Das Kölner Tor zum 2:2 gegen Freiburg wird aberkannt, weil Jonas Hector den Ball zuvor mit dem Arm gespielt hat. Das ist jedenfalls die Wahrnehmung des Schiedsrichters. Diese wird auch von den Fernsehbildern nicht widerlegt, weshalb ein On-Field-Review durch den Referee nicht zwingend geboten ist. Trotzdem hätten es manche gerne, dass er die Szene noch einmal selbst überprüft.

Alex Feuerherdt
Eine Kolumne
von Alex Feuerherdt
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In der Partie des 1. FC Köln gegen den SC Freiburg (1:4) hatte soeben die Nachspielzeit begonnen, als Jannes Horn eine Idee kam, wie die Hausherren nach einem 0:2-Rückstand, dem Anschlusstor und einem verschossenen Strafstoß doch noch zumindest einen Punkt retten könnten.

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Aus der eigenen Hälfte schlug er einen langen Ball in den Freiburger Strafraum zu Jonas Hector. Der nahm etwa 14 Meter vor dem Gehäuse der Gäste den Ball mit dem Rücken zum Tor an und ließ ihn abtropfen. Sein Teamkollege Jan Thielmann nahm die Kugel direkt und drosch sie in den Kasten der Breisgauer.

Es war ein absolutes Traumtor – doch Schiedsrichter Marco Fritz beendete den Kölner Jubel durch einen Pfiff jäh. Denn er hatte bei Hectors Ballannahme ein Handspiel wahrgenommen.

Zwar war es keines, das man wegen der Armhaltung oder -bewegung unbedingt als strafbar bewerten müsste. Doch darauf kam es in diesem Fall nicht an: Wenn einer Torerzielung ein Handspiel unmittelbar vorausgeht – und sei es noch so unabsichtlich und unvermeidlich –, darf der Treffer nicht zählen.

Der Begriff "T-Shirt-Linie" dient nur der Orientierung

Aber hatte Hector den Ball tatsächlich mit dem Arm gespielt – oder doch eher mit der Schulter? Das überprüfte nun Video-Assistent Sören Storks, was er laut Regelwerk tun konnte, weil Fritz erst gepfiffen hatte, als der Ball schon im Tor war.

Vor der Saison hatten die Regelhüter vom International Football Association Board (Ifab) festgelegt: Der Bereich, der sich bei angelegtem Arm oberhalb der Achselhöhle befindet – diese bildet also die Grenze –, wird regeltechnisch nicht mehr zum Arm gerechnet. Wenn es dort zu einem Kontakt mit dem Ball kommt, liegt also auf keinen Fall ein Handspiel vor.

Der in diesem Zusammenhang oft verwendete Begriff "T-Shirt-Linie" ist allerdings kein offizieller Terminus. Er dient nur zur Orientierung, wo die besagte Grenze gezogen wird. Die Linie ist lediglich eine gedachte, mit der tatsächlichen Ärmelgrenze des jeweiligen Trikots ist sie nicht unbedingt identisch.

Das klingt nicht sonderlich schwierig – und doch war die Szene in Köln verzwickt. Denn die Fernsehbilder zeigten, dass es im Grenzbereich zwischen der Schulter und dem Oberarm von Jonas Hector zum Ballkontakt kam.

Die Bilder widerlegen den Schiedsrichter nicht

Der Kölner selbst sagte, er habe den Ball "oben an die Schulter" bekommen. Die sportliche Leitung der Bundesliga-Schiedsrichter hingegen teilte via Twitter mit, Hector habe "den Ball am Oberarm, knapp unterhalb der Achselhöhle" und "somit im strafbaren Bereich" berührt.

Deshalb habe der VAR "die Richtigkeit der Feldentscheidung bestätigt". Es blieb also dabei, dass das Tor nicht zählt. Davon erholten sich die Kölner nicht mehr, vielmehr traf der SC Freiburg sogar noch zweimal. Statt 2:2 stand es am Ende 1:4.

Das Bildmaterial war aus keiner Kameraeinstellung wirklich eindeutig. Doch für einen solchen Fall gibt es eine Regelung: Wenn sich eine Situation nicht zweifelsfrei auflösen lässt, bleibt es bei der auf dem Platz getroffenen Entscheidung. Schließlich ist dem Unparteiischen ja kein klarer und offensichtlicher Fehler nachzuweisen.

Die getroffene Entscheidung lautete in diesem Fall: Handspiel. Das bedeutet: Der VAR hätte nur dann interveniert, wenn er zu dem Schluss gekommen wäre, dass Hector den Ball nicht mit dem Oberarm gespielt hatte, sondern mit der Schulter. Doch die Bilder widerlegten die Wahrnehmung von Marco Fritz nicht.

Wäre ein Review trotzdem sinnvoll gewesen?

Trotzdem fragten manche, ob ein On-Field-Review durch den Referee nicht besser gewesen wäre. Prinzipiell ist keines vorgesehen, wenn eine Entscheidung nach Ansicht des VAR nicht eindeutig falsch war – und erst recht nicht, wenn es sich um eine sogenannte faktische Entscheidung handelt.

Also um eine, bei der es eigentlich kein Ermessen gibt und es nicht um Interpretation geht, sondern um etwas grundsätzlich Messbares: eine Abseitsstellung beispielsweise, die Position des Balles – oder eben auch den Kontaktpunkt bei einem Handspiel.

In diesen Fällen soll der VAR dem Schiedsrichter das Ergebnis seiner Prüfung mitteilen und der Unparteiische daraufhin entscheiden, ohne selbst noch einmal zum Monitor am Spielfeldrand zu gehen.

Ein "taktisches" Review kann für mehr Akzeptanz sorgen

Gleichwohl sieht das Regelwerk die Möglichkeit vor, in spielentscheidenden Situationen vor allem kurz vor Schluss aus taktischen Gründen ein On-Field-Review durchzuführen, um eine faktische Entscheidung besser zu "verkaufen".

Diese Option hatte zuletzt Manuel Gräfe in Anspruch genommen, als in der Partie RB Leipzig – TSG 1899 Hoffenheim (0:0) der Leipziger Yussuf Poulsen in letzter Sekunde traf, sich den Ball dabei jedoch eindeutig an den Arm geköpft hatte.

Ein solches Review hätte vielleicht auch in Köln dazu beitragen können, die erhitzten Gemüter abzukühlen. Es ging immerhin um eine Entscheidung am drittletzten Spieltag der Saison, die für den Abstiegskampf von großer Bedeutung ist.

Selbst wenn Marco Fritz die Bilder keine neuen Erkenntnisse gebracht hätten und es nach dem VAR-Protokoll korrekt war, der Einschätzung des VAR zu folgen, hätte sich die Akzeptanz für den Handspielpfiff erhöhen lassen. Es fällt manchmal leichter, eine Entscheidung hinzunehmen, wenn der Referee sie selbst noch einmal überprüft hat.

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