Die Sommerpause ist für Fußballfans eine harte Zeit. Die europäischen Ligen nehmen sich ihre Auszeit, Champions League und Europa League sind entschieden – kurzum, die Fußballwelt schläft. Zum Glück gibt es aber den Confed Cup!

Als die Fifa den Confederations Cup, wie das Turnier offiziell heißt, im Jahr 1997 ins Leben rief, versuchte der Weltverband, die Zeit zwischen den wichtigen Nationalmannschafts-Turnieren mit Leben zu füllen. Die ersten beiden Auflagen – 1997 in Saudi-Arabien und 1999 in Mexiko – fanden noch nicht im Land des folgenden WM-Gastgebers statt. Erst ab 2001 nutzte die Fifa das Turnier, um dem Austragungsland der jeweils im nächsten Jahr stattfindenden WM eine Art Generalprobe zu verschaffen.

Seitdem findet der Wettbewerb alle vier Jahre statt: 2001 in Japan und Südkorea, 2005 in Deutschland als Vorgeschmack auf das "Sommermärchen" und 2009 in Südafrika. Der Confed Cup 2013 in Brasilien beginnt am Samstag um 21:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit mit der Partie des Gastgebers gegen Japan.

Wer spielt mit?

Das Teilnehmerfeld des Turniers ist dabei streng reglementiert. Neben dem Gastgeber treten der amtierende Weltmeister und die Gewinner der kontinentalen Meisterschaften an. In diesem Jahr sind das Weltmeister Spanien, EM-Finalist Italien, da EM-Sieger Spanien ja schon einen Startplatz besitzt, Asienmeister Japan, Gold-Cup-Champion Mexiko, Südamerikameister Uruguay, Afrikas Champion Nigeria und Tahiti als Sieger des Ozeaniencups.

Tahiti? Richtig gehört, die traumhafte Insel im Südpazifik konnte den Titel des Ozeanienmeisters im Jahr 2012 für sich erobern. Dabei blieb den Mannschaften aus Neukaledonien, Vanuatu, Samoa und den Salomonen nur das Nachsehen. Der haushohe Favorit Neuseeland, Australien spielt seit einiger Zeit mangels ernsthafter Konkurrenz in der Asienmeisterschaft mit, musste im Halbfinale gegen Neukaledonien die Segel streichen.

Tahitis Trainer Eddy Etaeta kann die Sonderstellung, die sein Amateurteam im Konzert der Größen des Weltfußballs innehat, aber gut einordnen. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa meint der 43-Jährige: "Spanien wird uns nicht abschießen wollen. Das gebietet der Anstand. Hat es der Weltmeister nötig, uns mit 20 Toren zu demontieren und den Amateurfußball zu blamieren? Wäre das respektvoll, wäre das schön? Ich denke nicht."

Zum ersten Mal vor großer Kulisse

Auch die Tatsache, dass seine Mannschaft noch nie ein Länderspiel außerhalb Ozeaniens absolviert hat, bringt Etaeta nicht aus der Fassung. Für das Spiel am kommenden Donnerstag gegen Spaniens Superstars in Rio de Janeiros Fußballtempel Maracana hat der Coach bereits Vorkehrungen getroffen: "Das Maracana ist ein Mythos. Es muss ein beeindruckender Ort sein, auch ich war noch nie dort. Wir haben daher beim Training zu Hause über den Lautsprecher die Atmosphäre eingespielt, damit sich die Jungs an das Geschrei von 100.000 Zuschauern gewöhnen können und nicht überwältigt sind."

Doch das Sportliche steht nicht alleine im Fokus in den nächsten gut zwei Wochen. Die Spielstätten in Brasilia, Rio de Janeiro, Fortaleza, Recife, Belo Horizonte und Salvador de Bahia befinden sich unter strenger Beobachtung. Logistik, Sicherheit, Infrastruktur und Ticketing stehen auf dem Prüfstand. Der Generalsekretär der Fifa, Jérôme Valcke, ist aber zuversichtlich: "Alles ist gut. Wir haben die Stadien und die Infrastruktur, um die Teams zu empfangen und den Fans eine gute Zeit zu geben." Auch die noch im Bau befindlichen weiteren sechs WM-Arenen sollen fristgerecht bis Dezember fertig sein, so Valcke im Rahmen des Festakts 365 Tage vor dem Anpfiff in Sao Paulo.

Deutschland schaut nicht in die Röhre

Obwohl die Nationalmannschaft des DFB beim Confed Cup nicht vertreten ist, müssen deutsche Fußballfans aber nicht auf bekannte Gesichter verzichten. Gleich 13 Profis aus der Bundesliga sind in Brasilien am Ball. Neben acht Spielern in der japanischen Auswahl dürften vor allem die "bayerischen Brasilianer" Dante und Luiz Gustavo Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Beide kämpfen um einen festen Platz im Kader der "Seleçao". Das letzte Gruppenspiel gegen Italien hat vor allem für Dante große Bedeutung. Es findet nämlich in seiner Heimatstadt Salvador de Bahia statt. In einem Interview auf der Internetseite der Fifa erklärt der Publikumsliebling des FC Bayern: "Ich denke schon seit geraumer Zeit an nichts anderes mehr. Wirklich. Ich kenne den ganzen Spielplan schon seit langem auswendig und hoffe, dass ich die Chance haben werde, am 22. Juni beim Spiel gegen Italien dabei zu sein."

Für Luiz Gustavo ist der Stellenwert des Turniers klar: "Der Confed-Cup ist ganz wichtig für uns. Das ganze Land freut sich auf das Turnier. Das wird eine sehr, sehr harte Aufgabe." Für die Fußballfans ist jetzt schon eines klar: Der Wettbewerb wird dank der Stars aus Spanien, Italien und vom Zuckerhut das Turnier des Jahres. Die sympathischen Amateure aus Tahiti werden sicher für Farbtupfer sorgen. Und wenn sich eine ähnliche Sommerstimmung ausbreitet wie beim Confed Cup 2005 in Deutschland, als unter anderem Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski die Szene mit mitreißenden Darbietungen verzückten, steht einem Fußballfest nichts im Wege.