Oben hui, unten pfui? Zwischen den Champions-League-Teilnehmern FC Bayern, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen und dem Rest der Liga scheint sich ein großer Graben aufzutun. Warum neu immer besser ist und nicht nur in München "gemüllert" wird: In unserer Serie ziehen wir die Lehren des jeweiligen Spieltags - ganz subjektiv und auch nur ein bisschen ernst gemeint.

1. Erkenntnis: In der Bundesliga klafft ein großer Graben

In dem Asterix-Comic "Der große Graben" heben die miteinander verfeindeten Bewohner eines gallischen Dorfes eine tiefe Grube aus, die den Ort in zwei Hälften teilt. Auch in dem Dorf namens Bundesliga gibt es nach sieben Spieltagen schon so eine Kluft: Auf der einen Seite balgt sich eine Truppe namens Verliernix (Dortmund, Bayern und Leverkusen) um die Tabellenführung. Jenseits des Grabens klaubt der Rest der Liga in respektvollem Abstand auf, was die Königsklassentiger übrig gelassen haben. Von Hannover bis Braunschweig ist man mit seinem Latein am Ende, wie das enteilte Spitzen-Trio noch einzuholen ist.

2. Erkenntnis: Siegen will gelernt sein

"Sei schön fleißig, dann kriegst du eine Eins!" Diesen Spruch kriegen Schulkinder oft zu hören. Doch das Prinzip gilt auch für Fußballspieler. Brav legten die Schalker also los und gingen mit 2:0 und nach einem gegnerischen Anschlusstreffer mit 3:1 in Führung, um sich ein Fleiß-Bildchen zu verdienen. Doch zwischen Spektakel und Debakel liegt manchmal nur eine Halbzeitpause. Die Schalker Schlampereien in der Abwehr kosteten den Sieg. Zur Strafe muss Jermaine Jones nachsitzen, statt Champions League zu spielen. Ob ihm Trainer Jens Keller auch noch Hausaufgaben aufbrummt?

Für Werder Bremen war der siebte Spieltag eigentlich wie gemacht zum Siegen. Sogar das ewige Sorgenkind Eljero Elia traf nach sage und schreibe 3.356 Minuten zum ersten Mal für seinen Verein in der Bundesliga. Doch nicht immer wird endlich gut, was ewig währt: Wie die Königsblauen verschenkte Werder gegen Nürnberg die 2:0-Führung und kam deswegen nur mit einem Unentschieden nach Hause. Von den Klassenschwächsten aus Gelsenkirchen, liebe Bremer, sollte man eben nicht abgucken. Club-Kapitän Raphael Schäfer verteilte folgerichtig den Klassenspiegel: "Von der Schulnote eins bis sechs war alles drin."

3. Erkenntnis: Neu ist immer besser

In der US-Comedyserie "How I met your mother" erklärt Frauenaufreißer Barney seinem Freund Ted sein Liebesmotto: "Neu ist immer besser." Auch in Hamburg scheinen sie diesen Grundsatz zu teilen. HSV-Trainer Bert van Marwijk ist neu und geil, sein Vorgänger Thorsten Fink dagegen, nun ja, alt und klapprig.

Spieler und Management überschlagen sich gegenseitig im Lob für den frisch angekommenen Niederländer. Geheimtrainings geben van Marvijk zusätzlich die geheimnisvolle Aura eines Zauberers. Vielleicht möchte man damit nur rhetorisch herbeizwingen, dass jetzt endlich alles gut wird.

Angeblich könnte auch Torsten Lieberknecht die "Neu ist immer besser"-Philosophie als letzte Rettung für Braunschweig in Erwägung ziehen. Laut dem Sportmagazin "kicker" steht der Eintracht-Trainer nach dem 0:4-Deasaster gegen Stuttgart vor dem Rücktritt. Bisher verteidigte der Eintracht-Trainer noch wortgewaltig seinen "Piss-Verein" und verbat sich jegliche Vergleiche mit Greuther Fürth. Bald könnten sich aber die Fürther jegliche Vergleiche mit Braunschweig verbieten. Immerhin hatten die späteren Absteiger letztes Jahr drei Punkte mehr auf dem Konto als die noch sieglosen Niedersachsen.

4. Erkenntnis: Alles "müllert" oder was?

Das schöne Verb "müllern" wurde in einer Zeit populär, als ein Stürmer vom FC Bayern mit eben diesem Nachnamen und dem Vornamen Gerd etliche Tore schoss. 40 Jahre später machen gleich drei Müllers in der Bundesliga von sich reden: Der Thomas, der Nicolai und der Heinz. Während Ersterer wie sein berühmter Vorgänger für die Münchner spielt und trifft, sind die beiden letzteren in Mainz angestellt. Am Rhein ist man so stolz auf den treffsicheren Nicolai, dass man auch gleich den passenden Spruch dazu stibiezt. "Es 'müllert' wieder", jubelte Mainz nach dem 1:0 gegen Hertha auf Twitter. Doch nach den drei folgenden Gegentreffern stellt sich die Frage: "Müllert" es auch, wenn Torwart Heinz der Ball ins Tor flutscht?

5. Erkenntnis: Hoffenheim erhebt einen "Erlebniszuschlag"

Bumm Bumm Bundesliga: In bisher 63 Saisonspielen gab es noch kein einziges 0:0. Und fast jedes Wochenende gibt es ein Spiel mit sechs Toren oder mehr. Musterbeispiel ist hier die TSG Hoffenheim. Zwar kassiert man beinahe so viele Tore wie der Hamburger SV (18), aber man trifft eben auch genauso fast oft wie die Dortmunder (ebenfalls 18). So kommt eben mal ein 5:1-Sieg über den HSV zustande, genauso wie eine 2:6-Niederlage gegen Stuttgart. Und sonst liefert man sich eben mal ein spannendes 3:3 gegen Schalke 04.

TSG-Trainer Markus Gisdol fordert daher einen "Erlebniszuschlag" für die Spiele seiner Hoffenheimer. Ob dann mehr Zuschauer in das selten ausverkaufte Stadion kommen, bleibt zu bezweifeln. Sinsheim hat schließlich auch ein Schwimmbad und drei Museen zu bieten.