Die ersten hundert Tage im Amt hat US-Präsident Donald Trump hinter sich. Der umstrittene Republikaner hatte viel versprochen: "Die Zeit für hohle Phrasen ist vorbei. Jetzt kommt die Zeit der Tat." Die Realität holte ihn schnell ein. Die Pressereaktionen sind eindeutig.

Spiegel Online (Deutschland): "Die Absurdität als Alltag"

"Hinter der Maske des Quoten-Clowns steckt bis heute ein demokratiefeindlicher Plutokrat, der ins mächtigste Amt der Welt hineingestolpert ist - und nun langsam lernt, wie er diese Macht nutzt. [...] Seine Machoallüren offenbaren, was der Historiker Christopher Clark als "Krise der Männlichkeit" beschrieb, die Europa mit in den Ersten Weltkrieg trieb. [...] Trumps Worte und Taten sind ein Frontalangriff gegen die demokratischen Institutionen. Die Beamtenschaft hat er fast aufgelöst, das Wahlverfahren diskreditiert, den Kongress würde er am liebsten umgehen und die missliebigen Gerichte "auflösen", weil sie ihm als letzte Schutzinstanz der Verfassung die Stirn zu bieten wagen. Die Medien hasst er auch, braucht sie aber, um seine Sucht nach Selbstdarstellung zu stillen. Noch hält das System." Zum Artikel

Sueddeutsche Zeitung (Deutschland): "Chef-Ignorant"

"Blickt man genauer auf diese 100 Tage zurück, dann kann man mindestens drei Trumps erkennen. [...] Den ersten dieser drei Trumps könnte man den Wer-hätte-das-gedacht-Trump nennen. Das geht auf ein Zitat des Präsidenten zurück. 'Wer hätte gedacht, dass Gesundheitspolitik so schwierig ist', hat Trump einmal gesagt, kurz bevor sein erster Versuch scheiterte, die Gesundheitsreform seines Vorgängers Barack Obama abzuschaffen. [...] Es gibt Fälle, in denen geht dieser Wer-hätte-das-gedacht-Trump fließend in die zweite Version über - in den Halb-so-schlimm-Trump. [...] Viel von dem, was Trump ankündigt, ist nichts als heiße Luft, viele seiner Erlasse sind reine Politshow. [...] Für jedes Beispiel, das man für den Halb-so-schlimm-Trump anführen kann, gibt es ein Beispiel dafür, dass der Präsident eben doch genau so ist, wie er eben ist. Das ist die dritte Version, man könnte sie den Trump-Trump nennen. Dieser Trump ist manchmal fast lachhaft, etwa wenn er auf Twitter die Einschaltquoten von Arnold Schwarzenegger kommentiert. Manchmal ist er paranoid, dann faselt er von Wahlbetrug, für den es keine Beweise gibt, oder davon, dass Obama ihn im Trump Tower habe abhören lassen. [...] Trump hat in 100 Tagen so viele Dinge getan, die ein Präsident aus Respekt vor der Würde und Macht des Amtes nicht tut, ohne dass dieses Amt Schaden nimmt. Er herrscht wie ein absolutistischer Fürst. Aber sein Land ist eine demokratische Republik. Das macht seine Präsidentschaft gefährlich - für ihn und Amerika." Zum Artikel

Tagesschau.de (Deutschland): "100 Tage Achterbahnfahrt"

"Nie zuvor war ein amerikanischer Präsident nach den ersten 100 Amtstagen so unbeliebt wie Donald Trump. Die Zustimmungswerte schwanken je nach Umfrage zwischen 40 und 45 Prozent. Zum Vergleich: Barack Obama fanden nach 100 Tagen 65 Prozent der Amerikaner gut. Dass Trump einen schlechten Job im Weißen Haus macht, finden zwischen 55 und 60 Prozent der US-Bürger. Allerdings ist der harte Kern seiner Wähler nach wie vor von ihm begeistert. Im Urteil der US-Medien waren Trumps erste 100 Tage eine Achterbahnfahrt mit vielen Kehrtwenden, einigen Höhepunkten und mehreren Entgleisungen. [...] Trump als "Ankündigungsweltmeister". Immerhin einen großen Erfolg konnte Trump in den ersten 100 Amtstagen verbuchen: die Berufung des Konservativen Neil Gorsuch zum Richter auf Lebenszeit am Obersten Gerichtshof. Für konservative Christen in den USA war dies der wesentliche Grund, weshalb sie Trump gewählt hatten. Sie sind froh, dass der Oberste Gerichtshof nun auf absehbare Zeit eine konservative Mehrheit behält." Zum Artikel

Bild (Deutschland): "Ich dachte, es wäre leichter"

"Trump ist angetreten, um die Macht des amerikanischen Establishments in Washington zu brechen – das versucht er jeden Tag. Sein Kampf mit der Presse ist spektakulär. Seine Pläne, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen, sind ebenso umstritten, wie seine Dekrete zur Einwanderungspolitik oder seine kürzlich vorgelegte Steuerreform. [...] Trump hat Freunde wie Feinde in aller Welt brüskiert – von außen betrachtet kann seine 100-Tage-Bilanz nur kritisch ausfallen." Zum Artikel

