Was für ein Wimbledon-Hammer: Sabine Lisicki wirft die Weltranglisten-Erste Serena Williams aus dem Turnier und steht für viele völlig überraschend im Viertelfinale. Doch ganz so überraschend war der Sieg eigentlich nicht. Lisicki hat nun große Chancen, 25 Jahre nach Steffi Grafs erstem Wimbledon-Sieg das Turnier zu gewinnen. Lediglich zwei Konkurrentinnen könnten Lisicki noch gefährlich werden.

Es war ein deutsches Tennis-Märchen: Sabine Lisicki hat bei eigenem Aufschlag ihren zweiten Matchball. Sie sprintet zum Netz und lenkt den Ball mit viel Gefühl in die Rückhand-Ecke von Serena Williams - unerreichbar für die US-Amerikanerin. Lisicki sinkt zu Boden, vergräbt ihr Gesicht in Ihren Händen und weint. Es ist der größte Sieg in ihrer Karriere. Sabine Lisicki bezwingt die scheinbar übermächtige Serena Williams auf dem Center Court in Wimbledon mit 6:2, 1:6 und 6:4. Dabei lag die Deutsche schon mit 0:3 im dritten Satz zurück.

In ihrem ersten Interview nach dem Match kämpft Lisicki noch immer mit ihrer Fassung. Sie lächelt, zwischendurch aber weint sie, schnieft und zittert. Lisicki ist überglücklich: "Es ist so ein unglaubliches Gefühl, dieses Match zu gewinnen", sagt die 23-Jährige. Selbst Tennis-Legende Boris Becker zeigt sich von Lisickis Leistung beeindruckt. "Sie hat das Zeug zum Wimbledon-Sieg", sagt er der "Bild"-Zeitung.

Damit könnte er recht haben. Wimbledon ist das Turnier der Sabine Lisicki. In den vergangenen fünf Jahre hat sie auf dem "heiligen Rasen" vier amtierende French-Open-Siegerinnen aus dem Turnier geworfen. Serena Williams ist eine davon. In den Jahren zuvor bezwang Lisicki schon Maria Scharapowa, Li Na und Swetlana Kusnezowa, nachdem diese wenige Wochen davor die French Open gewonnen hatten.

Wimbledon ist Lisickis Lieblings-Turnier

In Wimbledon erreichte die 23 Jahre alte Lisicki bereits zum vierten Mal das Viertelfinale. 2011 zog sie sogar ins Halbfinale ein. Bei anderen Grand-Slam- oder WTA-Turnieren ist für die Deutsche oft schon viel früher Schluss. Auf Rasen aber gibt es nur wenige Spielerinnen, die mit ihr mithalten können.

Zwei davon sind noch im Turnier: Agnieszka Radwanska und Petra Kvitova. Radwanska stand letztes Jahr im Wimbledon-Finale, unterlag aber Serena Williams in drei Sätzen. Kvitova gewann 2011 das Turnier. Im Halbfinale könnte Lisicki auf Radwanska treffen, im Finale auf Kvitova.

"Das Turnier ist noch nicht vorbei"

Doch zuvor muss Lisicki heute (14 Uhr) gegen die ungesetzte Kaia Kanepi aus Estland gewinnen. Lisicki ist nach dem Erfolg gegen Williams die Favoritin in dem Match. Allerdings ist die Berlinerin gewarnt: Kanepi hat bereits die deutsche Nummer eins, Angelique Kerber, in Runde zwei aus dem Turnier geworfen.

Euphorie will Lisicki deshalb nicht aufkommen lassen. "Das Turnier ist noch nicht vorbei", sagte die Weltranglisten-24. nach dem Kraftakt gegen Serena Williams. Für die Nummer eins aber schon. Lisicki dagegen will ihren Höhenflug auch nach dem Kanepi-Match fortsetzen.