Als US-Botschafter in Berlin spielt Richard Grenell eine zentrale Rolle in der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit. Doch die angespannten Beziehungen hat er bisher nicht befrieden können – im Gegenteil.

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Kaum hatte Richard Grenell seinen neuen Posten angetreten, da sorgte er bereits für Diskussionen: Als der Amerikaner im vergangenen Juni als neuer US-Botschafter nach Deutschland kam, sagte er in einem Interview mit den rechtskonservativen Breitbart-News, er wolle konservative Kräfte in Europa stärken.

Es war eine ungewöhnliche Ansage für einen Diplomaten. Und dieser Linie ist er treu geblieben.

Grenell ist ein politischer Diplomat. Während sich Botschafter in der Regel aus inhaltlichen und parteipolitischen Streitfragen heraushalten, bezieht er Position: gegen die deutsche Migrationspolitik, gegen das Atom-Abkommen mit dem Iran. Und natürlich für Donald Trump.

Interessenvertretung nur in eine Richtung

In den zwischenstaatlichen Beziehungen spielen Botschafter eine zentrale Rolle, erklärt Thomas Jäger, Professor für internationale Politik an der Universität zu Köln, im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie kommunizieren praktisch in zwei Richtungen:

"Der amerikanische Botschafter vertritt die Interessen seines Präsidenten gegenüber der Bundesregierung und der deutschen Gesellschaft. Gleichzeitig erläutert er aber auch die deutschen Interessen in den USA – und manchmal entwickeln Botschafter dabei größeres Verständnis für die Lage des Landes, in dem sie sind."

Was bei Grenell allerdings ungewöhnlich sei: "Er füllt seine Rolle als Vertreter der US-Regierung sehr offensiv aus. Es ist aber nicht erkennbar, dass er auch deutsche Interessen nach Washington vermittelt", sagt der Politikwissenschaftler.

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Karriere bei den Republikanern

Grenell wurde im US-Bundesstaat Michigan geboren und studierte unter anderem in Harvard Öffentliche Verwaltung. Danach machte der gläubige Christ bei den Republikanern Karriere in der Außenpolitik: Von 2001 bis 2008 war er Sprecher der US-Delegation bei den Vereinten Nationen, 2012 beriet er den Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney. Allerdings gerade einmal zwei Wochen lang, danach gab Grenell auf.

Mit seinen Tweets hatte er zuvor für Ärger gesorgt. Prominente Frauen fühlten sich beleidigt, gleichzeitig gab es in seiner eigenen konservativen Partei Vorbehalte wegen Grenells Homosexualität. Mit seinem Privatleben geht der Amerikaner offen um: In seinem Twitter-Profil schreibt er, dass er sich seit einer besiegten Krebserkrankung stärker fühle – und dass seine Hunde sein Leben bestimmen.

Nach dem Wahlsieg Trumps war Grenell für mehrere Posten im Gespräch – es wurde die Spitze der Botschaft in Berlin. Dass auch Personen ohne rein diplomatische Ausbildung Botschafter werden, ist in den USA wie in anderen Staaten nicht ungewöhnlich. "Grenells herausstechende Qualifikation war seine frühere Unterstützung für Donald Trump", sagt Thomas Jäger.

Drohung an deutsche Unternehmen?

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk sagte Grenell, er sehe sich in erster Linie als Vertreter des Stabs von Präsident Trump, "nicht so sehr als Diplomat". Folgerichtig bezieht er deutlich Stellung – zum Beispiel, indem er Deutschland unverhohlen aufruft, seine Unterstützung für das russische Pipeline-Projekt Nord Stream 2 zu beenden. Deutschen Unternehmen, die an dem Projekt beteiligt sind, soll er laut "Bild am Sonntag" sogar mit Sanktionen gedroht haben.

Lassen sich mit einer solchen Vorgehensweise wirklich politische Ziele erreichen? Laut Thomas Jäger bleibt das in Grenells Fall abzuwarten. Beim Thema Iran hat sich der Botschafter beispielsweise klar gegen engere Beziehungen mit Teheran ausgesprochen.

"Und ich kann nicht erkennen, dass die Bundesregierung Riesenschritte unternehmen würde, um die Wirtschaftsbeziehungen mit dem Iran aufrecht zu erhalten", sagt Jäger. "Es kann durchaus sein, dass er auf dem Gebiet erfolgreich ist."

Das konservative Online-Nachrichtenmagazin "Washington Examiner" führt es auf den Einfluss Grenells zurück, dass die Bundesregierung der iranischen Fluglinie Mahan Air untersagen will, in Deutschland zu landen. Trumps "Top-Botschafter" habe mal wieder "geliefert", heißt es.

Lob von konservativer Seite

Trotzdem gilt Grenell in Deutschland inzwischen als isoliert. Er habe sich mit seinem Kurs "ins Abseits manövriert", schreibt der "Spiegel". Möglicherweise hat der 52-Jährige mit seinem Auftreten vor allem eine Karriere daheim in den USA im Auge.

Im Interview mit dem Deutschlandfunk sagte Grenell, er verstehe seine Aufgabe als "Brückenbauer und Problemlöser". Nach seiner Amtszeit, so wünscht er sich, solle man über ihn sagen: "Ja, vieles ist geschafft worden für die deutschen Unternehmen, für den Austausch mit Deutschland und auch für die amerikanische Wirtschaft, für den Austausch mit den USA."

An einem besseren Verhältnis zu den deutschen Partnern müsste also auch Grenell interessiert sein.

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Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Prof. Dr. Thomas Jäger, Universität zu Köln
  • US-Botschaft und Konsulate in Deutschland: Botschafter Richard A. Grenell
  • Breitbart.com: Trump's right hand man in Europe Rick Grenell wants to "empower" European conservatives
  • Deutschlandfunk.de: "Wer mit dem Iran Handel treibt, unterstützt Terrorismus"
  • The Washington Examiner: Richard Grenell, Trump’s top ambassador, "delivers again," blocking Iran
  • Der Spiegel (11. Januar 2019): Der kleine Trump hat sich ins Abseits manövriert
Teaserbild: © picture alliance / Bernd von Jut