Das Modell der DFL zur Neuverteilung der Übertragungsrechte an der Bundesliga ab der Saison 2025/26 ist vom Bundeskartellamt akzeptiert worden. Bundesliga-Zusammenfassungen in der ARD-"Sportschau" werden dadurch in der Zukunft sehr unwahrscheinlich.

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Der ARD-"Sportschau" droht nach der Prüfung der Bundesliga-Ausschreibung durch das Bundeskartellamt das Aus. Die Behörde hat das vorgelegte Modell der Deutschen Fußball Liga mit einer möglichen späteren Zusammenfassung der 1. Liga am Samstag grundsätzlich akzeptiert.

Die DFL geht nach Aussage von Geschäftsführer Steffen Merkel davon aus, dass es keine Änderungen mehr gibt. "Sonst säßen wir heute nicht hier", sagte Merkel bei einer Medienrunde in Hamburg.

Das Logo der DFL an deren Sitz in Frankfurt am Main
Das Bundeskartellamt stimmt unter anderem einer Änderung der sogenannten "No-Single-Buyer-Rule" der DFL bezüglich der TV-Rechte-Vergabe an der Bundesliga ab der Saison 2025/26 zur. (Symbolbild) © dpa / Frank Rumpenhorst

"Nach seiner vorläufigen Auffassung kann das Bundeskartellamt die Umsetzung des Modells in der ihm vorgelegten Form tolerieren und hat dies der DFL mitgeteilt", hieß es in einer Mitteilung der Behörde. Vor dem endgültigen Okay erhalten am Verfahren beteiligte Unternehmen "nun die Gelegenheit, zu der vorläufigen Bewertung des Bundeskartellamtes Stellung zu nehmen". Die Rechtevergabe der Fußball-Bundesliga für die Spielzeiten 2025/26 bis 2028/29 soll spätestens vor dem EM-Beginn im Juni beendet sein.

Zweite Variante möglich

Mit dem grundsätzlich von der Behörde akzeptierten Modell ist der Wegfall der Zusammenfassung der Bundesliga im Free-TV am Samstag ab 18:30 Uhr möglich, wie sie derzeit von der ARD-"Sportschau" angeboten wird. Bei dieser Variante wären die Höhepunkte im frei zugänglichen Fernsehen erst von 19:15 Uhr an zu sehen. Es gibt aber auch eine zweite Variante: Bei dieser bliebe es bei einer Zusammenfassung um 18:30 Uhr, wie die Behörde und die DFL bekannt gaben.

"Sollte die spätere Uhrzeit den Zuschlag bekommen, hätte der Rechteerwerber zusätzlich die Möglichkeit, seine Highlight-Sendung ab Sendungsende über eine eigene Online-Mediathek zu verbreiten", erklärte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes.

"Die Ausschreibung wird auch dieses Mal wieder Bewährtes beinhalten, das sich an Fans der Bundesliga richtet, die dieser Liga treu seit Jahren, eher schon Jahrzehnten folgen und die auch gewisse Sehgewohnheiten etabliert haben", führte Merkel aus: "Sei das in Form eines relativ bewährten Regelspielplans, sei das in Form von bewährten Sendefenstern - zum Beispiel am Samstagabend und auch bewährten Formaten und Berichterstattungen." Gleichzeitig müsse die DFL "wieder neue Wege gehen, weil es nicht geht, dass wir auf dem Status quo stehen bleiben", sagte Merkel.

Der Presentertisch der "Sportschau" am 25. März 2023 in München
Die "Sportschau" in der ARD gehört auch nach fast 61 Jahren Fußball-Bundesliga für viele Fans fest zum Samstagabend-Ritual. (Archivbild) © picture alliance / ZUMAPRESS.com / Sven Beyrich

Die ARD ist mit der "Sportschau" seit der Gründung der Bundesliga 1963 deren TV-Partner. Sie wollte sich bisher zu der Idee einer Verschiebung der Zusammenfassung auf 19:15 Uhr nicht öffentlich äußern. Dass der Sender, bei dem es seit der Saison 2003/04 wieder die Höhepunkte der Liga in der "Sportschau" zu sehen gibt, bei der Ausschreibung auf ein Paket mit späteren Highlight-Rechten bieten würde, gilt allerdings als ausgeschlossen.

