Jetzt aber schnell: Sandra Maischberger huschte am Mittwochabend wieder durch die Themen der Woche. Dabei kam vieles zu kurz, dafür gab es in der Kürze der Zeit aber einige klare Statements. Insbesondere Journalist Franz Alt sprach Klartext, vor allem darüber, was er von der aktuellen Bundesregierung beim Klimaschutz hält. Klartext gesprochen zu haben kann man Edmund Stoiber indes nicht vorwerfen.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

Die Kritik am Führungsstil der CDU läuft nun schon seit ein paar Wochen, nicht zuletzt durch die harschen Worte von Friedrich Merz befeuert. Nun meldete sich Kramp-Karrenbauer selbst zu Wort und gestand eigene Fehler und schlechtes Krisenmanagement in ihrem ersten Jahr als Parteichefin ein.

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Kein Wunder also, dass es auch die Führungskrise der Partei in den Themenpool von "maischberger. die woche" geschafft hat.

Mit diesen Gästen diskutierte Sandra Maischberger:

  • Edmund Stoiber (CSU), ehemaliger bayerischer Ministerpräsident
  • Anastasia Biefang (transsexuelle Bundeswehrkommandeurin)
  • Anna von Bayern (Journalistin)
  • Franz Alt (Fernsehjournalist)
  • Hajo Schumacher (Journalist)

Darüber diskutierte Sandra Maischberger mit ihren Gästen:

In der Dreier-Konstellation von Bayern, Alt und Schumacher ritt Sandra Maischberger durch die Themen der Woche. Edmund Stoiber und zum Schluss Anastasia Biefang empfing Maischberger zum Einzelgespräch.

Tesla, Impfpflicht, Hongkong und Co.

Im Schnelldurchlauf geht es durch einen wilden Themenmix. Anna von Bayern freut sich über die Impfpflicht, Hajo Schumacher spricht über das Tesla-Werk in Brandenburg und die blutigen Proteste in Hongkong und Franz ist verärgert über die Energiepolitik der Bundesregierung: "Wir haben zur Zeit bei erneuerbaren Energien in Deutschland 350.000 Arbeitsplätze. Das sind weit mehr, als bei der alten Energiewirtschaft. Das heißt, das ist kein Job-Killer, das ist ein Job-Knüller. Es ist absolut unsozial, wenn die Bundesregierung beschließt, um 20.000 Kohle-Arbeitsplätze zu retten, machen wir 80.000 Solar-Arbeitsplätze kaputt – ist schon passiert – und jetzt stehen 40.000 Arbeitsplätze in der Windbranche an, die kaputt gemacht werden."

Die Grünen

Hier hält sich die Runde ein bisschen länger auf. Über den Erfolg und das Bild der Grünen, das sich gerade beim Parteitag in Bielefeld zeigte, urteilt Schumacher: "Was neu ist: Die beiden Führungsfiguren sind sich einig. (…) Sie sind neu und unverbraucht und nicht im Streit miteinander. Die Leute wollen Einigkeit."

Über das Image als Verbotspartei, das die politischen Gegner den Grünen immer wieder verpassen möchten, erklärt Journalist Alt: "Sie berufen sich zu Recht auf Ludwig Erhard, der immer gesagt hat: Soziale Marktwirtschaft heißt nicht eine regellose Wirtschaft. Soziale Marktwirtschaft braucht Regeln. Soziale Regeln. Heute würde er sagen: ökologische Regeln."

CDU

Zum anstehenden Parteitag der CDU und zu den politischen Ambitionen von Friedrich Merz hat Hajo Schumacher eine klare Meinung: "Es wäre ungefähr so, als würde Uli Hoeneß jetzt noch mal von Jogi Löw in die Nationalmannschaft bestellt (…) Insofern glaube ich, dass die Hoffnungen, die auf Friedrich Merz lasten, von viel Romantik und Sentimentalität geprägt sind."

Ähnlich sieht auch Anna von Bayern den Parteitag: "Ich denke auch, dass es nicht so wild wird. Ich glaube, Friedrich Merz hat sich da verrannt. Das hat sich jetzt auch durchgesetzt in der Partei, dass er da mehr Projektionsfläche ist als Person."

