In Gaza sind noch immer Dutzende Geiseln in der Hamas-Gewalt. Die USA gehen davon aus, dass auch andere Gruppen Geiseln festhalten. Für eine Verlängerung der Feuerpause wird weiter verhandelt. Am Abend kamen elf weitere Geiseln frei. Unter ihnen befanden sich auch zwei deutsche Teenager. Der Tag im Überblick.

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Die Waffenruhe im Gaza-Krieg wird verlängert. Israel und die islamistische Hamas einigten sich nach Darstellung des Vermittlers Katars darauf, die zunächst auf vier Tage angelegte Feuerpause um zwei Tage auszudehnen. Das teilte der Sprecher des katarischen Außenministeriums, Madschid al-Ansari, am Montagabend wenige Stunden vor Ablauf der ersten Feuerpause mit. Damit dürfte die seit Freitagfrüh geltende Waffenruhe bis Donnerstagmorgen andauern.

Noch am Montag wurden wie zuvor erwartet weitere Geiseln freigelassen. Elf Israelis seien in die Obhut von Mitarbeitern des Roten Kreuzes gegeben worden, teilte die israelische Armee am Abend mit. Nach israelischen Medienberichten handelt es sich neun Kinder und zwei Frauen. Darunter befanden sich auch zwei Teenager aus Deutschland, wie Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) auf X (vormals Twitter) bestätigte. Im Gegenzug sollen 33 weibliche und jugendliche palästinensische Häftlinge entlassen werden. Weitere Geiseln sollten im Zuge der verlängerten Feuerpause freikommen.

Es war bereits die vierte Gruppe an Geiseln, die seit Beginn der Feuerpause am Freitag im Gegenzug für die Freilassung palästinensischer Gefangener aus israelischen Gefängnissen freikam. Bisher waren 58 Geiseln freigekommen, unter ihnen acht deutsche Doppelstaatsbürger. Im Gegenzug wurden 117 Palästinenser aus der Haft entlassen. Nach dem Deal von Israel und Hamas kann die Feuerpause auf bis zu zehn Tage verlängert werden. In dieser Zeit soll ein Austausch von bis zu 100 Geiseln gegen bis zu 300 palästinensische Häftlinge möglich sein.

Der Sprecher der israelischen Regierung, Eilon Levi, sagte vor der Freilassung am Montag, es würden noch 184 Geiseln im Gazastreifen festgehalten. Davon seien 14 Ausländer sowie 80 Israelis mit einem Zweitpass.

US-Regierung: Wohl nicht alle Geiseln in Gaza in Händen der Hamas

Die US-Regierung wies darauf hin, dass womöglich nicht alle in den Gazastreifen verschleppte Menschen von der islamistischen Hamas festgehalten werden. Um mehr Geiseln gegen palästinensische Häftlinge aus Israel freizubekommen, müsse die Hamas diese Geiseln auch finden und holen, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, im US-Fernsehen. Es sei davon auszugehen, dass es andere Gruppen gebe, die einige der Geiseln festhalten. Kirby nannte keine Anzahl.

Hubschrauber

Vierjährige US-Geisel wieder frei: Abigail sah Ermordung ihrer Eltern

Unter den am Sonntag freigelassenen Geiseln aus dem Gazastreifen ist auch ein vierjähriges Mädchen, das neben der israelischen auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt. Bei dem brutalen Überfall der Islamisten auf israelische Dörfer musste das Mädchen mit ansehen, wie seine Eltern vor seinen Augen getötet wurden.

Forderungen nach dauerhaftem Waffenstillstand

UN-Generalsekretär António Guterres betonte, dass die UN ihre Hilfslieferungen dank der Feuerpause habe ausbauen können. Das reiche aber bei weitem nicht aus. "Die humanitäre Katastrophe in Gaza wird jeden Tag schlimmer", teilte Guterres mit. Er forderte einen "kompletten humanitären Waffenstillstand". Zudem müssten alle restlichen Geiseln ebenfalls freigelassen werden. Auch Saudi-Arabien und Jordanien forderten einen Waffenstillstand.

Baerbock mahnte am Montag, die derzeitige Feuerpause solle als Brücke zu einem politischen Prozess für eine dauerhafte Lösung des Konflikts genutzt werden.

Deutschland unterstützt Kibbuz-Wiederaufbau

Deutschland wird den Wiederaufbau der von der Hamas zerstörten Kommunen in Israel finanziell unterstützen. Bei einem Besuch des am 7. Oktober von den Terroristen überfallenen Kibbuz Beeri kündigte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Montag an, dass der Bundestag auf seine Initiative hin 2024 einen Betrag von sieben Millionen Euro für diesen Ort bereitstellen werde. Damit solle in Beeri der Wiederaufbau eines Kulturzentrums und eines Begegnungszentrums für Senioren finanziert werden.

