Emanuel Buchmann peilt bei der Tour de France das Podium an. Die Strecke und die Konkurrenzsituation kommen ihm zwar entgegen. Die Folgen eines Sturzes Mitte August bereiten ihm allerdings Sorgen.

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Er hat die Tour de France für deutsche Fans wieder interessant gemacht. Emanuel Buchmann belegte 2019 den vierten Platz in der Gesamtwertung. Es war das beste Ergebnis eines deutschen Fahrers seit 2006. Damit zufriedengeben möchte sich der 27-Jährige allerdings nicht.

Am Samstag startet die 107. Auflage der Tour de France. Buchmann strebt nach dem Maximum. "Das Ziel ist eine weitere Verbesserung und damit das Podium. Wenn man das Podium erreichen kann, ist der Sieg auch nicht mehr weit", sagt er im Interview mit "rosenheim24.de".

Die Tour 2020 ist wie für Buchmann gemacht

Seine Zuversicht ist nicht unbegründet. Zwei Gründe sprechen dafür, dass der Ravensburger bei dem bedeutsamsten Radrennen der Welt ganz vorne mitmischen kann. Zunächst einmal die Strecke an sich.

Die Tour de France 2020 erstreckt sich über 21 Etappen und 3.470 Kilometer. Neun Flachetappen, drei hügelige Etappen und acht Gebirgsetappen sind zu meistern, zudem ein Zeitfahren. Diese Streckengestaltung kommt Buchmann sehr entgegen.

"Die Tour ist in diesem Jahr wie für mich gemacht", sagt er auch selbst. "Es gibt kein Mannschaftszeitfahren, viele Berge und nur ein Zeitfahren, das am Ende auch berghoch führt. Von daher kann ich mir nicht mehr wünschen."

Auch die Konkurrenzsituation spielt Buchmann in die Karten. Bei der Tour de France 2019 landeten vor ihm der Brite Geraint Thomas und der Niederländer Steven Kruijswijk. Beide gehen diesmal allerdings nicht an den Start. Hat Buchmann somit freie Bahn? Natürlich nur bedingt.

Der Titelverteidiger Egan Bernal aus Kolumbien ist erneut der Top-Favorit. Auch der Slowene Primoz Roglic, ein ehemaliger Skispringer, zählt seit seinem Sieg bei der Vuelta 2019 zu den besten Fahrern der Welt und dürfte weit vorne landen. Unterstützt wird er von seinem deutschen Teamkollegen, dem siebenfachen Zeitfahrweltmeister Tony Martin.

Zum weiteren Favoritenkreis zählen Thibaut Pinot aus Frankreich und Daniel Martinez aus Kolumbien.

Ein Sturz mit Folgen?

Vom Potenzial her darf sich Buchmann berechtigte Hoffnungen auf das Treppchen machen. Doch er hat auch ein Handicap: Am 15. August stürzte er beim Criterium du Dauphine. Sein Start bei der Tour de France war in Gefahr.

Enrico Poitschke weiß, dass solch ein Sturz nicht ohne Folgen bleibt. "Es kostet ein paar Prozente. Bei der Tour machen ein paar Prozent viel aus", sagte der Verantwortliche von Buchmanns Team Bora-hansgrohe gegenüber dem SID.

Daher müsse man realistisch einschätzen, "dass es ganz schwer wird, das zu erreichen, was wir vorhatten. Der Sturz ist einfach extrem negativ gewesen. Wir werden natürlich alles versuchen. Aber man muss nicht verwundert sein, wenn das kleine bisschen fehlt."

Früher spielte Buchmann Fußball und Handball

Wie auch immer die Tour de France 2020 ausgeht: Buchmann ist bereits jetzt das Gesicht des deutschen Radsports und dürfte dies auch zukünftig sein. Sein Einstieg in die Sportart ging allerdings über Umwege vonstatten.

"Ich habe mich zuerst bei Fußball und Handball versucht, bin aber bald zu Trainingszwecken auch Radgefahren. Da habe ich schnell gemerkt, dass mir das Spaß macht und auch besser liegt", verrät er.

2014 wurde sein Potenzial als Bergfahrer sichtbar, als er den Titel des deutschen Bergmeisters im U23-Bereich gewann. Ein Jahr später nahm er erstmals an der Tour de France teil und belegte Platz 83 in der Gesamtwertung.

In den Jahren darauf ging es steil bergauf: Bei der Tour 2016 landete er bereits auf Platz 21, ein Jahr später auf Position 15. 2018 verzichtete er auf die Tour de France, startete stattdessen als Kapitän bei der Vuelta und wurde Zwölfter der Gesamtwertung.

Einschränkungen wegen Corona

Was für ihn den Radsport so faszinierend macht? "Erst einmal ist man in der Natur, in den Bergen. Da gibt es einfach gewaltige Kulissen. Und dann sind bei uns die Fans richtig nahe. Das macht die besondere Atmosphäre aus", sagte er "velomotion.de".

Ein kleiner Wermutstropfen: Aufgrund von Corona dürfen die Zuschauer den Fahrern in diesem Jahr nicht so nahe kommen wie sonst. Auch am Start- und Zielbereich gibt es Einschränkungen. Zwar sind in Frankreich Versammlungen mit bis zu 5.000 Zuschauern grundsätzlich erlaubt. Der Bürgermeister von Nizza hat allerdings bereits entschieden, dass in seiner Stadt lediglich 500 Zuschauer diesen Bereich betreten dürfen.

Verwendete Quellen:

  • Rosenheim24.de: "Tour de France 2020 – Emanuel Buchmann: 'Die Tour ist in diesem Jahr wie für mich gemacht'"
  • eurosport.de: "Bora macht Hoffnung: Tour-Start für Schachmann und Buchmann wohl möglich"
  • velomotion.de: "Emanuel Buchmann: 'Mein Ziel ist das Podium bei der Tour de France'"
  • cyclingnews.com: Lappartient: "I remain optimistic that the Tour de France will go ahead"
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