Die Linke hat schon so manche Krise gemeistert. Die Selbstauflösung der Bundestagsfraktion ist dabei eine tiefe Zäsur: Die Auflösung wird am Mittwoch um 00.00 Uhr wirksam, wie ein Sprecher sagte. So hatte es die Fraktion beschlossen. Herbeigeführt wurde die Krise durch den Abgang von Sahra Wagenknecht und ihren Mitstreitern. Ein Blick zurück:

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2005: Die in Westdeutschland initiierte Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) einigt sich im Juni mit der PDS auf einen gemeinsamen Antritt zur vorgezogenen Bundestagswahl, bei der als Spitzenkandidat neben Gregor Gysi auch der frühere SPD-Chef Oskar Lafontaine antritt. Das Linksbündnis erringt 8,7 Prozent.


2007: WASG und die zuvor in Linkspartei umbenannte PDS fusionieren am 16. Juni zur gesamtdeutschen Partei Die Linke. Vorsitzende werden der frühere SPD-Chef Oskar Lafontaine und der frühere PDS-Chef Lothar Bisky.


2009: Bei der Bundestagswahl verbessert sich die Linke auf 11,9 Prozent. Nach der zeitgleichen Landtagswahl in Brandenburg wird dort eine rot-rote Regierung gebildet.


2010: Nach schwieriger Suche eines Nachfolger-Duos für Lafontaine und Bisky übernehmen Gesine Lötzsch und Klaus Ernst den Vorsitz.


2012: Nach einer glücklosen Amtszeit von Lötzsch und Ernst werden Katja Kipping und Bernd Riexinger die neuen Parteivorsitzenden.


2013: Bei der Bundestagswahl erreicht die Linke nur 8,6 Prozent.


2014: Nach der Landtagswahl in Thüringen wird in Erfurt das rot-rot-grüne Bündnis aus der Taufe gehoben. Bodo Ramelow wird zum ersten Ministerpräsidenten in der Geschichte der Linken gewählt.


2015: Wagenknecht und Dietmar Bartsch übernehmen den Fraktionsvorsitz im Bundestag. Im Zuge der Flüchtlingskrise entbrennt heftiger parteiinterner Streit, bei dem sich Wagenknecht gegen die flüchtlingsfreundliche Mehrheitslinie der Partei stellt.


2017: Mit Wagenknecht und Bartsch als Spitzenkandidaten erzielt die Linke bei der Bundestagswahl 9,2 Prozent.


2019: Im März verkündet Wagenknecht ihren Rückzug als Fraktionschefin. Im November rückt Amira Mohamed Ali neben Bartsch an die Fraktionsspitze.


2019: In Thüringen erzielt Ramelow mit 31,0 Prozent das bislang beste Ergebnis der Linken bei einer Wahl in Bund oder Land.


2020: Nach der zunächst mit AfD-Hilfe erfolgten Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten übernimmt Ramelow wieder die Regierungsgeschäfte.


2021: Im Februar übernehmen Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow den Parteivorsitz. Bei der Bundestagswahl im September verfehlt die Linke mit 4,9 Prozent die Fünf-Prozent-Hürde, zieht aber wegen dreier Direktmandate mit insgesamt 39 Abgeordneten wieder als Fraktion in den Bundestag ein.


2022: Der am 24. Februar gestartete russische Angriffskrieg gegen die Ukraine stellt eine neue Zerreißprobe für die Linke dar. Der Bundesparteitag in Erfurt stellt sich per Beschluss gegen jegliche Rüstungsexporte und Waffenlieferungen - diese Haltung wird aber nicht von allen in der Partei geteilt.

Auch die innerparteilichen Turbulenzen gehen weiter, mehrere Landtagswahlen gehen verloren. Im April berichtet der "Spiegel", in der hessischen Linken sei es zu sexuellen Übergriffen gekommen. Zu den Beschuldigten soll demnach auch der ehemalige Lebensgefährte von Parteichefin Wissler gehört haben.

Am 21. April erklärt Ko-Parteichefin Hennig-Wellsow überraschend ihren Rücktritt und begründet dies unter anderem mit den Sexismus-Vorwürfen, aber auch mit den Misserfolgen der Partei.


2023: Der Konflikt mit dem Wagenknecht-Lager nimmt Fahrt auf. Die Vorwürfe: Keine ausreichende Distanzierung zu Russland, zu wenig Abgrenzung gegen Rechts. Wagenknechts Parteigründungsüberlegungen werden konkret.

Im Oktober stellt sie den Verein BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht) vor, aus dem Anfang 2004 die neue Partei hervorgehen soll. Wagenknecht und neun weitere Bundestagsabgeordnete treten aus der Linkspartei aus. Die verbliebenen Linken-Abgeordneten beschließen daraufhin die Auflösung der Bundestagsfraktion zum 6. Dezember. Sie wollen eine parlamentarische Gruppe bilden - die allerdings weniger Rechte und Ressourcen hat.   © AFP

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