Die Dschungelshow dauert dieses Mal nur 60 anstatt 120 Minuten. Zu verdanken haben wir das "Stern TV". Viel dramatischer ist allerdings, dass die Perversität, Kaffee mit ranzigem Ananas-Wasser zu strecken, nicht als Regelverstoß geahndet wird. In der Buchstabier-Prüfung versagt Bea dann vollständig und raus ist sie auch noch. Bitter.

Marie von den Benken
Eine Kolumne
von Marie von den Benken
Diese Kolumne stellt die Sicht der Autorin dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

An Tag sechs der Dschungelshow wird die Märchenwelt auf dem Großparkplatz vor den Toren Kölns von den jüngst beschlossenen Lockdown-Verschärfungen eingeholt. Denn die treffen natürlich auch RTL sehr hart. Erstmals in der Staffel schickt die als Fernsehsender getarnte Betty-Ford-Klinik für pflegebedürftige Ex-Promis die gesamte Dschungel-Mannschaft in Kurzarbeit.

Mehr Infos zum Dschungelcamp 2021 finden Sie hier

Nur 60, statt der gewohnten 120 Minuten der angeblich populären Ausschussware der Entertainment-Industrie beim Fremdscham-Tsunami zuschauen zu können – da müssen hartgesottene Trash-TV-Fans ganz stark sein. Zum Glück kann man zur Überbrückung notfalls im TVnow Archiv die Staffeln 2015 bis 2020 kontrollgucken. Die letzte Rettung für Dschungel-Abhängige, bei denen 60 Minuten Verzweiflungs-Fernsehen die täglich benötigte Dosis Niveau-Limbo nicht ausreichend abdecken können.

Zietlow bastelt sich aus Hartwichs Oberhemd ein Oberteil

Kürzungen, Kürzungen, Kürzungen. Ja, auch bei Radio Télévision Luxembourg sitzt die Kohle nicht mehr so locker. Wofür das durch Einsparung von 50% Sendezeit frei gewordene Budget jetzt eingesetzt wird, lässt RTL sich nicht entlocken. Nach nur wenigen Sekunden Showtime ist aber eines zumindest sicher: Es steckt jedenfalls nicht in den Outfits der Moderatoren. Sonja Zietlow musste sich sogar aus dem Oberhemd-Zelt, das Daniel Hartwich gestern getragen hatte, für heute ein hübsches Oberteil basteln.

Aber mal Spaß beiseite. Das sagt man ja vor allem immer dann, das hat mir Benjamin von Stuckrad-Barre erzählt, wenn es vorher wirklich an keiner Stelle in irgendeiner Form lustig gewesen wäre. Insofern passt das gut auf meine Kolumnen. Stuckrad-Barre übrigens, das können Sie googlen, war nie im Dschungelcamp. Sein Lagerfeuer heißt Grill Royal, wo statt Dr. Bob meistens Sophia Thomalla rund um die Uhr vor Ort ist, um vermeintlichen Promis zu erklären, wie das alles da so läuft. Aber andere Geschichte.

Stern TV verkürzt "IBES"

Spaß beiseite also. Selbstverständlich muss der Erfolgssender RTL nicht sparen. Die Einkürzung bei "IBES" hat andere Gründe. Es gibt nämlich ein Format, bei dem noch mehr abgehalfterte Prominente ihr TV-Gnadenbrot verabreicht bekommen als im Dschungel: Stern TV. Und das startet pünktlich, da ist RTL strenger als bei der Bewertung der Existenzberechtigung von TV-Shows mit Laura Wontorra.

Klar: Stern TV. Das RTL-Königsformat. Also, was Talkshows angeht. Vor allem allerdings, weil es auch die einzige Talkshow ist, die sich zwischen GZSZ und den Superhändlern überhaupt noch im Hauptprogramm halten kann. Und natürlich, weil Steffen Hallaschkas Hemden schöner sind als die von Daniel Hartwich.

Diese Woche lohnt es sich aber besonders, denn der Robert Lewandowski der TV-Moderatoren hat heute Karl Lauterbach zu Gast. Und das ist eine Sensation, denn Lauterbach darf ja laut Rundfunkstaatsvertrag eigentlich ausschließlich bei Markus Lanz auftreten. Mal im Ernst: Finden Sie nicht, Hallaschka ist eine 1:1 Kopie von Robert Lewandowski? Gut, Lewandowski kann besser moderieren, aber ich meine jetzt auch primär optisch.

