Das Geheimtreffen hochrangiger AfD-Funktionäre mit Neonazis und Unternehmern schlägt weiterhin hohe Wellen. Bei "Markus Lanz" äußerte sich Sahra Wagenknecht zu den "Remigrations-Plänen" und enthüllte dabei, dass sie selbst mit einem der mutmaßlichen Teilnehmer im Austausch war.

Eine Kritik
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Das viel diskutierte Geheimtreffen von AfD-Mitgliedern und Nazis Ende November löste deutschlandweite Debatten über ein mögliches AfD-Verbot aus. Bei "Markus Lanz" äußerte Sahra Wagenknecht ihre Meinung dazu und verriet gleichzeitig, warum sie ausgerechnet mit dem mutmaßlichen Organisator des klandestinen Treffens in Kontakt stand.

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Das ist das Thema bei "Markus Lanz"

Laut Recherchen von "Correctiv" fand am 25. November 2023 im "Landhaus Adlon" bei Potsdam ein Geheimtreffen statt, bei dem neben hochrangigen AfD-Politikern auch Neonazis, Unternehmer und Mitglieder der "WerteUnion" anwesend waren.

Das Recherchenetzwerk veröffentlichte dazu brisante Enthüllungen unter dem Titel "Geheimplan gegen Deutschland", in denen unter anderem von "Remigrations-Plänen" die Rede ist. Demnach wurde bei dem Treffen über eine Vertreibung von Millionen Menschen aus Deutschland sinniert.

Markus Lanz nahm dies zum Anlass, die Hintergründe der Enthüllungen näher zu beleuchten. Gleichzeitig sprach der ZDF-Moderator auch über das neue "Bündnis Sahra Wagenknecht - Vernunft und Gerechtigkeit" und eine mögliche Koalition mit der AfD.

Das sind die Gäste

  • Sahra Wagenknecht, Politikerin (BSW): "Diese Verbotsdebatte ist ein Geschenk an die AfD und ein Armutszeugnis für die Demokratie."
  • Marcus Bensmann, Investigativjournalist: "Was macht man mit einer Kraft, die die Gesellschaft, in der wir sind, abschaffen möchte?"
  • Robin Alexander, Journalist: "Wir haben eine Regierung, die in den Seilen hängt."

Das ist der Moment des Abends bei "Markus Lanz"

ZDF-Moderator Markus Lanz fragte zunächst Investigativjournalist Marcus Bensmann, wie das Recherchenetzwerk "Correctiv" von dem Geheimtreffen im "Landhaus Adlon" erfahren habe. Bensmann erzählte, dass die Einladung zu dem Treffen von einem ehemaligen Zahnarzt aus Düsseldorf ausgegangen sei, der der rechtsextremen Szene angehören soll. Das Ziel der Veranstaltung sei gewesen, den "Masterplan" eines "monoethnischen Staates" zu kreieren, in dem "Menschen, die aus anderen Ländern hier hingekommen sind und hier heimisch geworden sind, keinen Platz haben sollen".

Bensmann nutzte in dem Zusammenhang das Wort "Remigration", das bei dem Treffen angeblich zum zentralen Thema gemacht wurde. "Das ist das vornehme Wort für Deportation, oder nicht?", hakte Lanz nach. Bensmann nickte: "Das ist erst mal Vertreibung."

Doch nicht nur Asylbewerber seien von dem Plan betroffen, sondern auch "nicht assimilierte" deutsche Staatsbürger. Auf sie solle laut Bensmann mithilfe eines "Jahrzehnteprojekts" über "maßgeschneiderte Gesetze" Druck ausgeübt werden, sodass "sie eben dann freiwillig gehen". Der Journalist warnte in dem Zusammenhang, dass die Idee der "Remigration" in der Gesellschaft und "unter Eliten" bereits wachsen solle, bevor eine Partei wie die AfD an die Macht komme.

Sahra Wagenknecht reagierte darauf nüchtern: "Ich finde es nicht wirklich überraschend. (...) Dass die AfD eine Partei ist, in der Nazis sind und man sich auch mit Nazis trifft, ist jetzt nicht ganz neu." Über die Pläne des Geheimtreffens sagte sie: "Das ist Nazi-Ideologie. Das ist richtig düstere, faschistoide Ideologie."

Daraufhin überraschte Wagenknecht die Talk-Gäste, als sie verriet, dass der mutmaßliche Organisator des Treffens vor knapp zehn Jahren auch zu ihr Kontakt aufgenommen habe. "Ich kenne den. (...) Der hat mir mehrfach Mails geschrieben. (...) Ich wusste nur vorher nicht, dass das ein Rechtsradikaler ist."

Als Lanz verdutzt nach den Inhalten der Mails fragte, antwortete Wagenknecht: "Der hat mir vor Jahren mal ein Abendessen mit einem linken, deutschen Kabarettisten vermittelt. Also das heißt, ich war überhaupt nicht bösgläubig, dass der aus der rechten Szene kommt."

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Bensman stichelte daraufhin gegen Wagenknecht, dass der Rechtsextreme damit geprahlt habe, "Ihre Telefonnummer zu haben". Die Politikerin wiegelte jedoch ab: "Meine Telefonnummer hat er nicht, aber meine Mail-Adresse." Sie stellte weiter klar, dass er sich über die Jahre "immer mal wieder gemeldet" habe, dass sie aber aufgrund der "Correctiv"-Recherche mit ihm "keinerlei Kontakt" mehr haben werde. Markus Lanz wollte daraufhin wissen, wann Wagenknecht zuletzt Kontakt zu dem mutmaßlichen Organisator hatte. Der letzte Kontakt sei "schon Monate, vielleicht Jahre her", antwortete Wagenknecht.

