Gerade einmal zwei Tage nach dem Abgang von Lucien Favre stand für Edin Terzic die Feuertaufe als Cheftrainer an. Radikale Veränderungen waren jedoch nicht zu erwarten.

Christopher Giogios
Eine Kolumne
von Christopher Giogios

Selbst unter hartgesottenen BVB-Fans ist Edin Terzic bislang ein relativ unbeschriebenes Blatt. Wenngleich in unterschiedlichen Funktionen bereits seit über zehn Jahren beim BVB tätig, hat sich der 38-Jährige in den letzten zwei Jahren an der Seite des entlassenen Lucien Favre in der Öffentlichkeit eher im Hintergrund gehalten.

Vor seinem ersten Auftritt als Cheftrainer gegen Werder Bremen waren die Erwartungen groß. Terzic versprach auf seiner ersten Pressekonferenz, Fußball zu spielen, um ein Tor mehr als der Gegner zu schießen - und nicht, um eines weniger zu bekommen.

Diese Philosophie kann durchaus als kleine Kritik am Favre-Fußball verstanden werden. Immerhin wurde dieser selten müde zu betonen, dass man Spiele auch mal knapp über die Zeit bringen müsse.

Auch sonst sprach man weniger über konkrete taktische und fußballerische Neuerungen, als über eine Grundhaltung, die dem BVB schon seit geraumer Zeit abgeht: Sportdirektor Michael Zorc etwa betonte die Emotionalität, die Terzic für den Chefposten bei Borussia Dortmund mitbringe. Auch hier sind die Bezüge zu dem, was sein Vorgänger vermissen ließ, offensichtlich.

Der BVB ging offensiver ans Werk – und wurde belohnt

Fakt ist aber auch: Viel Zeit für fundamentale Veränderungen hatte der neue Coach nicht. Dennoch konnte der aufmerksame Beobachter beim 2:1-Arbeitssieg in Bremen den einen oder anderen Impuls spüren. Das Offensichtliche zuerst: Youssoufa Moukoko bekam seinen ersten Startelfeinsatz und der BVB damit gleich von Beginn an den Stürmer, der seit dem Ausfall von Erling Haaland so vermisst wird. Für ihn nahm Emre Can auf der Bank Platz, wodurch der BVB offensiver zu Werke ging als bei der 1:5-Blamage gegen den VfB Stuttgart.

Die nächste Auffälligkeit: Vor allem in der ersten Halbzeit wirkte der BVB bei Ballbesitz agiler und spielte sich einige gute Torgelegenheiten heraus. Insgesamt war das Spiel der Schwarz-Gelben weniger statisch und hatte in der Offensive mehr Tiefe, woran auch Moukoko durch gute Laufwege seinen Anteil hatte.

Gleichzeitig funktionierte die defensive Absicherung ordentlich. Es war erkennbar, dass man häufig sehr hoch verteidigen und Werder weit vom eigenen Tor fernhalten wollte.

Klar ist aber auch: Letztlich war es ein hart erkämpfter Arbeitssieg in Bremen. Mit unkonzentrierten Ballverlusten, einer ungewöhnlich schlechten Verwertung von Konterchancen sowie der andauernden Formschwäche einiger Sorgenkinder (vor allem Jadon Sancho hatte wieder einige unglückliche Szenen) hat Terzic einige Baustellen vor sich.

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Von jemandem, der in den letzten zwei Jahren selbst Teil des Trainerstabs war, kann man allerdings keine 180-Grad-Wende in einem eng getakteten Spielplan ohne wirkliche Trainingsmöglichkeiten erwarten. Der BVB muss nun irgendwie noch das Bundesligaspiel gegen ein starkes Union Berlin und die zweite Pokalrunde bei Eintracht Braunschweig erfolgreich absolvieren. Anschließend hat Edin Terzic wenigstens ein bisschen Zeit, um durchzuatmen und dem BVB weiter seinen Stempel aufzudrücken.