Am 9. August öffnet die Bundesliga zum 51. Mal ihre Pforten und auch dann beginnt wieder das ewig gleiche Spiel. Mit der Auftaktpartie von Triple-Sieger FC Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach beginnt die Jagd - auf den Titel, auf Europa und für einige Teams auch auf Platz 15. Welche Klubs müssen in der kommenden Saison um den Klassenerhalt zittern?

Traditionell gelten die Aufsteiger als stark gefährdete Spezies, allen voran Eintracht Braunschweig. Die Löwen feiern nach 28 Jahren die Rückkehr in die höchste deutsche Spielklasse. Die Eintracht hat aber nicht die finanziellen Mittel, um ihren Kader adäquat aufzustocken. Torjäger Domi Kumbela - letzte Saison mit 19 Treffern Braunschweigs Aufstiegsgarant - fällt wegen einer Oberschenkelverletzung noch aus.

Die Mannschaft von Torsten Lieberknecht wird auch in der ersten Liga hauptsächlich über Teamgeist und Leidenschaft bestehen müssen. Qualitativ besitzt der Kader allenfalls in Ansätzen Erstliganiveau. So manches erinnert im Vorfeld an Greuther Fürth. Und deren Schicksal in der vergangenen Saison ist hinlänglich bekannt.

Trainer mit Ligaerfahrung

Die Hertha dagegen reparierte den zweiten Betriebsunfall binnen weniger Jahre routiniert und wartet mit einem auf dem Papier deutlich stärkeren Kader auf. Zumal Trainer Jos Luhukay auch schon über Bundesligaerfahrung verfügt.

Abgegeben wurden nur Ergänzungsspieler, dazu stoßen mit Alexander Baumjohann, Johannes van den Bergh, Hajime Hosogai und Sebastian Langkamp vier Spieler mit Erstligaerfahrung. Mit dem Schwung der Zweitligameisterschaft und einer störungsfreien Zusammenarbeit zwischen Trainer Luhukay und Manager Michael Preetz als Basis sollte am Standort Berlin der Klassenerhalt machbar sein.

1899 Hoffenheim hat eine unglaubliche Saison hinter sich, die mit der Rettung auf den letzten Drücker doch noch ein gutes Ende nahm. Trainer Markus Gisdol verfolgt seinen Plan bei der TSG nun auch weiter und setzt wie angekündigt seine Verjüngungs- und Entschlackungskur fort.

16 Spieler haben den Verein verlassen, nur sechs sind neu dabei im Kraichgau. Wozu die Mannschaft in der Lage ist, hat Hoffenheim in den letzten Spielen der abgelaufenen Saison gezeigt. Diesen neu entdeckten Teamgeist gilt es zu wahren - spielerisch dürfte die Truppe eigentlich keine Berührungspunkte mit dem Thema Abstieg haben.

Im Kraichgau rumort es

Aber: Im Hintergrund schwelt das Problem der "Trainingsgruppe 2". Tim Wiese, Eren Derdiyok, Matthieu Delpierre, Matthias Jaissle, Edson Braafheid und Tobias Weis sind weiterhin vom regulären Trainingsbetrieb der Profimannschaft ausgeschlossen, müssen für sich trainieren. Trainer Gisdol stellt allen auch für die Zeit nach dem Ende der Transferperiode keine Besserung in Aussicht - auch wenn der eine oder andere in Hoffenheim bleiben sollte.

Etwas entspannter dürfte das Klima beim FC Augsburg sein. Der FCA geht in seine dritte Saison im Oberhaus und nur die wenigsten dürften dem Verein diese Leistung vorhergesagt haben. Bereits zweimal galt Augsburg als Abstiegskandidat Nummer eins. Und zweimal überraschten die Schwaben ihre Kritiker.

Trainer Markus Weinzierl hat sich an die Bundesliga gewöhnt und seiner Mannschaft einen offensiven und mutigen Fußball verordnet. Die Abgänge der beiden Südkoreaner Ja-Cheol Koo und Dong-Won Ji schmerzen allerdings enorm. In Halil Altintop konnten die finanziell klammen Augsburger lediglich einen Angreifer mit Format dazugewinnen. Und dennoch wird in Augsburg trotz des schwierigen Auftaktspiels gegen die Schwarzgelben von Borussia Dortmund niemand nervös. Der FCA weiß mittlerweile, wie leidenschaftlicher Abstiegskampf geht.

Damit kennt sich auch der 1. FC Nürnberg aus. Die Franken retteten sich durch einen imposanten Lauf Mitte der Rückrunde relativ frühzeitig. Die Ergebnisse und die Spielweise in den letzten Partien der Saison sollten aber Warnung genug sein. Von Platz zehn in der Abschlusstabelle sollte sich niemand täuschen lassen.

Verlust der Chefetage

Nürnberg hat in Timm Klose und Timmy Simons sowohl den Abwehr- als auch den Mittelfeldchef verloren. Dazu wechselte mit Sebastian Polter der erfolgreichste Angreifer nach Mainz. Allerdings scheint Manager Martin Bader auf dem Transfermarkt gut unterwegs gewesen zu sein. Zumindest geben Emmanuel Pogatetz, Josip Drmic und Daniel Ginczek auch eine große Portion Hoffnung.

Bleiben noch die beiden Nord-Klubs Werder Bremen und der Hamburger SV. Werder hat sich streng genommen nicht durch die eigene Leistung gerettet, sondern vielmehr deshalb, weil mit Fortuna Düsseldorf (in der Rückrunde) und Fürth zwei Mannschaften schlicht unterirdisch schlecht waren.

Der Umbruch auf der Trainerposition lässt hoffen, zumal Robin Dutt nach Jahren des Offensivfußballs endlich auch Wert auf die Defensivleistung seiner Mannschaft legt. Allerdings genügt der Kader auf dem Papier nicht mehr höchsten Ansprüchen.

Beim HSV scheint die Situation genau umgekehrt. Hamburg hat noch einige Perlen im Kader, bekommt seine Leistungsstärke aber viel zu selten auf den Platz. Dazu hat die Mannschaft anscheinend auch ein Mentalitätsproblem. Ein "Ausrutscher" wie zuletzt beim 0:4 in Dresden ist längst keine einmalige Angelegenheit mehr.

Thorsten Fink steht als Trainer dafür voll in der Verantwortung. Fink ist seit knapp zwei Jahren in Hamburg und konnte seiner Mannschaft den Schlendrian nicht austreiben. Die Querelen im Umfeld gepaart mit einer ziemlich ambitionierten Erwartungshaltung und einer wankelmütigen Mannschaft können sich wie vor zwei Jahren schnell zu einer gefährlichen Situation entwickeln.