• Laut einem Medienbericht soll Lars Windhorst, Investor bei Hertha BSC, eine "Schmutzkampagne" gegen Ex-Präsident Werner Gegenbauer finanziert haben.
  • Er bestreitet die Vorwürfe, bietet nun dem Klub aber den Rückkauf seiner Anteile zum Einkaufspreis von 374 Millionen Euro an.

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Der Wirbel um Lars Windhorst, inzwischen vor allem durch sein Investment beim Fußball-Bundesligisten Hertha BSC bekannt, will einfach nicht abreißen. Wurde in der Vergangenheit berichtet, dass der Geschäftsmann seine finanziellen Verpflichtungen nicht erfüllen könne, stehen nun Vorwürfe im Raum, die Windhorst seinen Investor-Posten kosten könnten.

Am Mittwochnachmittag bot er der Hertha einen Rückkauf seiner Anteile an. Es gebe keine Basis und keine Perspektive mehr für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der Tennor Group und Hertha BSC, hieß es in einer Erklärung, die Windhorst auf Facebook veröffentlichte.

Zuvor berichtete die "Financial Times", dass Windhorst eine private israelische Sicherheitsfirma mit einer Kampagne gegen Herthas Ex-Präsident Werner Gegenbauer beauftragt haben soll. Schon seit Beginn der Ära Windhorst bei den Berlinern war Gegenbauer kein "Freund" des Investors.

"Er hat in den vergangenen Wochen, mitten im Abstiegskampf, den Verein angezündet. Windhorst hat eine Spaltung zu verantworten, die den Klub und alle Abteilungen schwer verunsichert hat. Es wird die Aufgabe meiner Nachfolgerin oder meines Nachfolgers sein, diese Spaltung rückgängig zu machen", sagte Gegenbauer über den Investor nach seinem Aus im Februar 2022 dem "Tagesspiegel".

Windhorst soll Unternehmen mit "Schmutzkampagne" beauftragt haben

Windhorst soll das Unternehmen namens Shibumi Strategy Limited ein Jahr lang mit einer "verdeckten Operation" gegen Gegenbauer beauftragt haben. Kurz nach Veröffentlichung des Berichts dementierte ein Sprecher des Investors den Bericht noch als "kompletten Unsinn" beim Fernsehsender "NTV". Auch Shibumi-Chef Ori Gur-Ari dementierte, dass es ein Verfahren gebe, weil Windhorst seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen sei.

Laut "FT" sollen aber Gerichtsdokumente aus einem Bezirksgericht in Tel Aviv die Vorwürfe unterstützen. Eine vertragliche Vereinbarung über eine Zahlung von einer Million Euro für acht Monate Arbeit sei vonseiten Windhorsts nicht eingehalten worden. Zudem gehe aus den Gerichtsunterlagen hervor, dass ein 20 Personen starkes Team Gegenbauer-Sympathisanten, Gegner und Familienangehörige des Ex-Präsidenten online und persönlich kontaktiert haben soll, heißt es im Bericht. Letztendlich ginge es darum, eine Einflusskampagne gegen den Präsidenten der Berliner Hertha durchzuführen, so die "FT".

Unter anderem wurden dafür Twitter-Profile aufgesetzt, die den Anschein erwecken sollten, dass es vonseiten der Hertha-Fans massive Kritik an Gegenbauer geben würde. Auch kritische Karikaturen über den Vereinschef wurden in Umlauf gebracht.

Fans stellen sich gegen Windhorst

Pikant: Kurz nach Erscheinen des Artikels wurde die Klage in Tel Aviv gelöscht. Doch die Wogen konnten nicht mehr geglättet werden. Am Freitag forderte die Hertha eine Stellungnahme von Tennor und Windhorst an, außerdem wurde eine Rechtsanwaltskanzlei beauftragt, den Vorgang zu bewerten. Eine Pressekonferenz mit Windhorst und Gegenbauer-Nachfolger Kay Bernstein wurde kurzfristig abgesagt.

