Die Demokraten sind seit Mitte letzten Jahres auf der Suche nach einem Herausforderer oder einer Herausfordererin von Donald Trump für die Präsidentschaftswahlen im November. Sechs Bewerber lieferten sich am Dienstagabend das letzte Duell vor den Vorwahlen in Iowa. Wer konnte überzeugen und wer nicht?

Mehr News zur US-Wahl finden Sie hier

Die siebte Fernsehdebatte im aufwendigsten und längsten Vorwahlkampf in der Geschichte der Präsidentschaftswahlen der USA war das letzte Aufeinandertreffen der demokratischen Präsidentschaftskandidaten, bevor im Februar die Vorwahlen im amerikanischen Bundesstaat Iowa beginnen.

In der Hauptstadt des US-Bundesstaats, Des Moines, buhlten am Dienstag sechs Bewerber vor einem Millionenpublikum um die Gunst der Wähler. Insgesamt sind zwar noch zwölf Kandidatinnen und Kandidaten für die Demokraten im Rennen, allerdings hatten sich nicht alle für die Debatte in Des Moines qualifiziert.

US-Wahl: Biden liegt in Umfragen vorne

Der ehemalige Vizepräsident Joe Biden aus Delaware liegt in den landesweiten Umfragen mit 27,2 Prozent deutlich vorne. Auf Platz zwei und drei folgen Senator Bernie Sanders (19,2 Prozent) aus Vermont und Senatorin Elizabeth Warren (16,6 Prozent) aus Massachusetts.

Ebenfalls noch im Rennen sind der ehemalige Bürgermeister von South Bend (Indiana) Pete Buttigieg, die Anwältin Amy Klobuchar aus Minnesota sowie der Umweltschützer und Hedgefonds-Manager Tom Steyer.

Welcher dieser Kandidaten machte in der Debatte die beste Figur und hat nun die besten Aussichten? In den 120 Minuten ging es unter anderem um die Krise zwischen Washington und Teheran, Handelsabkommen, das Gesundheitssystem, den Klimawandel und das Bildungssystem.

Joe Biden: Souverän, aber ohne frischen Wind

Joe Biden, der in Iowa ungefähr gleichauf mit Sanders liegt, konnte an seine bisherigen Auftritte anknüpfen: Er präsentierte sich besonnen (Zitat: "Als Präsident der Vereinigten Staaten muss ich nicht nur in der Lage sein zu kämpfen – ich muss heilen") und erfahren. Hinsichtlich der Autorisierung des Irak-Krieges als Senator im Jahr 2003 gestand er ein, einen Fehler gemacht zu haben, versprach aber in Bezug auf die jetzige Iran-Krise eine Rückkehr zur Diplomatie.

Einen völligen Abzug der US-Truppen im Mittleren Osten lehnt er ab, die Vereinigten Staaten sollten lokale Kräfte punktuell unterstützen. Auf China will der 77-Jährige mehr Druck ausüben und die internationalen Spielregeln für Handel, Cybersicherheit und Klimawandel mitbestimmen.

Fazit: Ein überzeugender Auftritt von Biden, der aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass der 77-Jährige eher für vergangene Zeiten steht und den Mangel an Diversität im Bewerberfeld mitverkörpert.

Bernie Sanders: Solide, aber in der Defensive

Bernie Sanders (78) trat gewohnt energisch auf und präsentierte sich als glaubwürdiger Advokat linker Politik, etwa mit der Forderung nach einer Krankenversicherung für alle ("Medicare for all"). Gefragt, wie viel sein Vorschlag die Amerikaner kosten würde, antwortete Sanders: "Deutlich weniger als das aktuelle System", wurde aber nicht konkreter.

Anders als Biden hat er gegen den Irak-Krieg gestimmt, wie er betonte. Zudem rief er dazu auf, internationale Bündnisse zu stärken. Als einziger Kandidat lehnt er das Handelsabkommen mit Mexiko und Kanada (USMCA) ab - wegen mangelnder Klimaschutzvereinbarungen.

Sichtlich angegriffen fühlte er sich, als die CNN-Moderatoren den Vorwurf wiederholten, er habe 2018 gegenüber Elizabeth Warren behauptet, eine Frau könne nicht Präsidentin werden. "Das habe ich nicht gesagt", beteuerte er.

Fazit: Ein solider Auftritt, aber nicht "Bernie’s night". Gegenkandidatin Warren drängte ihn einige Male in die Defensive.

Elizabeth Warren: Im Angriffsmodus

Elizabeth Warren gilt neben Sanders als progressivste Kandidatin im Bewerberfeld. Hatten die beiden noch bis vor Kurzem einen unausgesprochenen Pakt als Verbündete, schaltete Warren nun in den Angriffsmodus.

Sie wiederholte den Vorwurf, Sanders habe Frauen abgesprochen, Präsidentin werden zu können und legte nach: "Schaut euch die Männer auf der Bühne an. Zusammen haben sie zehn Wahlen verloren."

