• Der DFB wertet den Spielstand auch als Endstand: Borussia Mönchengladbach gewinnt die wegen eines Bierbecherwurfs abgebrochene Bundesligapartie in Bochum.
  • Einer der Schiedsrichterassistenten war von einem Becher aus den Rängen am Hinterkopf getroffen worden.
  • Ein ermittelter Tatverdächtiger schweigt bisher.

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Die nach dem Becherwurf auf Schiedsrichterassistent Christian Gittelmann nach 70 Minuten abgebrochene Bundesliga-Partie des VfL Bochum gegen Borussia Mönchengladbach wird mit einem 2:0 für die Gäste gewertet.

Das teilte der Deutsche Fußball-Bund am Donnerstag nach einem Einzelrichterverfahren des DFB-Sporgerichts mit.

Bei Gittelmann wurde nach eigenen Angaben im Krankenhaus eine Schädelprellung und ein Schleudertrauma diagnostiziert. Er hatte harte Strafen gefordert. "Eine flächendeckende Null-Toleranz-Politik mit einem klar definierten und für alle im Vorfeld bekannten und harten Strafmaß sollte ausgearbeitet werden", sagte Gittelmann, nur so seien "Gewalttaten" gegen Unparteiische - vor allem auch "auf den Amateurplätzen" - zu vermeiden.

Über Sanktionen für den VfL Bochum wird das DFB-Sportgericht zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden. Das teilte der DFB am Donnerstag mit. Dem VfL droht damit weiterhin ein Geisterspiel.

Tatverdächtiger wird ermittelt und vernommen

Der Unparteiische Benjamin Cortus hatte am 18. März die Begegnung zunächst unterbrochen und eine Viertelstunde später offiziell abgebrochen. Die Bochumer Polizei hatte drei Tage darauf einen Tatverdächtigen ermittelt und zur Sache verhört. Laut einer gemeinsamen Erklärung der Staatsanwaltschaft und des Polizeipräsidiums hatte sich der 38-jährige Bochumer aber "im Zuge der Vernehmung nicht zur Sache eingelassen".

Der VfL kündigte an, gegen den Übeltäter mit aller Härte vorzugehen. Der Klub drohte "Stadionverbot, Vereinsausschluss oder Einzug der Dauerkarte" sowie "Schadenersatzansprüche" an. Nach der Niederlage am Grünen Tisch könnte es für die Bochumer im Abstiegskampf noch einmal eng werden: Sieben Runden vor Schluss ist der Vorsprung auf den Relegationsplatz auf sechs Punkte zusammengeschrumpft.

Sportgericht schmettert Forderung des VfL Bochum eines Wiederholungsspiels ab

Bochum hatte eine Spielwiederholung gefordert und argumentiert, dass der Straftäter sein Getränk "völlig legal" gekauft und der Verein deshalb kein Verschulden habe.

Stephan Oberholz, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, begründete die Spielwertung damit, dass der Klub für das Verhalten seiner Fans verantwortlich sei. Das "Verschulden der Zuschauer" sei dem Klub zuzurechnen. Die Spielwertung für Gladbach sei "zwingend und alternativlos vorgeschrieben", "ein Wiederholungsspiel oder ein Nachspielen der letzten gut 20 Minuten ist daher nicht möglich."

Laut Rechts- und Verfahrensordnung tragen die Klubs die Verantwortung "unter anderem für das Verhalten ihrer Spieler, Offiziellen, Mitarbeiter, Anhänger und Zuschauer", so Oberholz - unabhängig vom Verschulden. Dies sei schon mehrfach vom Internationalen Sport-Schiedsgericht (CAS) oder auch vom Bundesgerichtshof (BGH) bestätigt worden.

Letzter Spielabbruch in der Bundesliga lag elf Jahre zurück

In der Bundesliga-Historie war es der achte Spielabbruch. Letztmals hatte es am 1. April 2011 beim Spiel zwischen dem FC St. Pauli und Schalke 04, als Schiedsrichterassistent Thorsten Schiffner von einem Bierbecher am Kopf getroffen wurde, einen Spielabbruch gegeben.

Die Millerntor-Elf wurde damals zunächst zu einem Geisterspiel verurteilt. Im Nachhinein wurde die Strafe auf ein Spiel in einem mindestens 50 Kilometer entfernten Stadion abgemildert. (SID/dpa/hau)

Deniz Aytekin, Bundesliga, Schiedsrichter
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