• Die Italiener werden bei der EM 2021 als eine der spielstärksten Mannschaften gefeiert und stehen zu Recht im Halbfinale gegen Spanien.
  • Der Sieg über Mitfavorit Belgien im Viertelfinale war die 32. Partie nacheinander ohne Niederlage für Italien.
  • Die Mannschaft aber ist im Begriff, gewonnene Sympathien zu verspielen. Grund sind die Schauspieleinlagen. Ciro Immobile trieb seine gegen Belgien auf die Spitze.

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Wer sich im Fußball auskennt, dem ist die Fallsucht italienischer Spieler nicht neu und ein immer wiederkehrendes Ärgernis. Als die Squadra Azzurra in München gegen EM-Mitfavorit Belgien mit 2:1 führte und im Verlauf der zweiten Halbzeit unter Druck geriet, gaben Spieler wie Gianluigi Donnarumma oder Giovanni di Lorenzo nach Zweikämpfen vor, verletzt zu sein und behandelt werden zu müssen. Sie nahmen so Zeit von der Uhr, die den Belgiern anschließend für ihre mögliche Aufholjagd fehlte.

Doch schon beim Stande von 0:0 kam es zu einer Einlage, die ihresgleichen suchte. Italiens Torjäger Ciro Immobile versuchte, einen weiten Ball in den Strafraum mit dem Rücken zum Tor anzunehmen. Sein Bein schnellte hoch, und auch das des belgischen Kapitäns und Innenverteidigers Jan Vertonghen.

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Italiens Torjäger Ciro Immobile, Mitte, wird von Belgiens Kapitän Jan Vertonghen am Fuß berührt und legt sich anschließend im EM-Viertelfinale in München auf den Boden, eine Verletzung vortäuschend.

Ciro Immobile sinkt nach leichter Berührung zu Boden

Eine leichte Berührung an seinem rechten Bein nahm Immobile zum Anlass, zu Boden zu sinken und sich theatralisch auf dem Rasen zu wälzen. Er forderte einen Strafstoß. Belgiens Verteidiger Thomas Vermaelen, der Immobile in besagter Szene abgedeckt hatte, konnte es nicht fassen. Er zeigte mit beiden Armen verständnislos auf Immobile und winkte ab.

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Nicolo Barella, rechts, jagt den Ball ins Tor der Belgier. Italien führt im Viertelfinale der EM in München mit 1:0. Ciro Immobile, am Boden, bekommt die Szene nur akustisch mit. Er mimt den Verletzten.

Derweil lief der italienische Angriff weiter. Davon bekam Immobile, der sein Gesicht im Rasen vergrub, visuell nichts mit. Sein Teamkollege Nicolo Barella jagte den Ball Sekunden nach Immobiles Fall zur 1:0-Führung der bis dahin ungefährlichen Italiener ins Netz. Immobile konnte sein Schauspiel beenden. Der frühere Dortmunder Angreifer erhob sich und rannte dem Torschützen und seinen Mannschaftskollegen hinterher.

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Nicolo Barella, links, hat das 1:0 für Italien im Viertelfinale der EM gegen Belgien erzielt, als Ciro Immobile, Zweiter von rechts, noch am Boden liegend eine Verletzung vortäuscht.

Alan Shearer: "Das ist erbärmlich und peinlich"

Zahlreiche Beobachter kommentierten Immobiles Betrugsversuch in den sozialen Netzwerken. Die englische Torjäger-Legende Alan Shearer schrieb stellvertretend für viele genervte und enttäuschte Fans auf Twitter: "Ich möchte nicht einmal darüber lachen, weil es erbärmlich war. Sie können sehen, wie er den Schiedsrichter ansieht, noch bevor er merkt, was passiert ist. Erbärmlich und peinlich, das ist es."

Immobile hat mit zwei Toren in vier Spielen im Lauf der EM längst bewiesen, dass er es auch anders kann. Dies bestätigt sein Nationaltrainer Roberto Mancini. "Er hat in den vergangenen Jahren viele Tore gemacht. Es kann bei einem Turnier immer passieren, dass derjenige, der am meisten kritisiert wird, das Spiel oder das Turnier entscheidet", sagte der frühere Torjäger vor dem EM-Halbfinale gegen Spanien am Dienstag in London (21:00 Uhr/ARD und Magenta TV und LIVE bei uns im Ticker).

Bonucci verteidigt Immobile: "Er hat eine Berührung gespürt"

Verteidiger Leonardo Bonucci nahm seinen Mitspieler gegen die harsche Kritik in Schutz, die auf Immobile nach dessen Schauspieleinlage eingeprasselt war. "Das sind Dinge, die auf dem Platz passieren. Er hat eine Berührung gespürt", bemerkte Bonucci. "Ciro ist eine großartige Person. Wir haben die Kritik daran registriert, aber das ist jetzt abgehakt."

Die nächste Gelegenheit, Sympathien zurückzugewinnen und sein Torkonto aufzubessern, bekommt Immobile im Londoner Wembley-Stadion gegen Spanien.