Sanders korrigierte Warren allerdings, als sie behauptete, keiner der Männer habe in den letzten 30 Jahren einen Republikaner geschlagen. "Ich habe 1990 einen Republikaner besiegt, um Kongressabgeordneter zu werden", so Sanders.

Warren fordert ebenfalls "Medicare for all", will außerdem eine universelle Kinderbetreuung durch eine Vermögenssteuer finanzieren. Eins ihrer wichtigsten Themen ist die Korruptionsbekämpfung.

Wegen des laufenden Amtsenthebungsverfahrens gegen Donald Trump (Zitat Warren: "Die korrupteste Regierung unserer Zeit") kann Warren nicht weiter Wahlkampf in Iowa machen, sondern wird im Kongress in Washington sein.

Fazit: Warren argumentierte konsistent und bedacht und zeigte, dass sie eine Kandidatin ist, hinter der sich alle Demokraten versammeln könnten. Die Angriffe auf Sanders hätte sie vielleicht inhaltlicher vorbringen können.

Amy Klobuchar: Pragmatisch, aber unfokussiert

Für die Anwältin Amy Klobuchar aus Minnesota war die siebte TV-Debatte besonders wichtig: Sie liegt in den Umfragen in Iowa bei knapp sieben Prozent, landesweit kommt sie auf weniger als die Hälfte.

Ihre Rolle als Vertreterin pragmatischer Politik unterstrich Klobuchar auch am Dienstag. Anstatt Luftschlösser brauche es konkrete Pläne. Zu ihren eigenen Plänen gehört es, die USA wieder dem Klimaabkommen zu verpflichten, den Import von rezeptpflichtigen Medikamenten aus Kanada zu erlauben und die Waffengesetze zu verschärfen.

In Diskussionen um kostenlose College-Bildung merkte sie an: "Wir werden einen Mangel an Klempnern haben, nicht an Hochschulabsolventen." Sie fordert deshalb, in Kindergärten und Schulen zu investieren und Ausbildungsförderungsprogramme zu verdoppeln, anstatt "rich kids" aufs College zu schicken.

Fazit: Herausragen konnte Klobuchar nicht. Zwischenzeitlich wirkte sie unfokussiert und aufgeregt. Den Namen einer Gouverneurin aus Kansas, die sie angeblich "stolz ist zu kennen", musste Klobuchar aus ihren Notizen ablesen.

Pete Buttigieg: Es fehlen die Inhalte

Der 37-jährige Afghanistan-Veteran und homosexuelle Ex-Bürgermeister Pete Buttigieg fordert einen Mindestlohn von 15 Dollar, kostenlosen Unterricht für niedrige und mittlere Einkommen und Medicare "für alle, die es wollen". Das brachte ihm am Dienstag den Vorwurf ein, das sei eine Krankenversicherung für alle, die es sich leisten können.

Zwar wiederholte Buttigieg mehrfach, es sei Zeit, das Blatt zu wenden und er als jüngster Kandidat bringe eine andere Perspektive als die übrigen Bewerber ein - mit Inhalt untermauern konnte er das allerdings nicht.

Bei den jungen Wählern, den sogenannten "Millenials", hat Buttigieg keine große Unterstützung, ebenso wenig bei der schwarzen Community.

Fazit: Buttigieg machte sich älter, als er ist. Seine Perspektive als jüngster Kandidat hätte er mehr in den Vordergrund stellen müssen.

Tom Steyer: Klimaschutz auf Platz 1

Umweltschützer und Hedgefonds-Manager Tom Steyer fiel beim siebten Duell wenig auf – er stimmte den anderen Kandidaten mehr zu, als dass er ihnen widersprach.

Sein Alleinstellungsmerkmal: der Klimaschutz. "Ich bin der einzige Kandidat, der den Klimaschutz auf Platz 1 setzt", beteuerte er. Als erste Amtshandlung würde Steyer deshalb den "Klimanotstand" ausrufen. An Glaubwürdigkeit büßt Steyer aber ein, weil er zu einem Großteil seines Vermögens durch Investitionen in Kohle, Gas und Öl gekommen ist.

Fazit: Steyer gelang es, den Klimaschutz mit jedem anderen Politikfeld zu verknüpfen. Weil seine Statements aber streckenweise mechanisch und abgehakt wirkten, konnte er nicht überzeugen.

Verwendete Quellen:

  • Landesweite Umfragen
  • CNN: 9 things to watch in Tuesday night's Democratic debate

In einer früheren Version dieses Artikels wurde berichtet, dass nur noch sechs demokratische Kandidatinnen und Kandidaten übrig seien. Das ist falsch. Richtig ist, dass nur sechs Bewerber an der TV-Debatte teilnahmen. Wir haben den Artikel entsprechend korrigiert.

Donald Trump bezeichnet getöteten iranischen General Qasem Soleimani als "Hurensohn"

Donald Trump hat den getöteten iranischen General Qasem Soleimani bei einem Wahlkampfauftritt in Milwaukee einen "Hurensohn" genannt. Nach Auffassung des US-Präsidenten hätte Soleimani bereits vor Jahren umgebracht werden sollen.