Deutschland gegen England - mehr Fußball-Klassiker geht kaum. Doch vor dem 33. Duell der deutschen Nationalmannschaft mit den "Three Lions" heute Abend in London (21:00 Uhr live bei uns im Ticker und in der ARD) steht Bundestrainer Joachim Löw im Fokus. Seine Ankündigung, einige Stammkräfte zu schonen, stößt nicht nur in der englischen Presse auf Unverständnis.

"Not amused" zeigt sich das Mutterland des Fußballs vor dem Testspiel gegen Deutschland. Der Grund: Bundestrainer Joachim Löw schont einige Stammspieler. Manuel Neuer, Philipp Lahm und Mesut Özil wurden von Löw nach Hause geschickt. Dies sorgt bei den Engländern für dezente Verärgerung. Als sogenannten "Löw Blow", einen "Tiefschlag" von Löw, bezeichnet der "Daily Mirror" die Geste des Bundestrainers. Dieser verteidigt sich auf einer Pressekonferenz. "Für mich ist das nochmal die Gelegenheit, auf Schlüsselpositionen zu testen. Es ist die letzte Möglichkeit, in einem echten Härtetest den einen oder anderen Spieler zu sehen."

Ärger aus Dortmund?

Auch aus der Heimat könnte Löw Ärger drohen. Denn er hat mit Neuer und Lahm zwei Münchner Spielern eine Ruhepause verordnet - und das wenige Tage vor dem Bundesligakracher zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern am Samstag. Der Bundestrainer macht jedoch deutlich, dass er darauf keine Rücksicht nimmt. "Ich schaue auf die Nationalmannschaft. Dortmund gegen Bayern ist schon mal gar nicht mein Thema." Die Regenerationszeit sei außerdem völlig ausreichend: "Die Spieler wollen spielen. Junge Spieler, die völlig austrainiert sind. Wenn es ein Problem ist, dass 22-, 23-, 24-Jährige Dienstag und Samstag spielen, dann entwickeln wir uns in Deutschland in die falsche Richtung."

Bisher beschwerten sich die Dortmunder eher darüber, dass Löw die Spieler aus München bevorzuge. Der Bundestrainer wehrte sich stets gegen diese Vorwürfe. Im Spiel gegen Italien am vergangenen Freitag standen fünf Bayern-Spieler in der Startelf, aber nur ein Borusse. Heute Abend dreht Löw den Spieß um: Gleich vier Dortmunder werden von Anfang an dabei sein. Marco Reus und Marcel Schmelzer kehren definitiv in die Startformation zurück. Ihr Teamkollege Sven Bender wird im defensiven Mittelfeld den verletzten Sami Khedira vertreten. Der 33-jährige Roman Weidenfeller wird zum ältesten Torwart-Debütanten in der Geschichte des DFB. "Er hat sich die Nominierung verdient. Er hat im Training einen fantastisch guten Eindruck gemacht", begründet Löw seine Entscheidung.

England unter Druck

Die Engländer würden einen Torwart wie Weidenfeller mit Kusshand nehmen. Seit Jahren ist die Besetzung der Position zwischen den Pfosten schwierig - um es wohlwollend zu formulieren. Doch nicht nur auf der Position des Torhüters drückt der Schuh. Nationaltrainer Roy Hodgson mangelt es an jungen Talenten. Als Fernziel hat der englische Verband jüngst ausgegeben, bei der WM 2022 wieder um den Titel mitzuspielen - ein Armutszeugnis für die aktuelle Generation englischer Fußballer.

Das Experiment mit zuletzt neun Umstellungen gegen Chile ist gründlich in die Hose gegangen. Die Engländer werden daher in Bestbesetzung antreten, um erstmals seit 1975 wieder in ihrem "Wohnzimmer" gegen Deutschland zu gewinnen. Doch Wembley ist ein gutes Pflaster für das DFB-Team. Siebenmal war es seit der WM 1966 in London zu Gast – sechsmal gingen die deutschen Nationalspieler als Sieger vom Platz. André Schürrle ist sich sicher, dass die Engländer hochmotiviert sein werden: "England gegen Deutschland, das kann man niemals als ein Freundschaftsspiel betrachten."