Kein Bremer Feldspieler hat in der Bundesliga öfter auf dem Platz gestanden: Mit Horst-Dieter Höttges verliert der Klub von der Weser einen echten Anführer, der auch mit der Nationalmannschaft legendäre Spiele bestritten hat. Höttges stirbt im Alter von 79 Jahren.

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Werder Bremen trauert: Klub-Legende Horst-Dieter Höttges ist am 22. Juni im Alter von 79 Jahren verstorben. Das bestätigte der Klub auf SID-Anfrage. Zuvor hatten die "Deichstube" und die "Bild"-Zeitung über den Tod des ehemaligen Nationalspielers berichtet.

Im Dezember 2022 wurde im deutschen Fußballmuseum in Dortmund eine Sammlung persönlicher Gegenstände von Höttges versteigert. Der Erlös von 148.000 Euro kam wohltätigen Zwecken zugute.

Horst-Dieter Höttges litt an Demenz

Der Bremer Ehrenspielführer war schon vor Jahren an Demenz erkrankt und lebte mit seiner Frau seit 2019 in einer Seniorenresidenz in Verden an der Aller, nahe Bremen. Zuletzt soll sich sein Gesundheitszustand stark verschlechtert haben. Mit 420 Bundesliga-Einsätzen (55 Tore) zwischen 1964 und 1978 steht Höttges bis heute in dieser Statistik an der Spitze aller Bremer Feldspieler. "Niemand fühlte sich als Star oder versuchte, sich aus der Mannschaft hervorzuheben. Es herrschte ein ungeheurer Zusammenhalt", sagte Höttges einmal über die Zeit seiner Karriere. "Mit mir steigt Werder nicht ab", sagte der Bremer Ehrenspielführer einmal und hielt Wort.

Sein langjähriger Klub würdigte ihn mit einem Nachruf. Darin betonte Dr. Hubertus Hess-Grunewald, Werder-Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender: "Mit Horst Dieter Höttges verlieren wir einen der größten Werderaner aller Zeiten und einen der besten Fußballer, die es je in Deutschland gab."

Dem schloss sich DFB-Präsident Bernd Neuendorf an: "Horst-Dieter Höttges hat eine erfolgreiche Ära mitgeprägt und mit der deutschen Auswahl die größten Titel gewonnen. In Mannschaften, die im Rückblick vor allem für ihre Spielstärke gepriesen werden, war er der fleißige Arbeiter, dem kein Weg zu weit, kein Auftrag zu schwer war – und der damit seine Kollegen glänzen ließ. Ohne Spieler wie ihn kann keine Mannschaft erfolgreich sein. Sein Einsatz war vorbildlich, ebenso seine Leidenschaft und Hingabe. Horst-Dieter Höttges hat sich große Verdienste um den deutschen Fußball erworben."

Höttges wechselte 1964 aus seiner Geburtsstadt von Borussia Mönchengladbach aus der damals zweitklassigen Regionalliga West in den Norden und verpasste damit den Bundesliga-Aufstieg der Borussia 1965 und deren Meisterjahre 1970, 1971, 1975, 1976 und 1977. Dafür durfte sich Höttges bereits nach seinem ersten Jahr an der Weser 1965 bereits Deutscher Meister nennen. Nach einem Abstecher zum SC Oberbecksen (1978/79) hängte Höttges bei den Werder-Amateuren bis 1980 noch eine Saison dran. In diesem Jahr 1980 ereilte die Profis der Grün-Weißen deren erster Abstieg aus der Bundesliga.

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Werder Bremens Horst-Dieter Höttges am 3. September 1966 in Duisburg-Meiderich
Am 3. September 1966 unterliegt Werder Bremens Abwehrrecke Horst-Dieter Höttges mit seinem Klub am dritten Spieltag der Bundesliga mit 0:1 beim Meidericher SV in Duisburg. (Archivbild) © action press/United Archives GmbH

Horst-Dieter Höttges war ein unangenehmer Widersacher

Höttges hatte sich während der Karriere den Spitznamen "Eisenfuß" erarbeitet, er war ein kompromissloser Verteidiger, die Fans liebten ihn dafür. Die "Mörderbrüder" lautete die wenig schmeichelhafte Bezeichnung für Bremens einstiges Verteidiger-Paar Höttges und Josef Piontek, Dänemarks späteren Erfolgstrainer.

