Bei Frank Plasberg geht es um den Pflegenotstand in Deutschland. Ein "Pflichtenheft" für die neue Regierung will er mit seinen Gästen zusammenstellen. Vor allem ein junger Gast sorgt dabei für Aufsehen.

Der angehende Krankenpfleger Alexander Jorde hat es zu einiger Berühmtheit gebracht. In der ARD-Sendung "Wahlarena" brachte er mit seiner Kritik an den Zuständen im Pflegesystem Kanzlerin Angela Merkel vor der Wahl kurz aus der Fassung.

Damit bescherte er dem eher trägen Wahlkampf einen der wenigen überraschenden Momente.

Kein Wunder also, dass der sprachgewandte Azubi auch zu den Gästen von Frank Plasberg gehört, als es bei ihm am Montagabend um den Pflegenotstand in Deutschland geht. Und Jorde enttäuscht die Erwartungen nicht.

"Angela Merkel versteht Problem nicht"

Der Auszubildende nimmt erneut kein Blatt vor den Mund. Ob er glaube, dass seine Kritik die Bundeskanzlerin zum Nachdenken gebracht habe, will der Moderator wissen. "Nein. Ich glaube auch, dass sie das Problem einfach gar nicht versteht", antwortet Jorde.

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"Das Problem" wird dafür in der Sendung von den Gästen ausgiebig auf den Punkt gebracht: In unterbesetzten Krankenhäusern und Altenheimen schuften Pfleger bis zur Erschöpfung.

Gleichzeitig haben gerade Senioreneinrichtungen vielerorts einen so schlechten Ruf, dass nur 15 Prozent der Deutschen von sich sagen, dass sie ihren Lebensabend in einem Pflegeheim verbringen wollen.

Die Sat.1-Moderatorin Andrea Kaiser etwa schildert, dass sie ihren dementen Vater nicht in einem Heim unterbringen will - ihrer 70 Jahre alten Mutter aber auch nicht mehr ewig seine Pflege zumuten kann.

"Ich suche eine Lösung, die es nicht gibt." Das Thema Pflege habe nicht den Stellenwert, den es brauche, sagt auch Stephan Baumann, Mitgesellschafter mehrerer Pflegeeinrichtungen.

Ökonom plädiert für private Vorsorge

Sind sich in der Runde also alle einig? Nicht ganz. Jochen Pimpertz vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln zieht den Zorn der anderen Gäste auf sich.

Der Ökonom kritisiert die "Zwangsfinanzierung" des deutschen Pflegesystems und lässt kurz Sympathie für die gesundheitspolitischen Positionen der FDP erkennen. Da bekommt er es mit Alexander Jorde zu tun.

Der Pflege-Azubi kann mit der Forderung des FDP-Vorsitzenden Christian Lindner nach "mehr Effizienz" im Pflegebereich nämlich gar nichts anfangen.

"Wir bauen keine Autos zusammen, wir pflegen Menschen", sagt er. Und als Ökonom Pimpertz sich dafür ausspricht, dass Bürger vermehrt privat für ihre eigene spätere Pflege vorsorgen sollten, fertigt ihn Jorde gleich noch einmal ab.

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"Wie soll denn jemand, der den Mindestlohn bekommt, noch privat vorsorgen?", fragt er. Applaus im Publikum, Pimpertz ist sichtlich verdattert. Und Jorde setzt noch einmal nach: "In Amerika, ja, da gibt es eine bessere Versorgung - aber auch nur für die, die es sich leisten können."

Peinlicher Patzer

Unterhaltsam ist die Sendung allemal. Und es geht menschlich zu. Etwa, als die bisherige Altenpflegerin und künftige SPD-Bundestagsabgeordnete Claudia Moll von ihren Nachtschichten erzählt, in denen sie zum Teil als einzige examinierte Fachkraft für 56 Heimbewohner zuständig war.

Eher ruhig bleibt Samuel Koch, der seit seinem tragischen Unfall bei "Wetten, dass...?" 2010 im Rollstuhl sitzt.

Bei ihm leistet sich Moderator Plasberg auch noch einen peinlichen Patzer, als er fragt, ob die Riege von Kochs Pflegern ein "bunter Querschnitt" der Bevölkerung sei.

Bei einem Querschnittsgelähmten ist das eine etwas unglückliche Bezeichnung. Plasberg entschuldigt sich, das sei nicht beabsichtigt gewesen. "Umso besser", antwortet Samuel Koch darauf trocken.

Ein "Pflichtenheft" - aber niemand, der es mitnimmt

Koch deutet am Ende an, er hätte sich gewünscht, dass es stärker um konstruktive Vorschläge zur Linderung des Pflegenotstandes gegangen sei.

Schließlich war das auch das erklärte Ziel der Sendung. Man wolle ein "Pflichtenheft" für die nächste Bundesregierung zusammenstellen, hatte Plasberg zu Beginn angekündigt.

Am Ende listet er dann auch noch ein paar Forderungen auf: "Mehr Geld für das Pflegesystem" zum Beispiel. Oder auch "weniger Bürokratie". Aber das ist dann doch reichlich allgemein gehalten.

Das Problem: Politiker aus den Parteien, die wahrscheinlich die nächste Bundesregierung stellen werden, sind ja gar nicht im Studio, um die Liste mitzunehmen.

Bleibt zu hoffen, dass sie alle am Fernseher zugeschaut haben. Aber vielleicht hätte die Redaktion doch zumindest einfach den amtierenden Bundesgesundheitsminister einladen sollen.

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