Größte Perversität jemals: Kaffee mit Ananas-Wasser

Egal. Es gibt größere Probleme. Der Dschungel ist nämlich eine Stunde kürzer als sonst. Dazu habe ich für Sie eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte lautet: Der Dschungel ist eine Stunde kürzer. Die gute: Diese Kolumne auch. Die Kandidaten im Tiny House bekommen davon natürlich nichts mit. Die gehen seelenruhig ihren ganz normalen Alltagsbeschäftigungen nach: Heulkrämpfe, Dr.-Bob-Schreine bauen oder halt Kaffee mit Ananas-Wasser trinken.

Ich habe ja schon viel Perversität im Rahmen des Dschungelcamps gesehen, aber dass das Auffüllen von köstlichem, warmem Kaffee mit abgestandenem Ranz-Wasser aus einer Ananas-Konserve nicht als Regelverstoß gilt, ist für mich der größte Skandal, seit Angela Merkel und Bill Gates heimlich beschlossen haben, alle Deutschen mit 5G-Chips zwangszuimpfen, über die sie uns fernsteuern, überwachen und zum Einschalten von Sendungen mit Carmen Nebel zwingen können. Zum Glück ist das Investigativ-Team um Michael Wendler, Xavier Naidoo, Attila Hildmann und Nena ihnen noch rechtzeitig auf die Schliche gekommen.

Oh, ich schweife ab. Obwohl: Stichwort Regelverstoß. Kaffee mit Ananas-Wasser zu kontaminieren ist erlaubt, sich wegen der Kälte eine Zigarette anzuzünden, während man noch halb im Tiny House steht, dagegen nicht. Und da ist RTL knallhart. Das wusste schon Marc Terenzi, der Dschungelkönig von 2017. Wie hat er es noch so trefflich zusammengefasst? Ach ja: The Regels sind the Regels.

The Konsequenzes sind the Konsequenzes

Das stimmt. Und the Konsequenzes sind the Konsequenzes, weswegen Nikotin-Prinzessin Bea drei Zigaretten zurückgeben muss. Zwangsentzug ausgerechnet unter Extrembedingungen und das bei Gute-Laune-Allergikerin Bea Fiedler. Sex-Podcaster Lars fürchtet schon "das nächste Armageddon". Vielleicht sehnt er sich aber auch nur nach einem verschwitzten Bruce Willis.

Um vorbeugend einem erneuten Komplettausraster aus dem Weg zu gehen, verwickelt Lars Tönsfeuerborn die zigarettenenteignete Bea geistesgegenwärtig in einen Deep-Talk. In bester Johannes B. Kerner Best-Friend-Tradition hat er sich zuvor eine Theorie zurechtgelegt, die er mit seinem Talk-Gast Bea erörtern wird. Die lautet: "Viele Deiner Spitzen sind ja als Witz gedacht, oder?"

"Ohrfeigengesicht": An einer Zigarette entzündet sich ein wüster Streit

"The Regels sind the Regels" - aber nicht für Bea Fiedler. Als ihr Lars mit Verweis auf die Dschungelshow-Regeln einen Zug an seiner Zigarette verwehrt, rastet sie aus. © RTL Television

Ha! Volltreffer im Absurdenstadl. Mit dieser Psychoanalyse aktiviert Lars bei Bea direkt den Anekdoten-Modus. Selbstverständlich sind das Witze, denn: "Ich bin ja Komödiantin von Beruf". Natürlich! Wer kennt es nicht: Das Satire-Magazin "Playboy"?

Einmal in Fahrt, referiert Ex-Sexfilmchen-Superstar Bea über die emotionalen Meilensteine ihres ereignisreichen Lebens: "Niemand meldet sich bei mir. Ich bin pleite. Und tiefgründige Liebe, Salz und Schmalz war es mit Männern nie, immer nur so zum Spaß". Keine Gefühle, nur Sex und am Ende kein Geld – oder wie Melania Trump sagt: Ehevertrag.

Bea Fiedler ist sehr wählerisch

Single ist Bea allerdings nicht, weil keiner sie hätte haben wollen. Sondern eher, weil sie bei Männern wählerischer ist als Christian Lindner bei der Auswahl seiner Koalitionspartner: "Die Männer, die vom Alter zu mir passen, kann ich nicht nehmen, weil ich dann einen Brechreiz bekomme". Sie ist quasi der Dieter Bohlen der Erotikfilmbranche. Da fällt mir gerade etwas auf: Alter gleich, Haarfarbe gleich, Augenfarbe gleich, Stimme gleich: Hat man Dieter Bohlen und Bea Fiedler eigentlich jemals gleichzeitig im selben Raum gesehen?

