Die AfD geht mit zwei Spitzenkandidaten in die Bundestagswahl 2017. Während Alexander Gauland einst durch seine Verbalattacke gegen Nationalspieler Jerome Boateng Aufmerksamkeit erregt hat, ist Alice Weidel vielen Wählern noch kein Begriff.

Die AfD hat sich auf dem Parteitag in Köln festgelegt. Zum Beispiel auf einen strikten Anti-Islam-Kurs. Und auch auf ein Spitzenduo für die Bundestagswahl 2017, das diesen Kurs prominent vertreten soll.

Mit dem Tandem Alexander Gauland und Alice Weidel positioniert sich die "Alternative für Deutschland", die im Frühherbst erstmals in den Bundestag einziehen will, programmatisch und personell weit rechts.

Alexander Gauland war einst in der CDU

Gauland, 76 Jahre alt, Nationalkonservativer und einst CDU-Politiker, hat den Machtkampf mit Parteichefin Frauke Petry, die ihren Verzicht auf die Spitzenkandidatur erklärt hatte, gewonnen.

Gauland wird dem rechtsnationalen Flügel der Partei zugerechnet, zu dem auch der rechtsextreme thüringische Landesvorsitzende Björn Höcke zählt. Beide gelten als Vertraute.

Es war einer der Streitpunkte mit Petry, die den Geschichtslehrer durch ein Parteiausschlussverfahren eigentlich loswerden will. Doch vor dem Parteitag wurde deutlich, dass das Lager Höcke zu stark ist, auch dank der Unterstützung Gaulands.

AfD fordert rigorose Flüchtlingspolitik

"Sie dürfte festgestellt haben, dass Gauland und Höcke in den Landesverbänden, die die Abgeordneten stellen werden, eine extreme Macht haben", meinte Demokratieforscher Michael Lühmann im Gespräch mit unserer Redaktion zum Verzicht Petrys. "Sie hat die Notbremse gezogen."

Die Kampagne Gaulands nimmt dagegen erst Fahrt auf. Der Sachse, der zwischen 1987 und 1991 die Hessische Staatskanzlei leitete, wird etwa die rigorose Flüchtlingspolitik mitverantworten, inklusive einer geforderten jährlichen Mindestabschiebequote sowie das Nein gegen jeglichen Familiennachzug von Migranten. Jüngst meinte er: "Der Bevölkerungsaustausch in Deutschland läuft auf Hochtouren."

Alexander Gauland für markige Worte bekannt

Er ist für seine markigen Worte bekannt, dabei hat Gauland optisch ein eher schüchternes Auftreten. Ein vermeintlich zurückhaltender, alter Mann, der bevorzugt braune und beige Sakkos trägt. Doch wenn Gauland das Podium betritt oder ein Interview gibt, setzt er nicht selten zu reißerischen Parolen an.

Im Sommer berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" von einer wüsten Beleidigung gegen Fußball-Nationalspieler Jerome Boateng. Gauland sagte der „F.A.S.“: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben." Die öffentliche Entrüstung war groß.

Alice Weidel als Gegenpart zu Alexander Gauland?

Unabhängig davon haben sich viele einstige Weggefährten von ihm abgewandt. Gauland bekommt für den Wahlkampf indes einen vermeintlichen Gegenpart an die Seite gestellt.

Weidel ist 38 Jahre jung und damit halb so alt, wie der Partei-Vize. Sie wirkt vergleichsweise moderat, doch die "F.A.Z." warnte bereits vor einer "Scheingemäßigten". Weidel vermittelt durch ihr Privatleben und ihren Job einen vermeintlich weltgewandten Eindruck.

So arbeitete die Unternehmensberaterin mehrere Jahre im Ausland, unter anderem in China, weswegen sie Mandarin spricht. Moderne Hosenanzüge, energisches Auftreten, Weidel passt auf den ersten Blick so gar nicht zu Gauland.

Alice Weidel ist alles andere als moderat

Auch nicht, weil sie mit einer Frau zusammen am Bodensee einen Sohn großzieht. Gauland und Petry propagieren dagegen ein traditionell-konservatives Familienbild. Zwar unterstützte Weidel Petry bei dem Vorhaben, Höcke auszuschließen.

Moderat ist sie dennoch ganz und gar nicht. "Ich stehe für den freiheitlich-konservativen Arm der AfD", sagte Weidel auf dem Parteitag.

Mit freiheitlich dürfte in erster Linie ihre liberale Wirtschaftspolitik gemeint sein. Das Konservative dürfte dagegen für gesellschaftspolitische Fragen stehen, etwa die Einwanderungs- und Asylpolitik.

Notfalls auch mit Björn Höcke

Auf die Frage, ob sie auch mit Höcke in den Bundestagswahlkampf ziehen werde, meinte sie: "Ja, natürlich. Je nachdem wie die Entscheidung des Schiedsgerichts ausfällt."

Wie weit sie wirklich rechts steht, wieviel Aggressivität und Häme in ihrer Rhetorik steckt, verdeutlichte Weidel mehrfach. "Sie hat gefordert, dass Deutsch-Türken, die das autoritäre Regime von Recep Tayyip Erdogan gestützt haben, in die Türkei zurückgeschickt werden", schilderte Politikwissenschaftler Lühmann vom Göttinger Institut für Demokratieforschung ein Beispiel.

Alice Weidel gegen "Politik der offenen Grenzen"

Und Weidel erklärte, gegen eine sogenannte Politik der offenen Grenzen zu sein, "die vor allem muslimische Armutsmigranten ohne Qualifikation nach Deutschland lockt". Moderat ist das nicht.

Weidel ist damit auch kein Gegenentwurf zu Gauland. Die AfD dürfte mit diesem Duo vielmehr den Fokus noch mehr auf rechtsnationale Inhalte legen.