Das Derby bekommt den Todesstoß, Jürgen Klopps Vertragsverlängerung ist Grund für die BVB-Krise und ein Bayern-Duo liegt im Brüder-Duell deutlich hinten: In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen Lehren des jeweiligen Spieltags der Bundesliga.

1. Erkenntnis: Die Brüder lassen's krachen

Erst trifft Kroos per Distanzschuss, danach noch Boateng per Kopfball-Doppelpack. Und am Samstag um kurz vor halb sechs steht fest: Der FC Bayern München gewinnt mit 3:0 gegen den FC Augsburg. Klingt nach einem recht normalen Bayern-Spiel – vielleicht abgesehen von den überbordenden Torjägerqualitäten Boatengs.

Aber, Moment mal! War es nicht Franck Ribery, der einen Freistoß zum 2:0 in die Maschen nagelte? Und nicht Thomas Müller, der per Handelfmeter das 3:0 erzielte? So ist es: Aber wer hat gesagt, dass wir hier vom Bayern-Toni und Bayern-Jerome sprechen? Hier geht’s selbstredend um den Werder-Felix und den Schalke-Kevin.

Eigentlich ist es schon lang überfällig, aber wir holen es gerne nach: Der große Bundesliga-Brüderkampf sei hiermit ausgerufen. Bayern-Kroos und Bayern-Boateng gegen Werder-Kroos und Schalke-Boateng. Und momentan steht es 2:6 nach Toren. Wir werden dieses spannende Duell natürlich weiter für Sie verfolgen.

2. Erkenntnis: Das Derby wird sterben

Irgendwann werden wir unseren Enkeln noch von richtigen Derbys erzählen. Von gepflegten Feindschaften, gespaltenen Städten und Ausnahmezuständen. Denn irgendwann wird er ausgestorben sein, das Derby. Es röchelt schon. Und relativ neue "Derbys" wie der FC Bayern München gegen den FC Augsburg werden ihm irgendwann den finalen Stoß versetzen. Paul Breitner hat es schon versucht. Bei der Halbzeitbesprechung in der Allianz Arena sagte das Bayern-Urgestein beim Stand von 2:0 für die Hausherren doch tatsächlich, man müsse die "netten Augsburger" jetzt nicht noch mehr abschießen. Außerdem spielen die ja "total fein mit". Weniger Feindschaft, ach was, weniger Derby geht eigentlich gar nicht.

Und was machen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig, beim wahren Derby dieses 12. Spieltags? Die tausendste Nullnummer in der Bundesligageschichte fabrizieren. Armes Derby. So wird das schwierig mit der Reanimation.

3. Erkenntnis: Der BVB steckt in der Krise

Was haben Sie gejubelt, als der Jürgen Klopp seinen Vertrag bei Borussia Dortmund verlängert hat. Bis nach München hat man es gehört. Und dann gleich einen Tag später 6:1 gegen Stuttgart gewonnen. Das waren schöne Zeiten im Pott. Ist jetzt aber wurscht. Denn gerade kristallisiert sich ein klitzekleiner Abwärtstrend heraus beim BVB.

Zweimal hintereinander verloren. Erst gegen Arsenal und jetzt gegen Wolfsburg. Eigentlich kein Grund eine Krise auszurufen. Aber das machen wir einfach so gern. Am liebsten mit absurden Gründen. Und am allerliebsten, bevor uns jemand zuvor kommt. Also rufen wir jetzt mal: KRISE BEIM BVB! Und die Vertragsverlängerung von Klopp ist schuld. Weil, äh, weil psychologisch für die Spieler so ne gewisse Spannung natürlich wichtig ist, oder so.

4. Erkenntnis: Manche Geschichten sind geiler als andere

Wir haben tief in der Phrasen-Kiste gekramt und eine besonders schöne herausgezogen. "Solche Geschichten schreibt nur der Fußball", steht da drauf. Klasse, denn die passt doch bestens zum Spiel Leverkusen gegen Hamburg. Da trifft Leverkusens Heung-Min Son einfach mal zehn Spiele nicht, um dann ausgerechnet seinem Ex-Verein drei Dinger einzuschenken. Sie ahnen es: Solche Geschichten schreibt nur der Fußball.

Leidtragender der Son-Show war übrigens Rene Adler, Ex-Leverkusener und Jetzt-Hamburger. Früher bei Bayer gefeiert, hat er jetzt Heiko Westermann vor sich und kassiert ein Ding nach dem anderen. Auch solche Geschichten schreibt der Fußball.