Lebenserwartung. Dieser Begriff kann leicht in die Irre führen, denn er gibt keinerlei Aufschluss darüber, was man vom Leben erwarten kann. Aber mit Erwartungen ist das ohnehin so eine Sache, egal, ob es um Kartoffelsalat, SUVs oder Pokémon-Karten geht. Das musste auch Tom Kaulitz in der neuesten Folge seines Podcasts "Kaulitz Hills" erfahren.

Eine Satire
Diese Satire stellt die Sicht von Christian Vock dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Kinder, wie die Zeit vergeht. Gerade noch erzählte Bill Kaulitz seinem Bruder Tom im gemeinsamen Podcast "Kaulitz Hills", wie unruhig doch sein vorangegangener Schlaf beim Rückflug in der First Class gewesen sei, da haben die beiden eine Woche später schon wieder eine ganze Menge nichts zu erzählen. Erst überlegen Bill und Tom einen unangenehmen Moment zu lange, wie man "Antje" schreibt, dann folgt ein Bericht darüber, dass man zusammen Sushi gegessen habe.

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Aber wir wollen nicht klagen, schließlich setzt diese Beinahe-Geschichte bei Tom eine Gedankenkette in Gang. "Ich würd niemals im Döner-Laden eine Pizza bestellen", beginnt Tom, stellt daraufhin "Leute, die so Calzone bestellen" unter Generalverdacht, ehe ihn seine Gedankensprünge zu der Story führen, als er einmal in Frankfurt auf "den schlechtesten Kartoffelsalat, den ich in meinem Leben jemals gegessen habe", stieß.

Was Kartoffelsalat mit Nachtschlaf zu tun hat

Da erfährt er von seinem Bruder Bill einen kurzen Augenblick der Empathie: "Echt? Das ist ja krass", glaubt Bill und ich möchte an dieser Stelle am liebsten einwenden: Nein, der Mount Everest ist krass. Nämlich krass hoch. Ein Ufo über der Uckermark ist krass, nämlich krass ungewöhnlich. Aber eine Story über schlechten Kartoffelsalat ist definitiv nicht krass. Es ist allerdings gut, dass Bill meine Bedenken nicht hören konnte, denn damit würde ich mit beiden Füßen in die Erwartungsfalle tappen und ich will das erklären.

Eine Erwartung zu haben, ist nichts Schlechtes. Dinge zu erwarten, wird täglich praktiziert. Wenn ich zum Beispiel abends ins Bett gehe, erwarte ich irgendwie instinktiv, dass ich morgens wieder aufwache. Würde ich das nicht erwarten, würde mir das Ins-Bett-gehen wahrscheinlich aufgrund der Ungewissheit sehr viel schwerer fallen. Ich würde versuchen, vorher noch ein paar wichtige Dinge zu erledigen, würde mich dabei aber wahrscheinlich verzetteln, dazu neige ich nämlich.

Daher ist es gut, mit der Erwartung einzuschlafen, auch wieder aufzuwachen, aber das Problem ist: Das ist lediglich meine Erwartung. Vielleicht haben der liebe Gott oder eine bisher nicht diagnostizierte Herzinsuffizienz ja eine ganz andere Erwartung an meinen Morgen, die mit meiner Erwartung des Wiederaufwachens unvereinbar sind. Das kann ich natürlich nicht wissen und ähnlich verhält es sich mit Tom Kaulitz und seinem Frankfurter Kartoffelsalat.

Was gehört in einen Schatz?

