Björn Höcke verstrickt die Alternative für Deutschland in einen Rassismus-Skandal. Dennoch muss er wohl nicht um seine Position als AfD-Landeschef in Thüringen fürchten. Warum das so ist, was den Politiker Höcke ausmacht und welche seine krassesten Fehltritte waren - ein Überblick.

Björn Höcke hat der "Alternative für Deutschland" (AfD) einen handfesten Rassismus-Skandal beschert. Der AfD-Fraktionsvorsitzende im Thüringer Landtag sagte in einem Vortrag: Der "lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp" treffe in Europa auf den "selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp".

Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge soll Höcke dafür vom AfD-Vorstand wegen "politischer Torheit" gerügt werden. Dennoch bedeutet die verbale Entgleisung wohl nicht das Ende seiner politischen Laufbahn.

Wer ist Björn Höcke?

Höcke, 41 Jahre alt, verheiratet, vier Kinder, ist ein schlaksiger, drahtiger Typ, glatt rasiert, adrett gekleidet, oft mit knallroter Krawatte.

Höcke wird für bizarre Aussagen über Afrikaner von AfD heftig kritisiert.

Er studierte Sport und Geschichte auf Gymnasiallehramt. Der Westfale wurde 2014 Landeschef der AfD in Thüringen, arbeitete davor als Oberstudienrat im hessischen Bad Sooden-Allendorf.

Höcke steht für den radikalen, rechten Flügel und ist ein schlagfertiger Rhetoriker. Er weiß Aussagen polemisch zu platzieren. So ruft er auf seiner Internetseite "gegen Politikversagen" auf, schreibt über einen Eintrag schlicht "Wut".

Die demographische Katastrophe bedrohe Deutschland und "der gesunde Menschenverstand muss triumphieren". Politische Gegner sprechen ihm ebendiesen nicht selten ab. Dennoch müssen sie ihn ernst nehmen. Regelmäßig mobilisiert Höcke in Erfurt Tausende Demonstranten gegen die Asylpolitik der Bundesregierung.

Was waren seine krassesten Fehltritte?

Vor wenigen Wochen soll Höcke auf einer Kundgebung in Erfurt gerufen haben: "Thüringer! Deutsche! 3.000 Jahre Europa. 1.000 Jahre Deutschland." Das "tausendjährige Reich" war eine Metapher, die einst die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler gebrauchten.

Experte: TV-Master ließ Höcke ins Leere laufen - und hat ihn damit lächerlich gemacht.

Weiter soll er einen "heißen Herbst" angekündigt haben. Und jüngst gratulierte er dem rechtsgerichteten "Front Nationale" (FN) zum Sieg im ersten Wahlgang der Regionalwahlen in Frankreich.

Bereits im Mai fiel er durch eine Verharmlosung der rechtsextremen NPD auf. "Ich gehe nicht davon aus, dass man jedes einzelne NPD-Mitglied als extremistisch einstufen kann", hatte er da gesagt.

Rassismus-Experte Robert Lüdecke von der Amadeu-Antonio-Stiftung bezeichnete Höckes Aussage im Gespräch mit der "Tagesschau" als blanken "Rassismus auf einer Linie mit der Rassentheorie des Nationalsozialismus".

Höcke brüskiert auch mit Taten. Etwa, als er im Oktober in der ARD-Talkshow "Günther Jauch" vor Millionenpublikum eine Deutschland-Fahne auf die Lehne seines Sessels legte und sich einen Patrioten aus "tiefster Liebe" nannte.

Warum kann sich Höcke trotzdem halten?

Höcke führte die AfD im September 2014 mit damals sensationellen 10,6 Prozent in den thüringischen Landtag. Er zieht wie kein Zweiter die Aufmerksamkeit auf die AfD.

Da sind zum einen die süffisant-kritischen Verbalattacken von Medienvertretern wie der ZDF-"heute show". Im Netz gibt es zudem ein "Höckefon", das polarisierende Zitate samt Vertonung auflistet.

Linke Aktivisten wollen Partei mit Centbeträgen in die Pleite treiben.

So bleibt man im Gespräch. Das wissen die bieder wirkende Parteichefin Frauke Petry und ihr schon 74-jähriger Stellvertreter Alexander Gauland.

Wegen der Flüchtlingskrise ist die AfD im Umfragehoch. Wäre morgen Bundestagswahl, käme sie auf neun Prozent. Das ergab das Politbarometer des ZDF Ende November. Im Osten des Landes liegen die Umfragewerte teils deutlich höher. Die Parteioberen trauen sich daher offenbar an diese Personalie nicht heran.

So kann Höcke weiter Stimmung machen. Das Politbarometer hatte auch ergeben, dass die AfD weiter nach rechts gerückt sei. Was Höcke auf Kundgebungen sagt, dürfte der beste Beleg dafür sein.