• Mick Schumacher geht mit Haas in seine zweite Formel-1-Saison und will endlich um Punkte kämpfen.
  • Die störenden Rückschläge für das Team in der Vorbereitung waren aber enorm.
  • Für Schumacher wird trotzdem der Druck steigen, denn das mittelfristige Ziel des 22-Jährigen ist Ferrari.

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Mick Schumacher ist komplett gelassen, entspannt, voller Vorfreude und Tatendrang. Optimistisch ist der 22-Jährige auch. Dabei hat sein Rennstall Haas schon jetzt Schlagzeilen für eine ganze Saison geschrieben. Leider überwiegend negative. Doch Schumacher und sein Team schauen nach vorne. Denn wenn am Sonntag mit dem ersten Formel-1-Rennen des Jahres in Bahrain die neue Saison startet, sollen es endlich mal wieder positive Nachrichten sein.

Der Ärger um den russischen Sponsor Uralkali und die anschließende unschöne Trennung? Abgehakt. Die Entlassung von Teamkollege Nikita Mazepin? Damit hält sich Schumacher nicht auf, denn er hat mit Mazepins Nachfolger Kevin Magnussen genug zu tun. Ja, und dass die Generalprobe in Bahrain durch Probleme mit einem Transportflugzeug kompromittiert wurde, passte da nur ins Bild.

Noch nicht alle Probleme aussortiert

Haas absolvierte unter anderem deshalb an den insgesamt sechs Testtagen nur knapp die Hälfte der Kilometer der fleißigsten Teams, ist in dieser Liste abgeschlagen Letzter. "Es geht darum, ob wir schnell sind oder nicht, und das ist das Positive daran - wir sind es!", sagte Schumacher. Er weiß aber auch, dass Haas beim komplett neuen Auto noch längst nicht alle Probleme aussortiert hat. "Wir müssen schauen, dass wir bis zum Ende des Rennens kommen, darauf müssen wir uns konzentrieren", sagte er.

Trotzdem: Man habe ein gutes Auto, man habe etwas, mit dem man arbeiten könne, so Schumacher, "also kann jeder wirklich glücklich und stolz auf sich selbst sein, dass wir das erreicht haben", so Schumacher. Denn in der vergangenen Saison fuhr er im mit Abstand schlechtesten Auto der Musik hinterher.

Der neue Haas-Renner soll dem Team endlich die ersten Punkte seit 2020 bringen und Schumacher die Möglichkeit bieten, sein Können öfter zu zeigen als noch 2021. Ex-Weltmeister Damon Hill glaubt, dass Haas eine "große Überraschung" sein könnte, wie er bei Sky erklärte: "Mick könnte eine gute Chance haben. Sie haben ihre ganze Energie in das Auto gesteckt. Ich drücke die Daumen, ich würde mir wünschen, dass er erfolgreich ist. Er sieht sehr konkurrenzfähig aus und nimmt seinen Job ernst."

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Die neuen Formel-1-Rennwagen zur Saison 2022 unterscheiden sich aufgrund des Reglements in wesentlichen Punkten von den Vorjahresmodellen.

Mal wieder mehr Druck

Deshalb weiß Schumacher, dass er es "auf der Strecke umsetzen" muss, "wenn es darauf ankommt. Ich freue mich sehr auf das, was in diesem Jahr auf uns zukommt", sagte Schumacher. Auf ihn selbst wird mal wieder mehr Druck zukommen. Das kennt er allerdings schon. Für den Druck sorgt sein Nachname, seit er in der Formel 4 seine ersten Testfahrten absolviert hat.

Der 22-Jährige beherrscht allerdings seit Jahren die Kunst, diesen Druck, die riesige Erwartungshaltung auszublenden, auch wenn beides stetig steigt. Sei es in der Formel 4, der Formel 3 oder der Formel 2. Selbst als Rookie in der Formel 1 hat er sich davon nicht beeindrucken lassen, dass mit dem Namen Schumacher viele Erinnerungen, aber auch Hoffnungen verbunden sind.

Dass die Schonfrist für ihn nach einer Saison vorbei ist, "macht persönlich nichts anders für mich, eher für die Öffentlichkeit. Ich habe mich letztes Jahr schon nicht als Rookie gefühlt", sagte Schumacher bei Sky. Nach dem Aus von Mazepin kommt auf Schumacher auf jeden Fall eine neue Herausforderung zu, denn der neue Teamkollege Magnussen ist ein anderes Kaliber als Mazepin, den Schumacher im Griff hatte. Für Schumacher ist der Däne Chance, aber auch ein Risiko.

Kevin Magnussen: Kein "Kind von Traurigkeit"

"Kevin ist nicht als Kind von Traurigkeit bekannt. Doch Magnussen ist über die Jahre auch ruhiger geworden, und ich glaube, zwischen ihm und Mick passt das vom Charakter her besser als zwischen den Haas-Fahrern 2021", sagte Micks Onkel Ralf Schumacher bei Sky.

Grundsätzlich sei jeder Stallgefährte eine Bedrohung, so Ralf Schumacher, "denn wenn dein Teamkollege schneller ist als du, hast du ein Problem. Die Chance für Mick besteht darin, von einem erfahrenen Mann sehr viel lernen zu können." Doch da kommt wieder die Erwartungshaltung ins Spiel, weiß Schumacher, "denn die Leute werden von ihm erwarten – den muss er knacken". Micks cooler Konter: "Ich fühle mich wohl, ich weiß, wo ich stehe und weiß, was ich kann. Das schüchtert mich also nicht ein."

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Mick Schumachers mittelfristige Ziel lautet Ferrari

Denn die mittelfristigen Ziele Schumachers sind andere als Punkte mit Haas und Kämpfe im Mittelfeld oder mit einem Teamkollegen wie Magnussen: Er will in die Fußstapfen seines Vaters treten und irgendwann auch für Ferrari fahren. Es ist alles bereitet: Ferrari-Junior ist er bereits, in diesem Jahr auch erstmals Ersatzfahrer. Fehlt nur noch Schumachers eigener Beitrag. Seine sportlichen Ausrufezeichen. Seine Anspruchserklärung, wenn man so will.

"Aktuell hat Ferrari mit Charles Leclerc und Carlos Sainz zwei fantastische und auch noch junge Fahrer", sagte Formel-1-Chef Stefano Domenicali beim Sportbuzzer. Leclerc ist langfristig gebunden, der Vertrag von Sainz läuft Ende 2022 aus, soll aber verlängert werden. "Aber wenn Mick bereit ist und sich ihm eine Möglichkeit bietet, wird er sie ergreifen", sagte Domenicali, der früher bei Ferrari mit Rekordweltmeister Michael Schumacher zusammengearbeitet hat und einige Parallelen sieht. "Natürlich gibt es einige Details, die mich an Michael erinnern. Seine professionelle und hingebungsvolle Arbeitseinstellung zum Beispiel. Da ist er genau wie sein Vater."

Klar ist: 2021 war Mick Schumachers Lehrjahr, das Gelernte muss er nun umsetzen, muss die nächsten Schritte machen. "Die Erwartungen sind größer, auch jene, die Mick an sich selber hat. Jetzt muss die Leistung abgerufen werden", sagt Ralf Schumacher. Und stellt klar: "Für Mick steht die nächste Stufe seiner Karriere an." Hoffentlich begleitet von positiven Schlagzeilen.

Verwendete Quellen:

  • Sportbuzzer.de: Formel-1-Boss Stefano Domenicali über die neuen Regeln, Chefkritiker Vettel und einen Deutschland-GP
  • Pressekonferenzen
  • Sky Medienrunde

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