"Schleichende Entfremdung" zwischen Angela Merkel und Emmanuel Macron: Der französische Präsident stellt sich gegen die Pläne der Bundesregierung bei der Erdgas-Pipeline, das russisches Gas nach Europa transportieren soll. Nun sagt Macron auch noch einen öffentlichen Auftritt mit Merkel ab.

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Der politische Streit um die Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 droht zu eskalieren. Kurz vor einer geplanten wichtigen Abstimmung in Brüssel wurde bekannt, dass sich Frankreich überraschend gegen Deutschland stellen könnte.

Paris unterstütze eine neue EU-Richtlinie, die es der EU-Kommission ermöglichen soll, das Projekt deutlich strenger zu regulieren, wie das französische Außenministerium am Donnerstag in Paris mitteilte. Es liefen aber noch Verhandlungen über eine mögliche Änderung des Textes.

Durch die 1.200 Kilometer lange Leitung soll russisches Gas nach Europa strömen, die Rohre in der Ostsee sind bereits zu einem Viertel verlegt.

Vor allem die USA, aber auch osteuropäische Staaten sehen das Milliardenprojekt kritisch.

Für die hinter dem Gas-Projekt stehende Bundesregierung und die Bauherren wäre dies ein schwerer Schlag. Die Ostsee-Pipeline soll nämlich schon Ende 2019 in Betrieb gehen

Probleme zwischen Merkel und Macron

Nun kommt ein weiterer Streitpunkt auf die deutsch-französische Achse zu, welcher das Verhältnis zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf den Prüfstand stellt.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" am Donnerstagnachmittag berichtet, hat Macron seine Teilnahme an der Münchner Sicherheitskonferenz abgesagt. Bei dem Expertentreffen zur Sicherheitspolitik vom 15. bis 17. Februar hätte es auch zu einem öffentlichen Auftritt mit der Kanzlerin kommen sollen.

Die Absage des französischen Präsidenten erfolgte damit am selben Tag, an dem bekannt wurde, dass sich Frankreich gegen die deutschen Pipeline-Pläne stellen will.

Eine "schleichende Entfremdung"

Der Direktor der deutsch-französischen Denkfabrik Jacques-Delors in Berlin, Henrik Enderlein, sagte der "Süddeutschen", dass er sich Sorgen um das deutsch-französische Verhältnis mache.

Die Absage sei für ihn ein "symbolisches Signal" und Zeichen einer "schleichenden Entfremdung" der Kanzlerin mit dem französischen Präsidenten. (am/dpa)

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