Fox News (USA): "Trumps historische erste 100 Tage"

"Von Anbeginn der Präsidentschaftskampagne 2016 versprach Donald Trump, im Auftrag des amerikanischen Volkes zu arbeiten, um unsere Interessen im In- und Ausland zu schützen. Seine Botschaft, Washington aufzurütteln, fand Widerhall in Millionen von Menschen im ganzen Land, die seit langem vom Status quo enttäuscht sind. [...] Seit seinem Amtseid - und in den Monaten vor der Amtseinführung - arbeitete Präsident Trump unermüdlich daran, diese Versprechen zu verwirklichen. [...] Präsident Trump und die Republikaner haben all dies und mehr erreicht, obwohl er durch die in blinder Partisanenmanier agierenden Demokraten mit Verzögerungen auf jedem Schritt des Weges konfrontiert war. [...] Mit solchen Fortschritten am Horizont freue ich mich auf die Erfolge, die Republikaner aller Ebenen zu erreichen in der Lage sind, um weiterhin Wohlstand für alle Amerikaner zu bringen." Zum Artikel

Washington Post (USA): "Trumps erste 100 Tage in 32 Wörtern"

"Präsident Trump überraschte alle mit seiner Ankündigung, dass er aufhöre vorzutäuschen, er hätte einen [füllen Sie die Lücke aus] Plan, um stattdessen vorzutäuschen, er hätte einen [füllen Sie die Lücke aus] Plan. Das war die 32-Wort-Geschichte von Trumps ersten 100 Tagen. In dieser Woche sind diese Lücken 'Gesundheitsreform' und 'Steuerreform'. Letzte Woche waren es 'Steuerreform' und 'Gesundheitsreform'. Und die Woche davor waren es, richtig geraten, 'Gesundheitsreform' und 'Steuerreform'. [...] Und das führt uns zum zweiten Teil der Geschichte der ersten 100 Tage von Trump: Präsident Trump tweetet, dass sein [füllen Sie die Lücke aus] Plan [besser / der beste] sein wird, dass die Menschen [große / schreckliche] Worte darüber verlieren, wie [groß / schrecklich] es ist, dass sie den Fake-Medien nicht glauben sollen, die behaupten [das wird nicht durchgehen / würde 24 Millionen Menschen ihre Krankenversicherung kosten / würde das Defizit in die Höhe schießen lassen], und dass alles so gut läuft, dass er jetzt wieder an seinem [füllen Sie die Lücke aus] Plan arbeiten wird." Zum Artikel

New York Times (USA): "100 Tage Getöse von Donald Trump"

"Es ist bezeichnend, dass Präsident Trump seine ersten 100 Tage mit einem weiteren durchwurstelnden Angriff auf Obamacare abschließt und diese Woche sowohl versucht wie daran scheitert, ein Gesetz durch den Kongress zu pressen, das keine Chance hat, den Senat zu passieren, nur um die Illusion von Tätigkeit vorzutäuschen. [...] Doch auch wenn seine Bewertungen düster sind, ist die andere Maßgabe, die Herr Trump immer im Auge behielt - sein Einkommen - am boomen, da er die Präsidentschaft benutzt, um seine Angelegenheiten zu fördern. Seine Entschlossenheit, das Amt zu nutzen, um sein Handelsimperium zu erweitern, ist das einzige Ziel, von dem die Amerikaner nach 100 Tagen zuversichtlich sind, dass dieser Präsident es verwirklichen wird." Zum Artikel

Sme (Slowakei): "Trump hat die Chance nicht genützt"

"Am Tag nach Donald Trumps Wahlsieg haben wir geschrieben, Trump werde wohl kein guter Präsident werden, aber er verdiene eine Chance, doch einer zu sein. Nach hundert Tagen seiner Regierung lässt sich sagen, dass er tatsächlich kein guter Präsident ist. Er hat die Chance nicht genutzt."

Guardian (Großbritannien): "Trump hat wenig vorzuweisen"

"Erste Eindrücke zählen. Und die ersten 100 Tage können ein Indikator für Erfolg oder Misserfolg des Präsidenten in seinem wichtigen ersten Jahr im Amt sein. Das Debüt eines Präsidenten kann wegen eines Neustarts in der Außenpolitik in Erinnerung bleiben. Ein Raketenangriff gegen das Regime von (Syriens Präsident) Baschar al-Assad sah Donald Trump kurz auf dem Weg zur Normalität und brachte ihm Applaus von Republikanern und Demokraten. Aber er machte auch deutlich, dass keiner eine Idee hat, welche Pläne die Trump-Regierung überhaupt für den syrischen Bürgerkrieg hat. In den Geschichtsbüchern zählen dauerhafte gesetzgeberische Errungenschaften und nicht Fernsehauftritte oder Tweets spät in der Nacht. Trump versprach für seine ersten 100 Tagen zehn Gesetzesentwürfe. Trotz der Kontrolle seiner eigenen Partei über Capitol Hill hat er bislang wenig vorzuweisen."

Mit Material der dpa