Die Überschneidungen zwischen dem DSDS-Kapitän und der Leichtmatrosin sind frappierend. Immerhin beichtet Bea im weiteren Verlauf ihrer amourösen Geständnisse, dass "Meine Männer nicht älter als 19 bis 25 sein dürfen". Und auch optisch müssen sie etwas hermachen: "Sie sollten aussehen wie ich, feine Gesichtszüge, strahlend blaue Augen."

Endet die Prüfung in einer Paartherapie?

So viel Ehrlichkeit in Liebesfragen, fast befürchtet man, die noch anstehende, letzte Prüfung könnte in einer Paartherapie enden. Mit Dr. Sommer statt Dr. Bob als überwachendes Fachpersonal. Andererseits: Würde Dr. Bob plötzlich fehlen, läge ja die gesamte Spielstrategie von Lydia in Trümmern. Immerhin ist Dr. Bob ihr Prinz Schwarming. Bislang allerdings erwidert Dr. Bob keine von Lydias Avancen. Sämtliche Bemühungen, inklusive ihres live gesungenen Whitney Houston Klassikers "I Will Always Love You", sind regungslos verhallt.

Und auch wohnungstechnisch läuft es nicht besser. Die Präsidententochter, als die Lydia Kelovitz draußen in der realen Welt unter dem Pseudonym "Tiffany Trump" lebt, musste heute aus dem Weißen Haus ausziehen. Und Lydia aus dem nur unwesentlich kleineren Miniaturnachbau in Köln-Hürth. Wobei: Weißes Haus und Tiny House, im Grunde kein Unterschied. Bei beiden muss man sich einmal am Tag draußen der Öffentlichkeit stellen und das endet dann meistens ziemlich peinlich.

Es geht um Tiere und Rechtschreibung

Heute geht es bei besagtem Ausflug in die Öffentlichkeit um eine Dschungelprüfung-Tauglichkeitsprüfung mit dem Thema Tiere und Rechtschreibung. Um es kurz zu machen: Die einzige Erkenntnis der Prüfung ist, dass Tiere durchschnittlich besser in Rechtschreibung sind als Bea.

Selbst Lars schafft zwei von drei Worten, Lydia sogar alle drei. Bea dagegen null. Nicht mal die Vokabel "Hyaluron" bekommt sie unfallfrei buchstabiert. Wobei man gerechterweise hinzufügen muss: Wer aussieht wie 48, ist natürlich noch nie mit der Frage konfrontiert worden, möglicherweise kosmetisch auf sein Bindegewebe einwirken zu müssen.

Nach diesem Buchstabier-Fiasko für Bea ist die erste Qualifikationsrunde von Testgruppe 2 auch bereits wieder vorbei. Bea, Lydia und Lars packen ihre Sachen, verlassen die 18-Quadratmeter-Hölle im Industriegebiet und appellieren frisch geduscht im Studio bei Sonja und Daniel letztmalig für je 20 Sekunden intensiv an ihre Fans, für sie anzurufen. Bea und Lars erledigen das recht unspektakulär und professionell. Dann aber wacht sogar der im Hintergrund bereits langsam wegdösende Dr. Bob noch mal panisch auf.

Denn selbst ein seit 1989 abgelaufener Hüttenkäse ist nicht so drüber wie Lydia. Die kreischt ihren Aufruf so brutal hysterisch in die Kamera, als könne man mit dem Dezibel-Ausstoß einer Großraumdisco Menschen zum Anrufen hypnotisieren. Eine unangenehme Situation. Mit Österreichern, die plötzlich die Massen anbrüllen, haben wir in Deutschland ja historisch betrachtet ohnehin keine so guten Erfahrungen gemacht.

Dschungelshow: Selten wurde in einer Dschungelprüfung so radikal versagt

Bea, Lars und Lydia sind von dieser Teamwork-Aufgabe heillos überfordert. © RTL Television

Lydias hysterisches Gekreische lohnt sich

Allerdings: Lydias Drill-Instructor-Taktik geht überraschenderweise auf. Zitternd und voller Angst, andernfalls könnte Lydia womöglich morgen vor der Haustür stehen und allen Bewohnern so lange ihre Gefühle für Dr. Bob aufmalen, bis alle bewusstlos sind, wählt ganz Deutschland vorsichtshalber Lydias Nummer und schickt somit Bea nach Hause. Lars und Lydia sind im Halbfinale. Beas Hoffnung auf Australien ist zerstört. Ein schwerer Fehler! Lydia gegen Bea zu tauschen ist für echte "IBES"-Fans in etwa so, wie Florian Silbereisen zum Kapitän auf dem "Traumschiff" zu machen. Oh. Sekunde. Ich komme noch mal rein. Aber erst morgen. Mit drei taufrischen neuen Kandidaten in Testgruppe 3. Bis dann!