• Uli Hoeneß musste seine aktive Fußball-Laufbahn mit 27 Jahren beenden. Sebastian Deisler zufällig auch.
  • Hoeneß wurde von seinem Körper zur Aufgabe gezwungen. Bei Deisler kam noch dessen kaputte Psyche dazu.
  • Hoeneß begleitete eines der größten deutschen Talente als Manager des FC Bayern ins Karriere-Aus - in Nächten in Dubai.

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Die tragische Geschichte Sebastian Deislers lässt Uli Hoeneß nicht los. Dies hängt weniger damit zusammen, dass Deisler zufällig im gleichen jungen Alter wie Hoeneß - mit 27 Jahren - als einstiger Komet aus dem Fußball-Himmel abstürzte.

Es hat damit zu tun, dass Hoeneß als Vaterfigur, weniger als Manager von Deislers letztem Fußballklub FC Bayern München, den damals talentiertesten Jungen des deutschen Fußballs in dessen Karriereende begleiten musste.

"Er konnte nichts dafür. Er ist einfach krank gewesen. Das war ein Drama für uns", verriet Hoeneß 14 Jahre nach Deislers Aufgabe im OMR-Podcast von Philipp Westermeyer.

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Sebastian Deisler, Uli Hoeneß, Training, FC Bayern München, Vorbereitung, 2005/06
Im Vorbereitungstraining auf die WM-Saison 2005/06 beobachtet der damalige Manager des FC Bayern München, Uli Hoeneß, rechts, Sebastian Deisler bei einer Sprungübung.

Während des letzten Trainingslagers, das Deisler als Fußballprofi hinter sich brachte, habe der einst gefeierte Jungstar Hoeneß zu Jahresbeginn 2007 in Dubai "jeden Abend um zehn, halb elf angerufen." Deisler habe Gesprächsbedarf gehabt. "'Herr Hoeneß, ich muss mit Ihnen sprechen!'" Beide, so Hoeneß, hätten sich dann "jeden Abend" getroffen. "Weil er nicht mehr konnte."

Von Absteiger Mönchengladbach ins hektische Berlin zur Hertha

Deisler war der Rummel um seine Person zu viel geworden. Aus der Jugend von Borussia Mönchengladbach hervorgegangen, empfand Deisler schon den Wechsel vom medial beschaulichen Niederrhein in die Hauptstadt Berlin, zu Hertha BSC, 1999 als Kulturschock und Belastung. Damals kostete er zwei Millionen Euro Ablöse.

Sebastian Deisler, FC Bayern München, FC Brügge, Champions League, Gruppenphase, 2005/06
Sebastian Deisler schafft 2002 den Sprung zum FC Bayern München. Damals ist er 22 Jahre alt und das größte Zukunftsversprechen des deutschen Fußballs. Immerhin fünf Jahre lang erträgt der feingeistige Deisler das Haifischbecken Bundesliga - und speziell die Umstände beim Rekordmeister - noch. Dann gibt er auf.

Als Deisler nach der für ihn verpassten WM 2002 mit dem FC Bayern München auf der Karriereleiter die oberste nationale Sprosse erklomm, galt er bereits als ebenso verletzungsanfällig wie talentiert. Deisler hatte bereits als 20-Jähriger das EM-Debakel der deutschen Nationalmannschaft in Belgien und den Niederlanden miterlebt, aber nicht verhindern können. Dabei kassierte Deisler als einer der wenigen Spieler positive Kritiken. Fortan ruhten auf ihm die Hoffnungen, vor allem hinsichtlich der Heim-WM 2006.

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Sebastian Deisler verpasst die WM 2002 und auch das "Sommermärchen"

Letzten Endes hat Deisler wegen Verletzungspechs kein einziges WM-Spiel absolviert, weder 2002 noch 2006. Und nur ein halbes Jahr nach dem sogenannten "Sommermärchen" endete sein persönliches Drama im freiwilligen Rücktritt, der Kapitulation vor einem Business, für das Deislers psychisch nicht geschaffen war.

Lukas Podolski, Sebastian Deisler, Nationalmannschaft, 2005, Confederations Cup, Australien
Damals Jungstars und Hoffnungsträger der Nationalmannschaft, doch nur Lukas Podolski, links, ist mental stabil genug, um den Erwartungen an ihn zu entsprechen. "Poldi" wird zur Legende, spielt 130-mal für Deutschland. Für Sebastian Deisler ist nur anderthalb Jahre nach diesem Jubel beim Confed Cup in Deutschland 2005 über das Siegtor gegen Australien Schluss mit Fußball.

"Das war der größte Geldverlust für einen Spieler, den wir je hatten", betonte Hoeneß im OMR-Podcast, aber nicht als Vorwurf an den von ihm so geschätzten Deisler. Für den berappten die Bayern 2002 laut transfermarkt.de neun Millionen Euro Ablösesumme. "Er kann ja nichts dafür. Das Ganze hat uns 50 Millionen gekostet" - und Fußball-Deutschland womöglich den einen oder anderen Titel mehr. Mindestens aber fußballerische Momente zum Zungeschnalzen.

Uli Hoeneß, FC Bayern München, Bundesliga, 1975/76
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Beim FC Bayern München wird Identifikation groß geschrieben. Das Motto "Mia san mia" ist kein Marketing-Slogan, sondern wird insbesondere unter Manager und Präsident Uli Hoeneß seit Jahrzehnten gelebt. Ein Blick in die prominente Bayern-Familie.
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