Ich kann Tom Kaulitz gut verstehen, dass er an seinen Kartoffelsalat eine gewisse Genusserwartung hatte. Vielleicht hat ihn der hohe Preis verführt oder der Anblick in der Kühltheke – wir wissen es nicht. Was wir ebenfalls nicht kennen, ist die Erwartung des Kochs. Vielleicht hat sich der Kartoffelsalat-Künstler beim Blick auf das Mindesthaltbarkeitsdatum ja auch gedacht: "März 1982? Das muss weg! Lass uns einfach auf der Retro-Welle mitsurfen! Diese jungen Leute lieben doch alte Sachen." Die Erwartung des Kochs war also vielleicht, hippen Leuten eine Freude zu machen. Das passte aber offenbar nicht zu Tom Kaulitz’ Erwartung an einen leckeren Kartoffelsalat.

Es gibt also in Bezug auf ein und dieselbe Sache unterschiedliche Erwartungen und lassen Sie mich das an einem anderen Beispiel verdeutlichen: Würde ich zum Beispiel eine Schatzkarte finden und dann nach mühevoller Suche vor der Schatzkiste stehen, dann würde ich darin auch einen Schatz erwarten, gerne auch gefälligst. Ich erwarte Edelsteine und Geschmeide, eine nicht unerhebliche Summe in Goldmünzen, außerdem zwei Goldbarren. Ich denke, zwei Goldbarren sind das Mindeste, was ich von einem handelsüblichen Schatz erwarten kann. Alles andere würde das Image von Schätzen bei mir stark ramponieren.

Allerdings sind das eben meine Erwartungen und wahrscheinlich sind die zu einem nicht unerheblichen Teil von Piratenromanen geprägt. Diesen Literaturhintergrund kann ich allerdings vom Urheber des Schatzes nicht erwarten, der hatte vielleicht ganz andere Prioritäten. Vielleicht wurde der Schatz ja Ende der Neunziger vergraben und der Vergräber hielt es für eine gute Idee, seine gerade erstandenen T-Aktien in die Schatztruhe zu packen. Achten Sie beim Öffnen einer Schatztruhe also unbedingt auf das Verpackungsdatum! Das nimmt vielleicht ein bisschen die Vorfreude, reduziert aber auch die Enttäuschung.

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Vielleicht war der Schatz-Verstecker aber auch erst zehn Jahre alt und hat in die Truhe seine Pokémon-Sammelkarte von Fukano gesteckt, weil Fukano stolze 60 KP hat. Da wäre ich beim Öffnen natürlich enttäuscht, weil ich noch nicht einmal weiß, was KP bedeutet oder was ein Fukano ist. Oder Pokémon. Das kann ich aber natürlich nicht dem Zehnjährigen vorwerfen. Außerdem ist Schätze-Verstecken ja kein Ausbildungsberuf, bei dem "Die Schatzinsel" im Lehrplan verankert ist. Es ist aber auch eine Crux mit diesen Erwartungen, ständig kollidieren sie miteinander.

So erwartet eine heute 20-Jährige vielleicht, dass die ältere Generation ein bisschen weniger an ihren Lebensgrundlagen sägt. Die ältere Generation hingegen würde das vielleicht sogar gerne machen, erwartet vom Leben aber mindestens einen SUV. Nicht, weil es so viel Treibsand gibt in Starnberg oder Essen-Rüttenscheid gibt, sondern, weil der Nachbar auch einen hat. Erwartungen können also höchst unterschiedlich sein, da geht es dem Klima wie dem Kartoffelsalat.

Am Ende der Folge hat Tom für seinen Bruder noch eine kleine Überraschung: "Du wirst Augen machen", teasert Tom die Neuigkeit an und die ist: "Die Titanic II wird gebaut." Das lässt Bills Herzchen höherschlagen und sogar noch höher, als Tom erzählt, dass der Neubau modern, aber ans Original angelehnt sein soll. "Wenn ich da nicht draufkomme, weine ich", verspricht Bill und überlegt schon sein Outfit, das er an Bord tragen wird. Bill erwartet also viel von diesem Neubau und da sind wir wieder bei unserem Dilemma. Denn ich würde nicht so hohe Erwartungen an ein Schiff stellen, das "Titanic II" heißt. Aber das ist eben nur mein Gefühl.

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