In knapp zwei Wochen beginnt die alpine Ski-WM. Während die deutschen Athleten in den vergangenen Jahren die Fans noch begeisterten, steckt das deutsche Team derzeit in der Krise. Sind die deutschen Starter dieses Jahr zum Zuschauen statt zum Jubeln verdammt?

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Nervosität statt Vorfreude bei der deutschen Mannschaft knapp zwei Wochen vor Beginn der alpinen Ski-WM. Vom 5. bis 17. Februar gehen im schwedischen Are die weltbesten Athleten – angeführt von Vorzeige-Star Marcel Hirscher aus Österreich – in sechs Disziplinen auf Medaillenjagd.

Sind die deutschen Starter dieses Jahr zum Zuschauen statt zum Jubeln verdammt?

Linus Straßer ist nach dem Weltcup in Zagreb knallhart. "Jeder kämpft ein bisschen ums Überleben, das ist keine leichte Situation. Da fehlt generell im Team der Zug und am Schluss der Spaß an der Freude."

Die Zweifel sind groß, kurz vor dem Saison-Highlight. Zweifel, ob die Form der deutschen Top-Athleten reicht.

Luitz zur WM im Training – aber auch fit?

Hoffnungsträger der aktuellen Saison war Stefan Luitz, der sich am vergangenen Wochenende beim Weltcup in Adelboden verletzte. Im zweiten Durchgang des Riesenslaloms stürzte er und kugelte sich dabei die Schulter aus.

Sein Arzt Dr. Manuel Köhne gibt laut dem Deutschen Ski-Verband (DSV) Entwarnung: "Wir gehen davon aus, dass Stefan in etwa drei Wochen mit dem Skitraining beginnen kann."

Stefan Luitz gehört im Riesenslalom mittlerweile zur Weltklasse.

Das bedeutet, Luitz wäre für seine Paradedisziplin – dem Riesenslalom – während der Ski-WM fit.

Doch die gute Nachricht ist mit Vorsicht zu genießen. Der 26-Jährige verpasst die kommenden Weltcups, darunter die WM-Generalprobe in Garmisch-Partenkirchen.

Ob es in Are für eine Medaille reicht, hängt davon ab, wie schnell sein Körper wieder in Bestform ist.

Ende nach der WM? Felix Neureuther sucht nach seiner Form

Wieder fit ist Felix Neureuther. Besser gesagt: verletzungsfrei. Der über Jahre hinweg beste deutsche Ski-Fahrer ist das Sorgenkind des DSV.

Anders als bei früheren Verletzungen findet Neureuther seit seinem Kreuzbandriss Ende 2017 nicht mehr in die Spur. Nie sprach er häufiger über das Karriereende wie aktuell.

In Adelboden belegte er im Slalom Rang 15, während sein ehemals größter Konkurrent Marcel Hirscher seinen 67. Weltcup-Sieg feierte.

Felix Neureuther ist seit Jahren das Aushängeschild der deutschen Männer-Mannschaft im Ski-alpin-Weltcup.

Über seine aktuelle Bilanz sagt Neureuther: "So gewinnst du keinen Blumentopf." Die Gründe für die enttäuschende Leistung seien "Kopf, Körper, Material".

Rundumschlag also. Scheint, als müsse Neureuther Druck abwerfen und den Kopf freimachen. Ein Podestplatz bei der WM in Are wäre für den 34-Jährigen vor allem mental ein großer Lichtblick.

Kreuzbandriss: Für Dreßen und Sander ist Saison beendet

Für den Überraschungssieger des Hahnenkamm-Rennens im Vorjahr, Thomas Dreßen, ist die Saison beendet. Bei einem Sturz in Beaver Creek zog er sich Ende November einen Kreuzbandriss zu und beschädigte Außen- und Innenband sowie Meniskus. Auch Andreas Sander fällt mit einem Kreuzbandriss aus.

Aktuell bester deutscher Ski-Alpin-Starter ist Josef Ferstl, doch seine Medaillenchancen sind gering. In der Weltcup-Gesamtwertung liegt er auf Rang 38, gefolgt von Stefan Luitz (44. Platz) und Felix Neureuther (46. Platz).

Nach den Kreuzbandrissen von Thomas Dreßen und Andreas Sander lasten im Bereich der Speed-Disziplinen Abfahrt und Super-G die deutschen Hoffnungen auf Josef Ferstls Schultern.

Der 30-Jährige, der seinen bislang einzigen Weltcupsieg 2017 im Super-G in Gröden feierte, zeigte Ende Dezember auf der waghalsigen Stelvio-Piste in Bormio eine beeindruckende Leistung. Doch es reichte "nur" zu Rang elf.

Dopfer in der Krise, Straßer und Stehle nur Komparsen

In einem ähnlichen Formtief wie Felix Neureuther steckt Fritz Dopfer. Bei Ski-WM 2015 in Vail/Beaver Creek fuhr er im Slalom sensationell zu Silber, momentan zittert er um den Start in Schweden.

In Adelboden reichte es im Slalom und im Riesenslalom nicht einmal für den zweiten Durchgang.

Im Winter 2018/19 ist Fritz Dopfer selbst in seiner Paradedisziplin Slalom kein Kandidat auf Podestplätze mehr.

"Das sind schon schwierige Momente derzeit", so der 31-Jährige in der "Süddeutschen". Sein Problem: "Ich bringe die ansprechenden Trainingsleistungen nicht ins Rennen rüber." Der Kopf spielt nicht mit. Eine Medaille in Are – sollte er dabei sein – wäre eine Sensation.

Dominik Stehle ließ mit einem zwölften Platz im Slalom in Adelboden aufhorchen, in der Gesamtwertung liegt er allerdings auf Platz 79.

Auch Linus Straßer kämpft um die WM-Norm. Bei keinem Weltcup-Start 2018/19 kam er in die Punkteränge.

Die Erwartungen vor der WM sind überschaubar. Ein Grund, um jede Medaille während der WM gebührend zu feiern.

Teaserbild: © Marco Trovati/Pentaphoto/picture alliance / IPP