Identitätsfrage, wenn sich jetzt deutlich etwas verändert. Die Frage ist: Wie geht die Partei damit um? Ist das etwas, das zu einer Spaltung führt?". Es sei vergleichbar damit, wenn die Grünen beim Parteitag gezwungen würden, eine Bockwurst zu essen. "Das ist etwas, woran die CDU sich wird gewöhnen müssen", befand sie.

Das ist der Moment des Abends bei "Maischberger"

Maischberger ließ ein Video von Verteidigungsministerin Lambrecht einspielen, die gesagt hatte: "Deutschlands Größe, seine geografische Lage, seine Wirtschaftskraft, kurz, sein Gewicht, machen uns zu einer Führungsmacht, ob wir es wollen oder nicht. Auch im Militärischen." Wieder im Studio kommentierte Journalist Wickert trocken: "Schluchz". Schon dafür erntete er lachende Zustimmung aus dem Studio. Er schob hinterher: "Dann soll sie es doch machen! Aber warum macht sie es denn nicht?". Applaus folgte.

Das ist das Rede-Duell des Abends

Im Zweiergespräch kam Grünen-Politikerin Beck nach der Forderung von Ernst, die Sanktionen teilweise zu beenden, zu dem Schluss: "Was mich erstaunt, Herr Ernst, ist Ihre Kälte gegenüber den Menschen in der Ukraine!". Man habe in Butcha und Irpin gesehen, was die Ukraine ertragen müsse. "Woher haben Sie diese Idee!", rief Ernst dazwischen. Beck fuhr in ruhigem Ton fort: "Wir haben mit unserem Energiegeld den russischen Haushalt angefüttert." Das weiter zu tun, während Russland einen Angriffskrieg führe, sei kalt gegenüber den Menschen in der Ukraine.

Ernst war aufgebracht: "Ich muss zurückweisen, dass mich das kalt lässt!" Russland verdiene an dem Krieg, Gewinn und Umsatz von Gazprom seien angestiegen. "Wenn Sie etwas für die Ukraine übrighaben, müssen sie die Sanktionen beenden", forderte er. Beck kommentierte: "Erstaunlich, dass die Ukraine das anders sieht". Es sei ungeheuerlich, Opfer und Täter zu verwischen.

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So hat sich Sandra Maischberger geschlagen

Kein einfacher Abend für Maischberger: Die Debatte zwischen Grünen-Politikerin Beck und Linkspolitiker Ernst wurde streckenweise ziemlich hitzig. Besonders Ernst musste von Maischberger immer wieder gebremst werden. Als sie ihn an die Kriegsverbrechen in der Ukraine erinnerte, sagte er beispielsweise ziemlich kleinlaut: "Ich habe doch gesagt, ich finde das furchtbar, wie oft soll ich es denn noch sagen!".

Maischberger blieb ruhig und reagierte mit Sätze wie: "Danke erst einmal für Ihren Beitrag" oder "Ein bisschen weniger aufregen!". Gut, dass sie neben der Besänftigungsnummer auch noch wichtige Fragen parat hatte. Zum Beispiel: "Sind die deutschen Ängste abstrakt?" oder "Soll Deutschland Führungsmacht werden?".

Das ist das Ergebnis bei "Maischberger"

So oft man manche Themen auch zur Debatte stellt, in den Fragen "Mehr oder weniger Waffenlieferungen?" und "Fortsetzung oder Ende der Sanktionen?" bleiben die Fronten verhärtet und bewegen sich keinen Zentimeter aufeinander zu. Mehr Bewegung war hingegen in der Frage zur deutschen Führungsrolle in der Welt. Der Großteil der Studiogäste war sich einig, es sei richtig, wenn Deutschland mehr Verantwortung in der Welt übernehme. Was die Sendung dem Publikum aber schuldig blieb: eine Erklärung, was das konkret bedeutet.

"Was sie am meisten fürchten": Ukraine will Luhansk zurückgewinnen

Der ukrainische Präsidentenberater Oleksij Arestowytsch macht deutlich, dass die Armee eine Offensive auf Luhansk plant. Weiter vermutet er, dass es eine erbitterte Schlacht um Swatowo geben wird. (Bildnachweis: Imago Cover Images)