• Max Verstappen und Charles Leclerc gehen im WM-Duell 2022 respektvoll miteinander um.
  • Das war schon mal anders: Zu Kart-Zeiten haben sich die beiden Titelanwärter regelrecht gehasst.
  • Die Vergangenheit hat aber auch gezeigt: Selbst Respekt kann einen teilweise überhart geführten Zweikampf nicht immer verhindern.

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Max Verstappen ist mächtig sauer. In einem Video raunzt er deshalb ein "Er ist unfair" in das Mikro. Charles Leclerc wiederum hat nicht viel zu sagen. "Nichts, nur ein kleiner Zwischenfall im Rennen", sagte der Monegasse, auf Verstappen angesprochen. Das Video ist zehn Jahre alt, hat fast zwei Millionen Aufrufe und ist ein schöner Beweis dafür, wie verbissen die 14-Jährigen die unzähligen Zweikämpfe geführt haben. Es war damals ein schmaler Grat zwischen den beiden Heißspornen.

"Haben uns gehasst": Duell Max Verstappen gegen Charles Leclerc mit brisanter Vergangenheit

Verstappen äußerte sich 2012 in Interview © YouTube

Die Interviews wurden nach einem Rennen der WSK-Euro-Series geführt, in dem sich Verstappen und Leclerc gegenseitig abwechselnd in das Kart fuhren und im Nachhinein disqualifiziert wurden. Es war eine Zeit, in der es zwischen Verstappen und Leclerc, beide Jahrgang 1997 und 16 Tage nacheinander geboren, häufiger rappelte. "Es war entweder er oder ich. Wir waren jung, verrückt, und ja, wir haben uns irgendwann gehasst", blickt Leclerc auf die Zeit zurück.

Disqualifikation nach Rambo-Attacken

Kein Wunder: Leclerc hatte Verstappen bei dem Kart-Rennen bei einem Überholmanöver weggedrückt, der Niederländer revanchierte sich kurz danach, schob Leclerc von der Strecke. Der ließ das nicht auf sich sitzen und drückte Verstappen nach (!) der Zielflagge wiederum in eine Pfütze. "Er war unglaublich sauer, sein Vater auch. Es war ganz lustig, dann sind wir beide disqualifiziert worden", so Leclerc.

Seitdem ist viel passiert. Drei Jahre nach dem Video saß Verstappen bereits in einem Formel-1-Auto, Leclerc zog 2018 nach. Erst 2019, als der Monegasse zu Ferrari aufrückte, kam es auch in der Formel 1 erstmals zu direkten Duellen der beiden einstigen Streithähne. Und prompt gab es nach einem harten Manöver Verstappens in Spielberg Zoff, der sich aber schnell abkühlte, weil Ferrari zwei Jahre lang nicht konkurrenzfähig war. Inzwischen ist Verstappen mit Red Bull Racing erstmals Weltmeister geworden und greift 2022 nach der zweiten Krone.

Doch in dieser Saison geht es zwischen den beiden nicht mehr nur um einzelne Szenen, um den einen oder anderen Sieg, sondern um den Titel. Denn Leclerc und Ferrari agieren inzwischen auf Augenhöhe, im Moment hat Leclerc nach fünf Saisonrennen 19 Punkte Vorsprung auf Verstappen. In den zurückliegenden Rennen gab es bereits einige sehenswerte Zweikämpfe. Das Ganze findet aber unter anderen Vorzeichen als 2012 statt.

Sehr viel reifer und älter

"Es ist eine ganz andere Situation, wir sind heute sehr viel reifer und älter, auch wenn wir erst 24 Jahre alt sind", erklärte Leclerc. "Im Laufe der Zeit wird man erwachsen und wir beide haben uns unseren Traum vom Formel-1-Aufstieg erfüllt. Damals wirkte dieses Ziel noch, als wäre es unerreichbar, umso besser ist es, dass wir nun in der Formel 1 gegeneinander antreten können", so Leclerc, der betonte, dass viel gegenseitiger Respekt vorhanden sei. "Heute blicken wir beide mit einem Grinsen im Gesicht zurück auf diese Jahre."

Verstappen stimmt seinem Konkurrenten zu. "Wir sind seither beide viel reifer geworden. Wir sind nun beide in der Formel 1 und fahren für Top-Teams, wir kämpfen um Siege und was zu Kart-Zeiten passierte, darüber können wir nun lachen", erklärte er.

Fühlt sich wie im Kart an

Der Niederländer wird bei dem heutigen Duell aber durchaus an alte Zeiten erinnert. "Es ist nett und fühlt sich ein bisschen wie damals im Kart an, wir sind nur reifer – persönlich, aber wir haben auch mehr Erfahrung. Das macht das Racing denke ich noch besser", so der Weltmeister.

Doch natürlich ist in der Formel 1 nichts garantiert, fortdauernder Respekt auf der Strecke schon mal gar nicht. Ein Zwischenfall, und die Brisanz von früher könnte zurückkehren. Verstappen und Lewis Hamilton haben es 2021 vorgemacht, wie sich zwei Fahrer in einem Titelkampf gegenseitig hochschaukeln können. Nach dem Crash der beiden in Silverstone war nichts mehr wie vorher, sowohl Hamilton als auch Verstappen gingen anschließend bisweilen über das Limit hinaus.

An der Grenze des Erlaubten

"Bis jetzt genieße ich es sehr", sagte Leclerc: "Wir werden an der Grenze des Erlaubten fighten, so war es immer schon. Hoffentlich bleibt es für den Rest der Saison so." Auch für Verstappen waren es "richtig gute Zweikämpfe, die haben wir genossen, und ich hoffe, dass wir für den Rest der Saison so weitermachen können." Doch es ist und bleibt ein schmaler Grat. Wie schon 2012.

Verwendete Quelle:

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