Das ist das Rede-Duell des Abends

Als Wagenknecht zugab, dass sie "erstmal geschluckt" habe, als sie aus der Presse von den rechtsradikalen Verbindungen des Netzwerkers erfuhr, reagierte Lanz skeptisch: "Mir fällt es so schwer, das zu verstehen. Da schreibt Ihnen jemand wie dieser Mann über zehn Jahre hinweg. Und Sie recherchieren nie so wirklich, wer das eigentlich ist?" Die Politikerin antwortete genervt: "Wissen Sie, wie viele Leute mir länger als zehn Jahre schreiben?"

Ein Argument, das Lanz nicht akzeptieren wollte: "Und Sie haben keine Ahnung, wer das ist?" Wagenknecht blieb standhaft und sagte: "Ich habe ein Mail-Postfach, da kommen am Tag 200 Mails an. Viele Namen merke ich mir auch nicht." Marcus Bensmann sinnierte daraufhin, ob der rechte Organisator Sahra Wagenknecht möglicherweise als eine "Art Hoffnungsfigur (...) für seinen Plan" gesehen haben könnte. Ein indirekter Vorwurf, auf den die Politikerin wütend reagierte: "Jetzt kommen Sie mir aber wirklich auf einem Niveau, also tut mir leid! Also mit solchen Plänen, wie Sie sie gerade geschildert haben! (...) Mit so was habe ich nichts zu tun und mit so was will ich nichts zu tun haben!" Markus Lanz konterte jedoch: "Björn Höcke hat Sie doch auch eingeladen, in die AfD zu kommen."

Zehntausende demonstrieren in Köln gegen Rechts

Bei einer Großdemonstration gegen Rechts in Köln sind nach Angaben der Polizei zehntausende Menschen auf die Straße gegangen. Die Kundgebung stand unter dem Motto "Demonstration gegen die Massenabschiebungen von AfD und Co. und steigende rassistische Hetze von Rechts".

Gegen diese Aussage wehrte sich Wagenknecht prompt: "Sie wissen doch genau, wie das läuft. Wenn Herr Höcke so was sagt, ist er in der gesamten Medienwelt. Überall wird er zitiert." Die Politikerin wetterte weiter: "Ich halte diese öffentliche Debatte über alle Maßen für dumm."

Wagenknecht kritisierte auch Lanz und sagte: "Ich finde, dass auch Sie als Journalist und die Medien doch mal verstehen müssen, dass die Art und Weise, wie hier im Land mit der AfD umgegangen wird, dazu geführt hat, dass sie jetzt bei 22 oder 23 Prozent steht. Weil es keine sachliche Auseinandersetzung ist." Eine Steilvorlage für den Moderator, der fragte: "Wäre die AfD ein Koalitionspartner, wenn es Herrn Höcke nicht gäbe?" Wagenknecht antwortete klar: "Inhaltlich, sozialpolitisch sind wir so weit auseinander, wie man auseinander sein kann."

Der ZDF-Moderator stellte jedoch fest: "Es gibt ja andere Themen, wo sie sehr nahe beieinander sind: Russland, Migrationspolitik, Nato, Amerika." Wagenknecht ließ sich davon nicht beeinflussen und sagte: "Wenn die AfD Remigration will, sind wir nicht beieinander." Gleichzeitig erklärte sie: "Dass man die Migrationszahlen reduzieren muss, dass die Zahlen viel zu hoch sind, (...) das sieht doch inzwischen jeder. Da ist es ja die Dummheit, dass man das der AfD überlässt, statt endlich in dem Bereich etwas zu tun." Journalist Robin Alexander intervenierte streng: "Das ist einfach nicht wahr, dass Sie oder Herr Höcke kommen mussten und sagen: 'Unsere Migrationspolitik läuft nicht gut'!"

So hat sich Markus Lanz geschlagen

Markus Lanz gelang am Mittwochabend eine höchst brisante Sendung, in der vor allem Sahra Wagenknecht im Mittelpunkt stand. Nicht nur zu den "Correctiv"-Enthüllungen, sondern auch zum Umgang mit der AfD entlockte Lanz der ehemaligen Linken-Politikerin einige steile Thesen.

Das ist das Fazit bei "Markus Lanz"

Bezüglich der AfD-Verbotsdebatte vertrat Sahra Wagenknecht bei "Markus Lanz" eine klare Meinung und sagte: "Warum wird jetzt über ein Verbot diskutiert und nicht vor fünf Jahren? (...) Es wird jetzt deswegen darüber diskutiert, weil die AfD so stark ist. Deswegen ist diese Verbotsdebatte wirklich ein Geschenk an die AfD und ein Armutszeugnis für die Demokratie." Eine Verbotsdebatte sei hingegen "kein demokratischer Diskurs". Mit ihrer Partei wolle sie dem Rechtsruck entgegenwirken und Expertenräte bilden aus Menschen, "die jeden Tag spüren, was die Probleme sind".  © 1&1 Mail & Media/teleschau

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