Via Facebook meldete sich Windhorst daraufhin enttäuscht zu Wort: ""Die Entscheidung der Hertha-Vereinsführung, eine Pressekonferenz zu verschieben sowie Berliner Anwälte recherchieren zu lassen, nehme ich zur Kenntnis."

Und weiter: "Extrem bedauerlich ist allerdings, dass nicht versucht worden ist, im gemeinsamen internen Gespräch offene Fragen zu klären. Stattdessen wurde wie in der Vergangenheit mit Durchstechereien und Indiskretionen in der Presse gearbeitet."

Herthas Fanszene reagierte mit einem deutlichen Statement auf die Berichte der "FT". Sollten die Berichte zutreffen, hätte sich Windhorst eines "eklatanten Bruchs sämtlicher Werte von Hertha BSC" schuldig gemacht und "dem Verein in kaum zu glaubender Weise geschadet", teilte die Ostkurve in einem Statement mit. Ein Plakat in der Kurve beim Spiel am Sonntag gegen die TSG Hoffenheim fasste es noch einmal deutlich zusammen: "Schmutzkampagnen, Detektive und Millionen werden es nicht beenden. Hertha BSC bleibt fest in unseren Händen."

Windhorst bietet Hertha-Anteile zum Rückkauf an

Drei Tage später scheint es, als hätten die Anhänger des Hauptstadt-Klubs recht behalten. Auch wenn noch viele Fragen zu klären sind, insbesondere woher die 374 Millionen Euro kommen sollen, die Windhorst 2019 für den Kauf der Hertha-Anteile aufwendete und die er nun zum Ausgleich für die Rückabwicklung seines Anteilkaufs erhalten möchte. In seinem Statement erhebt Windhorst aber auch schwere Vorwürfe in Richtung des neuen Präsidenten Bernstein, einem ehemaligen "Ultra". "Alle Gespräche mit dem neuen Präsidenten Kay Bernstein haben uns gezeigt, dass zwischen den Erklärungen und dem dann folgenden Verhalten des Präsidenten ein großer Unterschied besteht", erklärte Windhorst in seinem Statement.

Er ergänzte: "Es gab zu keinem Zeitpunkt eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe über wesentliche Fragen der Entwicklung von Hertha BSC. Alle Entscheidungen der vergangenen drei Monate wurden mit Tennor als Mehrheitsgesellschafter weder besprochen noch abgestimmt. Wie früher haben wir über die Medien oder zeitgleich mit der Presse davon erfahren. Unsere Bereitschaft, Hertha BSC beim Aufbau weiter finanziell zu unterstützen, wurde abgelehnt. Präsident Kay Bernstein ist erkennbar an einer vertrauensvollen und seriösen Zusammenarbeit nicht interessiert."

Dies zeige sich auch in der Debatte "über eine angebliche Beauftragung der israelischen Agentur durch Tennor", meinte der Geschäftsmann. "Statt gemeinsam mit uns an der Aufklärung zu arbeiten, hat Präsident Bernstein entschieden, sich ohne Prüfung der Beweislage den Vorverurteilungen anzuschließen." Bernstein habe sogar den Bruch mit Tennor und Windhorst als Ziel gehabt, wirft Windhorst in seinem Facebook-Posting vor.

Schon jetzt ist klar, die Personalie Lars Windhorst wird auch in den kommenden Wochen und Monaten noch für zahlreiche Schlagzeilen in Verbindung mit Hertha BSC sorgen. Denn seine Äußerungen werden kaum kommentarlos von der Klub-Führung der Hertha hingenommen werden.

Verwendete Quellen:

  • Spiegel. De: Hat Hertha-Investor Lars Windhorst eine Mobbingkampagne in Israel bestellt?
  • SZ.de: Herthas Kurve stellt sich gegen Windhorst
  • Facebook-Post Lars Windhorst 5.10.2022
  • ft.com: Lars Windhorst hired corporate spies that targeted football club boss, lawsuit says
Teaserbild: © picture alliance/dpa/Andreas Gora