"Er ging keinem Zweikampf aus dem Weg, kämpfte aber immer mit offenem Visier", sagte HSV-Legende Uwe Seeler einmal. Seeler gelang es nicht, Höttges zu einem Wechsel aus Bremen nach Hamburg zu bewegen. Höttges wollte nicht weg: "Ich habe mich in dieser kleinen Stadt Bremen immer viel zu wohlgefühlt", sagte er einmal.

Sepp Herberger: "Es ist eine Strafe, gegen Höttges zu spielen"

Er hatte sich in der kleinen Stadt großen Respekt erarbeitet. Die Schalke-Legende Stan Libuda bemerkte vor einem Spiel in Bremen: "Nee, Trainer. Da brauch' ich gar nicht erst mitfahren. Da geht es gegen den Höttges. Da seh' ich den Ball genau zweimal: Beim Anstoß und wenn die das Tor geschossen haben." Und Bayern-Torjäger Gerd Müller meinte einst: "Er war einer der unangenehmsten Gegenspieler, gegen die ich antreten musste." Sepp Herberger, der Weltmeister-Trainer von 1954, setzte noch einen drauf: "Es ist für jeden Spieler eine Strafe, gegen diesen Mann zu spielen."

Ärmel aufkrempeln, gegenhalten - mit diesen Tugenden brachte es Höttges zwischen 1965 und 1974 auf 66 Länderspiele, drei WM-Teilnahmen und den Europameister-Titel 1972.

Kölns Torjäger Dieter Müller erzielt sein sechstes Tor gegen Werder Bremen am 17. August 1977
Kölns Torjäger Dieter Müller (Z.v.l.) erzielt sein sechstes Tor gegen Werder Bremen und dessen Torwart Dieter Burdenski am 17. August 1977. Das ist Bundesliga-Rekord. © imago/Pfeil

Dieter Müller markiert seinen Bundesliga-Rekord gegen Höttges

Es gab allerdings auch Spieler, die legten den Respekt vor dem "Eisenfuß" ab. Der Kölner Dieter Müller erzielte an einem denkwürdigen Mittwochabend am 17. August 1977 beim 7:2 gegen den SV Werder sechs Tore (Bundesliga-Rekord) als Gegenspieler von Höttges.

Höttges stand auch im legendären WM-Finale gegen England am 30. Juli 1966 in Wembley auf dem Platz, als sein Querschläger in der 78. Minute Englands 2:1-Führung durch Martin Peters ermöglichte. Und Höttges ging auch am 22. Juni 1974 in der 78. Minute eines WM-Spiels in die Geschichte ein.

Am 22. Juni 1974 trifft Jürgen Sparwasser zum Sieg der DDR-Nationalmannschaft gegen die DFB-Elf
Am 22. Juni 1974 trifft Jürgen Sparwasser (l.) in Hamburg zum Ende der Gruppenphase zum unerwarteten 1:0-Sieg der DDR-Nationalmannschaft gegen die gastgebende DFB-Elf. In den Reihen des Europameisters, der trotzdem 16 Tage später gegen die Niederlande das Endspiel gewinnt und Weltmeister wird, haben Horst-Dieter Höttges, Berti Vogts und Sepp Maier (v.l.) das Nachsehen. (Archivbild) © picture-alliance / dpa / Witschel

Damals blieb er gemeinsam mit Berti Vogts und Sepp Maier geschlagen und machtlos zurück, als Jürgen Sparwasser für die DDR in Hamburg im Anschluss an einen Sololauf sein berühmtes Siegtor für die DDR im abschließenden Gruppenspiel gegen den Europa- und späteren Weltmeister Bundesrepublik Deutschland erzielte. Höttges, an jenem Abend in der 68. Minute für Hans-Georg Schwarzenbeck eingewechselt, kam anschließend in keinem Länderspiel mehr zum Einsatz. Nach Heinz Flohe, Gerd Müller und Jürgen Grabowski ist Horst-Dieter Höttges der vierte Weltmeister von 1974, der nunmehr gestorben ist.

Verwendete Quellen:

  • bild.de: Werder trauert um Legende Höttges (†79)
  • dpa
  • sid
  • transfermarkt.de: Profil von Horst-Dieter Höttges
  • twitter: Profil von Werder Bremen
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