Viel ist von Lena Gerckes großer Samstagabendshow nicht geblieben. Gekürzt auf eine Stunde läuft "Prankenstein" jetzt montags vor "Circus HalliGalli". Geholfen hat das nicht: Die Show ist immer noch eine einfallslose YouTube-Kopie von "Verstehen Sie Spaß?".

Lena Gercke ist nicht Stefan Raab. Das muss ProSieben irgendwann im Spätsommer letztes Jahr eingesehen haben. Ihre Samstagabendshow "Prankenstein" erzielte zwar durchaus akzeptable Quoten, trotzdem gab es keine Fortsetzung nach der Premiere im August.

Einige Boulevardmagazine titelten sofort, das Format sei abgesetzt, doch ProSieben dementierte. Jetzt ist die Show tatsächlich zurück - aber am Montagabend und gekürzt auf eine Stunde. Nicht gerade ein Vertrauensbeweis.

Bei WWM liegen Pleite und Erfolg oft sehr nah beieinander.

Natürlich ist es nicht fair, Gercke mit Raab zu vergleichen. Der eine prägte das Fernsehen der letzten Jahre wie kaum ein anderer, die andere machte hauptsächlich durch ihre Liaison mit dem Fußballer Sami Khedira Schlagzeilen. Aber jeder, der nach Raabs Ruhestand am Samstagabend auf ProSieben antritt, wird sich diesen Vergleich gefallen lassen müssen.

Insofern ist es für Gercke von Vorteil, dass sie nicht mehr am Samstagabend senden muss und stattdessen den Anheizer für "Circus HalliGalli" spielt. Indes: Die Sendung macht das nicht innovativer. "Prankenstein" ist noch immer die YouTube-Variante der ältesten Show der Welt: "Verstehen Sie Spaß?". Oder einfach eine Neuauflage von MTVs "Punk'ed".

Damit das keiner merkt, heißen die Streiche "Pranks" und die Lockvögel "Prankmaster". Und wenn Ihnen das zu viel Gepranke ist, dann sind Sie wohl schon zu alt oder einfach der deutschen Sprache mächtig.

"Ich glaube, sie weint jetzt"

Die Streiche selbst sind, angesichts des Aufwands, der betrieben wird, ziemlich einfallslos. Die erste Kandidatin Angelina etwa wird mittels einer Doppelgängerin und manipulierten Überwachungsvideos scheinbar des Diebstahls überführt.

Rach sucht sein Lieblingsrestaurant - findet aber nur Wein in alten Schläuchen.

Das Team um Lena Gercke, allesamt Männer mit Bärten, die noch nicht verstanden haben, dass ihre Pubertät bereits einige Jahre hinter ihnen liegt, beömmeln sich derweil am Monitor und geben High fives. Das Ziel ist erreicht, wenn Gercke sagt: "Ich glaube, sie weint jetzt."

Erst dann stürmen die bärtige Horde und Lena das Setting und lösen alles auf. Die unweigerliche Folge: hysterisches Hüpfen und Quietschen. Wie schon bei Paola und Kurt Felix. Wer da noch lacht, hat in den letzten 30 Jahren wohl kein Fernsehen gesehen.

Eine wirkliche Überraschung ist das nicht. Es gibt im Moment wohl kaum einen Sender, der so ziellos ist wie ProSieben. Viel mehr als Dauerwiederholungen von "The Big Bang Theory" und Kopien des Folterkonzepts von Joko und Klaas scheinen nach dem Weggang von Stefan Raab nicht möglich zu sein. Passenderweise läuft "Prankenstein" jetzt genau zwischen den beiden Sendungen.

Lena Gercke selbst wird reingelegt

Damit sich das auch theoretisch über eine Stunde Sendezeit trägt, wird die Folterschraube von Streich zu Streich, pardon, Prank zu Prank, angezogen. Oder wie es Gercke ausdrückt: "Wir wollen unsere Opfer bis an den Rand des Wahnsinns treiben."

Das Team mimt dann zum Beispiel den Überfall auf einen Rentnerbus, nur um das Wohnzimmer des nächsten Kandidaten getarnt als SEK-Team zu stürmen. Oder steckt einen Teilnehmer in einen "Horrorbunker". Nicht, weil der ein unerträglicher Mensch ist, sondern weil er immer so nett ist.

Dieser letzte Streich entpuppt sich letztlich als Prank gegen Gercke selbst, eine vollkommen neue Idee im Versteckte-Kamera-Geschäft. Trotzdem spielt das Model mit, mimt Panik, wird kreidebleich und bangt um den Kandidaten, der einen Schwächeanfall vortäuscht, eingeschlossen in einen Bunker.

Nur an der Reaktion nach dem Auflösen des Streichs muss sie noch arbeiten. Die ist nämlich exakt die gleiche wie schon in den letzten Jahrzehnten "Verstehen Sie Spaß?": "Ich hab es gewusst!", ruft sie. Der Zuschauer leider auch.