American Football gilt als Sportart der harten Männer - eine Welt, in der für Homosexuelle noch weniger Platz zu sein scheint als im Fußball. Dort wird seit langer Zeit über Homophobie und die Folgen eines möglichen Coming Outs diskutiert - American Football schien bislang aber eine "schwulenfreie Zone" zu sein. Offenbar will nun aber ein aktiver NFL-Profi den Schritt wagen und sich offen zu seiner Homosexualität bekennen.

Laut US-Medienberichten steht erstmals ein schwuler Spieler der National Football League (NFL) vor seinem Coming Out. Im Gegensatz zu dem früheren US-Fußballnationalspieler Robbie Rogers, der mit seinem Coming Out im Februar 2013 gleichzeitig seinen Rücktritt vom Profisport erklärt hatte, will der noch anonyme Football-Profi aber weiterspielen. Und das in einer extrem gefährlichen Sportart, in der es von Machos nur so wimmelt und Homophobie wenig verpönt zu sein scheint - erst kurz vor dem Superbowl hatte sich ein Spieler der San Francisco 49ers mit schwulenfeindlichen Äußerungen hervorgetan.

Wie CBS berichtet, hat der namentlich noch nicht genannte Spieler kaum Angst vor Anfeindungen aus seiner eigenen Mannschaft oder von den Gegnern - mehr Sorgen machen ihm die Reaktionen der Fans. Diese Bedenken seien der einzige Grund für das bisherige Zögern des schwulen NFL-Profis, so CBS weiter.

In den Profiligen aller wichtigen US-Sportarten hat es bislang keinen einzigen Spieler gegeben, der sich zu seiner Homosexualität bekannt hätte. Doch auch Scott Fujita, NFL-Linebacker und Aktivist in der US-Bewegung für die Rechte von Schwulen und Lesben, sieht mittlerweile eine Zukunft für Schwule in der US-Sportart Nr. 1. Er glaubt, dass seine Mitspieler einen schwulen Kollegen bereits "vor einigen Jahren" akzeptiert hätten.

Unabhängig von der Reaktion der anderen Football-Profis: Das zu erwartende Medienspektakel und die Anfeindungen der gegnerischen Fans könnten sehr wohl dazu beitragen, dass die Karriere des noch anonymen Spielers erheblichen Schaden nimmt. Ein Coming Out in einer solch dominanten "Männersportart" wäre sicherlich mal an der Zeit. Doch angesichts der unabsehbaren Folgen für den jungen Mann ist es verständlich, dass er mit dieser Entscheidung noch zögert.