Eher lustlos schleppen sich die Gäste von Maybrit Illner durch eine Diskussion über eine Große Koalition. Am Ende fragen sich fast alle: Warum sollten wir es nicht doch mit einer Minderheitsregierung versuchen?

Markus Söder hat schon häufig in TV-Runden gesessen. Am Donnerstagabend gilt dem CSU-Politiker bei "Maybrit Illner" aber ein besonderes Interesse: Schließlich ist es sein erster Talk-Auftritt als designierter bayerischer Ministerpräsident.

Vielleicht hat das künftige Amt ihn ein bisschen sanfter gemacht: Söder, der eher als politischer Wadenbeißer bekannt ist, gibt sich lobend und staatsmännisch.

Er äußert Verständnis für die Vorbehalte der SPD vor einer erneuten Großen Koalition, lobt seinen Konkurrenten Horst Seehofer als "großen Parteivorsitzenden" und bezeichnet das gescheiterte Jamaika-Bündnis als "politische Schatztruhe".

Offenbar ist Söder sehr mit sich und den anderen im Reinen – jetzt, wo er sein großes Ziel fast erreicht hat.

Schwesig und Söder bleiben bei Lieblingsthemen

Der zahme Söder-Auftritt gehört aber auch schon zu den wenigen interessanten Erkenntnissen einer insgesamt ziemlich müden Talk-Runde.

Maybrit Illner will wissen, wie die Chancen auf eine erneute Große Koalition stehen. Ein Thema, über das Deutschland in der letzten Zeit schon zur Genüge diskutiert hat. Ziemlich träge schleppt sich auch diese Diskussion dahin.

Wenig Neues liefert zum Beispiel das Gefecht zwischen einer noch recht frischen und einem baldigen Ministerpräsidenten zutage: Manuela Schwesig und Markus Söder.

Beide reiten immer wieder auf ihren Lieblingsthemen herum, ob die anderen Gäste nun wollen oder nicht. SPD-Frau Schwesig fordert unablässig eine Solidarrente und die Bürgerversicherung. Söder wiederum schließt Steuererhöhungen mehrmals kategorisch aus – obwohl die in der Runde niemand wirklich gefordert hat.

Und beim Thema Zuwanderung scheut er sich nicht, Deutsche gegen Flüchtlinge auszuspielen: Söder zufolge kann es nicht sein, dass Geld für die eigenen Bürger fehle "und wir zur gleichen Zeit Milliarden mobilisieren, um anderen zu helfen".

Für Lacher im Publikum sorgt Manuela Schwesig, als sie zum neuen starken Mann der CSU sagt: "Sie schaffen es echt, dass man sich Herrn Seehofer zurückwünscht."

Kein Wunder, dass der Deutschlandfunk-Korrespondent Stephan Detjen voraussagt: Eine große, gemeinsame Überschrift werde eine neue "GroKo" wohl kaum finden.

Unternehmerin kommt selten zu Wort

Ein wenig Leben könnte Sina Trinkwalder in die Runde bringen. Sie ist Fränkin, Unternehmerin und "überzeugte Sozialdemokratin". Und sie traut sich offenbar, Politikern klar die Meinung zu sagen.

Bei "ihrer" SPD beklagt sie die Angst vor dem Regieren, "ihrem" bayerischen Finanzminister Söder wirft sie vor, er schüre bei Menschen die Angst vor Zuwanderern. Wirklich zu Wort kommt sie aber selten.

Dabei steuert die energische Frau durchaus interessante Gedanken bei. Trinkwalder kritisiert zum Beispiel, dass sich kein Politiker die wichtigste Frage dieser Zeit stelle: Wie wird die Arbeitswelt der Zukunft aussehen?

Wegen der Digitalisierung werde die Wirtschaft viele Menschen, die heute noch einen Job haben, in Zukunft nicht mehr brauchen. Darauf müsse die Politik Antworten finden. "Wir werden Massenarbeitslosigkeiten haben", ist Trinkwalder überzeugt. Darüber ließe sich zwar sicher sehr gut streiten – aber genau das wäre ja auch die Aufgabe einer Talkshow.

Einigkeit am Ende: Warum nicht doch eine Minderheitsregierung?

Zum Ende der Sendung hin sind am Bildschirm die einen oder anderen gähnenden Zuschauer im Studiopublikum auszumachen. Immerhin findet sich zum Abschluss noch so etwas wie Einigkeit: Eine Minderheitsregierung als Alternative zur GroKo fänden die meisten Gäste in der Runde gar nicht mal schlecht.

Sina Trinkwalder fände sie sogar "super", der Wirtschaftsweise Lars P. Feld denkt, dass sie "belebend" wirken könnte. Und Journalist Stephan Detjen glaubt: Zu Angela Merkels präsidialem Politikstil würde sie ganz gut passen.

Wenn das Ringen um eine Große Koalition so zäh werden würde wie diese Sendung, wäre eine Minderheitsregierung womöglich der bessere Weg.

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