Den Vertrauensverlust der Bundesregierung, der aus einer aktuellen Allensbach-Studie hervorgeht, sieht Franz Alt auch in der schlechten Klimapolitik begründet. Kanzlerin Merkel habe Klimaschutz einst als "Überlebensfrage der Menschheit" bezeichnet und dann ein Klimapaket gemacht, das selbst einer ihrer internen Berater als Witz bezeichnen habe.

Hier gingen laut Alt Worte und Taten weit auseinander: "92 Prozent der Bundesbürger sagen erneuerbare Energien sind ganz wichtig und dann kommt etwas, dass die erneuerbaren Energien kaputt macht. Das ist doch nicht glaubwürdig. (…) Sie können es nicht und sie wollen es nicht."

Transsexuelle Kommandeurin bei der Bundeswehr

Anastasia Biefang wurde einst als Marc Biefang geboren. Ihre Karriere bei der Bundeswehr hatte sie vor 25 Jahren als Mann begonnen – bis sie sich bei ihrem Vorgesetzten 2015 als transsexuell outete. Bei Sandra Maischberger berichtet Biefang eindrucksvoll, wie sie daraufhin bei einer Morgenbesprechung ihren Kollegen in aller militärischen Knappheit von ihrer Situation berichtete und wie sie dabei Unterstützung erfahren habe.

Es ist eine spannende Geschichte, denn Biefang ist die erste transsexuelle Kommandeurin bei der Bundeswehr, ihr sind 750 Soldaten unterstellt. Bei "maischberger. die woche" kann man in der Kürze der Zeit nur erahnen, was ein solches Outing bei einer männlich- und männlichkeitsdominierten Vereinigung wie der Bundeswehr bedeutet. Am Donnerstag startet mit "Ich bin Anastasia" der entsprechende Film in den deutschen Kinos.

Das Rededuell des Abends:

Sandra Maischberger gegen Edmund Stoiber. Nun ist es in der Tat eine Herkules-Aufgabe, einen Politiker auf eine klare Aussage festzunageln – aus verschiedenen Gründen. Edmund Stoiber ist in diesem Punkt aber noch einmal eine ganz andere Kategorie, wie er Sandra Maischberger eindrucksvoll beweist.

Stoiber sollte über den Zustand der CDU reden. Oder über die Koalitionsfähigkeit der Grünen. Oder über seine Meinung zu Friedrich Merz. Doch danach ist dem ehemaligen Ministerpräsidenten offenbar nicht zumute, ständig lässt er die Fragen unbeantwortet. Und so ist das Gespräch mit Stoiber für Maischberger eine regelrechte Geduldsprobe.

So schlug sich Sandra Maischberger:

Maischberger insistiert, bohrt nach, doch findet in Stoiber an diesem Abend ihren Meister. Stoiber antwortet viel, aber eben oft nicht auf die eigentliche Frage: "Das Interessante ist: Ich will immer über die CDU reden, und Sie wollen über die SPD reden", versucht Maischberger einmal, Stoiber dessen Ausweichstrategie vor Augen zu führen.

Am Ende sucht Maischberger ihre Antworten auf das, was Stoiber offen lässt, bei Hajo Schumacher: "Nicht alles, Herr Schumacher, was ich gefragt habe, hat eine Antwort bekommen."

Das Fazit:

Es kam vieles dran, aber alles zu kurz. Es wäre spannend gewesen, mehr über die Meinung der Gäste zu egal welchem Thema zu erfahren. Aber so wurde eben über die Impfpflicht gehuscht, kurz beim neuen Tesla-Werk Halt gemacht, ehe es über die Grünen zu Friedrich Merz und Anastasia Biefang ging.

Aber so ist eben nun das neue Konzept von "maischberger. die woche". Wem oberflächliche Schnelleinschätzungen zu den Themen der Woche genügen, der ist hier gut aufgehoben. Wer es etwas tiefgehender mag, eher nicht.

Friedrich Merz: Nächste Kritik an GroKo und Merkel

Der ehemalige Unionsfraktionschef Friedrich Merz hat erneut die Arbeit der Bundesregierung kritisiert. "Die Mehrheit unserer Bevölkerung erwartet Führung und Orientierung von der Politik, nicht nur eine Beschreibung dessen, was ohnehin passiert", sagte er der "Passauer Neuen Presse" (Donnerstag). Fotocredit: imago images/Becker&Bredel