Zweite wichtige Änderung der DFL

Zweite wesentliche Änderung der Ausschreibung der Bundesliga-Rechte ist die Abschaffung der sogenannten "No-Single-Buyer-Rule". Diese Regelung besagt, dass nicht ein einzelner Pay-TV-Anbieter alle Live-Rechte kaufen darf, sondern mindestens zwei beteiligt sein müssen. Bis 2025 teilen sich Sky und DAZN diese Rechte. Bei der für April geplanten Auktion der Rechte könnte nun ein einzelner Sender alle Pay-TV-Rechte erwerben. Es droht also ein Monopol.

Es gibt aber auch andere Möglichkeiten. Denn in der Ausschreibung stehen vier verschiedene Pakete für das Pay-TV. Es könnte also auch sein, dass die Fans ab 2025 noch mehr Abonnements benötigen, um Live-Spiele der 1. Bundesliga im TV zu sehen.

"Wir sehen in den letzten Jahren durch die Aktivitäten von Unternehmen wie DAZN, RTL und auch Amazon deutlich mehr Bewegung auf dem Markt für Live-Fußballübertragungen", sagte der Präsident des Bundeskartellamtes. "Damit ist es uns möglich, dem Vorschlag der DFL zu entsprechen, bei der aktuellen Vergabe auf die generelle Vorgabe zu verzichten, dass kein Unternehmen die Live-Rechte an Bundesligaspielen allein erwerben darf."

"Wir begrüßen das als DFL", sagte Merkel zum Ende der "No-Single-Buyer-Rule". "Es bedeutet, dass einer alles kaufen kann", sagte der Geschäftsführer. Es bedeute aber nicht zwingend, "dass einer alles kaufen wird". Die Idee dahinter: Der Konkurrenzdruck soll mit dieser neuen Regelung erhöht werden. Für den Fall, dass es doch zwei Pay-TV-Anbieter werden, heißt das laut Merkel, "dass diese beiden Sender untereinander viel enger kooperieren dürfen, als sie es bislang tun dürfen".

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Bei dem von Merkel vorgestellten Modell ist zudem neu, dass eines der ausgeschriebenen Pakete die Rechte zur Übertragung aller Bundesliga-Einzelspiele am Freitag und am Samstag umfasst. Zuvor waren die Spiele am Freitag und am Sonntag in einem Paket gebündelt, das derzeit DAZN hält. Die Spiele am Sonntag sind laut Merkel in einem einzelnen Paket zu erwerben, ebenso das Samstagsspiel um 18:30 Uhr.

Zu den finanziellen Erwartungen der Ausschreibung machte Merkel keine detaillierten Angaben. Die TV-Rechte sind die mit Abstand wichtigsten Einnahmequelle der Fußball-Bundesliga. Derzeit nimmt die Liga durchschnittlich rund 1,1 Milliarden Euro pro Saison ein. Mehr als 80 Prozent davon zahlen die Pay-TV-Anbieter Sky und DAZN. Zum Vergleich: Die Premier League wird ab 2025 fast zwei Milliarden Euro pro Jahr durch den Verkauf der nationalen Medienrechte kassieren. Die Serie A bekommt ab dem Jahr 2025 nur noch 900 Millionen Euro pro Spielzeit bis zur Saison 2028/29.

Das Bundeskartellamt hat das letzte Wort

Das Bundeskartellamt ist entscheidend, weil es die Zustimmung für die bisher praktizierte Zentralvermarktung durch den Ligaverband erteilen muss. Derzeit können sich Medien-Unternehmen bei der DFL registrieren lassen. Sie erhalten dann Zeitplan, Verfahrensregeln, Fristen und Kriterien für die Zulassung. Später sollen den zugelassenen Unternehmen die eigentlichen Ausschreibungsunterlagen übersendet werden. (dpa/sid/hau)

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