Der von deutschen Juden mitgegründete Kibbuz Beeri liegt in unmittelbarer Nähe zum Gazastreifen. Die Hamas-Terroristen zerstörten ihn fast vollständig. Mehr als 130 der etwa 1300 Bewohner wurden getötet, mehr als 50 verschleppt.

Islamistische Terroristen aus dem Gazastreifen waren am 7. Oktober nach Israel eingedrungen und hatten dort mehr als 1200 Menschen getötet. Etwa 240 Geiseln wurden verschleppt, auch mehrere Deutsche. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen, einer Blockade des Gazastreifens und begann Ende Oktober eine Bodenoffensive. Dabei wurden nach Angaben der islamistischen Hamas fast 15.000 Menschen getötet.

UN: Zu wenig Nahrung und Brennstoff im Gazastreifen

Weitere Hilfslieferungen haben Menschen im Gazastreifen erreicht - sie decken nach Angaben des UN-Nothilfebüros aber nur einen minimalen Bedarf. Die Lebensmittelversorgung gestalte sich weiterhin schwierig. Vielen Menschen fehle es noch immer an Nahrung und Brennstoff zum Kochen. Insbesondere der Norden des Gazastreifen sei betroffen. Viehbestände seien aufgrund von Futter- und Wasserknappheit bedroht. "Überall im Gazastreifen schlachten Bauern ihre Tiere, weil sie dringend Nahrung benötigen und es ihnen an Futter mangelt, um die Tiere am Leben zu erhalten", so OCHA.

HRW: Fehlgezündete Rakete wohl Grund für Explosion an Gaza-Klinik

Die Explosion am Al-Ahli-Krankenhaus im Gazastreifen geht nach Erkenntnissen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wahrscheinlich auf eine fehlgezündete Rakete von bewaffneten palästinensischen Gruppen zurück. Es seien aber weitere Untersuchungen erforderlich um festzustellen, wer die mutmaßliche Rakete abgefeuert habe und ob Kriegsgesetze verletzt worden sind, teilte HRW mit. Israel sprach nach der Explosion am 17. Oktober vom Einschlag einer fehlgeleiteten Rakete der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad.

Israelis nach Hamas-Geiselhaft: Keine Misshandlungen, wenig Essen

Erste Freigelassene berichten unterdessen von ihrer Geiselhaft: Sie seien nicht misshandelt worden, die Bedingungen seien aber hart gewesen, berichtete die israelische Zeitung "Yedioth Achronot" unter Berufung auf Angehörige. Die Menschen hätten sich selbst Essen zubereitet. "Es gab aber auch Tage, an denen es nichts zu essen gab, und manchmal mussten die Verschleppten eineinhalb Stunden warten, bis sie zur Toilette durften", zitierte die Zeitung Merav Raviv, eine Angehörige der Familie Munder.

Keren Munder war gemeinsam mit ihrem neunjährigen Sohn Ohad und der Großmutter Ruti bei dem blutigen Hamas-Überfall am 7. Oktober in den Gazastreifen verschleppt worden. Am Freitag waren sie im Rahmen des Austausches israelischer Geiseln gegen palästinensische Häftlinge freigekommen.

Israel: Musks Starlink nur mit Genehmigung Israels in Gaza

Tech-Milliardär Elon Musk wird nach israelischen Angaben sein Satelliten-Kommunikationssystem Starlink nur mit israelischer Genehmigung im Gazastreifen einsetzen. Darauf habe Musk sich grundsätzlich mit dem Kommunikationsministerium geeinigt, schrieb Minister Schlomo Karhi auf Musks Plattform X (vormals Twitter). Musk besuchte am Montag Israel.

Ende Oktober hatte Musk angekündigt, er wolle mithilfe des Satelliten-Kommunikationssystems seiner Firma SpaceX dabei helfen, die unterbrochene Kommunikation zu international anerkannten Hilfsorganisationen im Gazastreifen wieder herzustellen. Israel hatte daraufhin erklärt, dies mit allen Mitteln verhindern zu wollen. Grund sei, dass die islamistische Hamas das System für Terrorzwecke missbrauchen würde. (dpa/cgo)

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Nach Hamas-Massaker: Elon Musk besucht Kibbuz in Israel

US-Tech-Milliardär Elon Musk hat in Israel den Kibbuz Kfar Aza besucht, wo die radikalislamische Hamas am 7. Oktober ein Massaker verübt hatte.
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