• In der obligatorischen Weihnachtsfolge läuft das "Traumschiff" in diesem Jahr Richtung Malediven aus.
  • Klingt schöner, als es schlussendlich ist, denn warum sollte es bei einem Weihnachtsfest im Paradies weniger Stress geben als in Bad Oldesloe oder Kassel-Kirchditmold?
  • Aber zum Glück gibt es ja Max Parger alias Florian Silbereisen. Einen lange erwarteten Kuss kriegen die Beteiligten aber ganz ohne den Super-Kapitän hin.
Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht von Christian Vock dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Weihnachten, das Fest der Liebe. Und natürlich das Fest der liebgewonnenen Gewohnheit, ebenjenes Fest der Liebe mit den Liebsten lieber im Streit um Kleinigkeiten und nicht erfüllte Erwartungen zu verbringen. Da ist in der Tat viel Liebe drin und damit die Gefahr, diese zu enttäuschen. Und von hier an ist es auch nur noch ein ganz kleiner Schritt zur jüngsten Folge von "Das Traumschiff".

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Denn traditionell am zweiten Weihnachtstag sticht Kapitän Max Parger alias Florian Silbereisen wieder in See, für alle ZDF-Mediathek-Gucker auch schon zwei Tage früher. Und Parger hat diesmal nicht nur das Fest der Liebe im Frachtraum, nein, das Christkind hat ihm und seiner Crew auch noch jede Menge Streit und ein paar andere Skurrilitäten unter den Weihnachtsbaum gelegt.

Weihnachten mit der Patchwork-Familie

Dass die Sache mit Weihnachten auf hoher See nur schiefgehen kann, zeigt schon nach wenigen Sekunden der Blick auf das Erwartungsmanagement von Daniel Himmelberg (Marek Erhardt). "Wir feiern dieses Mal das erste Mal gemeinsam Weihnachten und weißt du, was das heißt? Dass nichts schiefgehen darf!", erklärt er ein wenig unter Strom seiner Frau Sonja (Tina Ruland), als er nervös dabei zusieht, wie seine "Christbaumkugeln und Glastannenbäume" verladen werden.

Ein anderer Passagier hat da schon einen realistischeren Blick auf das Kommende: "Warum tun wir uns das bloß an?", fragt Jan Kaminski (Jan Sosniok) seine Freundin Julia Stetter (Patricia Meeden), doch deren Antwort ist gleichzeitig das Problem: "Weil Weihnachten ist."

Denn es ist nicht nur Weihnachten, sondern auch Patchwork-Familien-Weihnachten. Sonja Himmelmann ist nämlich Kaminskis Ex-Frau und angesichts der Kombination Weihnachten und Familienfeier ist es umso verwunderlicher, dass Sonja Himmelmann sagt: "Ich freue mich so sehr, dass wir alle zusammen Weihnachten feiern."

Aber da kannte sie ja erst die ersten zwei Minuten der Weihnachtsfolge und wusste dementsprechend nicht, dass sich ihr Sohn in Annika (Emilia Djalili), die Tochter der neuen Freundin ihres Ex-Manns, vergucken würde, dass sich ihr Mann sorgt, sie könne während der Fahrt wieder mit ihrem Ex anbandeln, dass sich der wiederum Sorgen um ein mögliches Geheimnis seiner Freundin Julia macht oder dass Jans Vater (Reiner Schöne) auch noch auf dem Schiff auftaucht.

Endlich: Kuss zwischen Liebhold und Grimm

Die Weihnachtsfahrt ist also bereits jetzt bestens präpariert für jede Menge Ärger, doch weil jede "Traumschiff"-Folge auch noch Spielfläche für Promi-Quereinsteiger ist, muss auch noch Platz sein für das Ehepaar Annemarie und Wayne Carpendale und für Entertainer Luke Mockridge. Die Carpendales und Mockridge bestreiten die "Traumschiff"-Episode aber nicht nur für ihren Lebenslauf, sondern auch, um die Möglichkeit für eine kleine Teambuilding-Maßnahme inklusive Trauma-Bewältigung zu liefern.

Carpendale und Mockridge betreiben nämlich als Brüder-Paar Oliver und Philipp Brand ein Restaurant auf den Malediven und Parger lädt die Belegschaft ein, dort als Team ein bisschen zueinanderzufinden. Ein netter Boost fürs Betriebsklima, den auch alle gerne in Anspruch nehmen. Nur Hoteldirektorin Hanna Liebhold (Barbara Wussow) ziert sich zunächst, denn mit den Malediven verbindet sie nicht gerade Angenehmes.

Ganz schön viel Gerummel also wieder mal beim "Traumschiff", doch für Superkapitän Parger sind das natürlich alles nur Kleinigkeiten. Also hilft er mit, den Familienfrieden zu richten, greift korrigierend in den Streit zwischen den Gebrüdern Brand ein, steuert das Kreuzfahrtschiff unfallfrei zu den Malediven und bringt ganz nebenbei noch ein Kind zur Welt. Nur den lange erwarteten Kuss zwischen Hanna Liebhold und Staff-Kapitän Martin Grimm (Daniel Morgenroth) kriegen die beiden alleine hin.

Bisschen viel, bisschen lieblos, bisschen Schwamm drüber

Alleine das ist schon eine Menge hanebüchener Tobak, aber das gehört zum "Traumschiff" eben dazu. Leider auch, dass das Ganze ein bisschen zusammengeschustert erzählt wird.

Etwa, als die beiden Kinder alleine in Seenot geraten, weil sie ein paar Plastikflaschen aus dem Meer fischen wollen. Doch als die Kids nach wenigen Sekunden gerettet sind und Annika erleichtert seufzt "Und ich wollte bloß das Klima retten", da hat man das Gefühl, dass da beim Schreiben des Drehbuchs ein bisschen zu hastig nach "Malediven" und "Müll" gegoogelt wurde.

Dass es auf den Malediven massive Probleme beim Umweltschutz im Allgemeinen und mit Plastikmüll im Besonderen gibt, diesen Aspekt hätte man sicher auch mit ein bisschen mehr Kontext und weniger lieblos hinbekommen. Da erscheint die Geschichte der Patchwork-Familie, bei der offenbar jeder mit jedem eine Beziehung hatte, hat oder haben möchte, fast schon plausibel.

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Und dass Deutschlands Vorzeigegeiger David Garrett in der Weihnachtsfolge als Bordbingo-Trommeldreher auftritt, lassen wir bei all dem Tohuwabohu einfach unter eine Weihnachtsamnestie fallen. Denn am Fest der Liebe, da muss man auch verzeihen können.

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