• Die Bayern sind Meister, seit neun Jahren geht das nun so - und außer dem FC Bayern findet das niemand mehr lustig.
  • Auch unter Marc Rose hatte es der BVB nicht geschafft, wieder BVB-Fußball zu spielen, der die Bayern damals reizte.
  • Der Plan für nächstes Jahr: Dem Rekordmeister ein Bein zu stellen.

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Der FC Bayern München ist Deutscher Meister. Das heißt im Umkehrschluss: Borussia Dortmund ist es mal wieder nicht. Seit neun Jahren geht das mittlerweile so, der Running Gag ist längst nur noch für die Bayern lustig. Alle anderen schauen dumm aus der Wäsche oder verschwinden ganz schnell von der Bühne.

Die Dortmunder Spieler machten sich am Samstag jedenfalls noch zügiger als sonst nach einer Niederlage aus dem Staub, hinab in den roten Tunnel der Allianz Arena. Um ja nichts mitzubekommen von den Feierlichkeiten des Gegners und wie der sich gefühlt hektoliterweise das Bier über die Körper schüttete, statt es zu trinken oder wenigstens den Fans zu spendieren.

Kapitän Marco Reus und Trainer Marco Rose mussten bleiben, weil sie noch ein paar Einschätzungen abgeben sollten - zum Spiel und zu den Bayern und zum Schiedsrichter und überhaupt zu dieser eigenartigen Saison, die der BVB da bisher so hingelegt hat. Die Partie in München war für beide Mannschaften und ihre Klubs eine sehr große Chance: Für die Bayern, weil sie die getrübte Stimmung vertreiben konnten, die seit dem bitteren Ausscheiden aus der Königsklasse an der Säbener Straße Einzug gehalten hatte.

Und der BVB, weil er den Bayern schön, in deren eigenem Stadion, die Feier vermiesen hätte können, sich ein wenig mehr "auf Augenhöhe" präsentieren und nebenbei einen gehörigen Schub für die kommende Spielzeit hätte mitnehmen können. Mal wieder waren es die Bayern, die ihre Ziele erreichten - dabei zeigte auch dieses Spiel wieder, dass die Münchener alles andere als unantastbar waren in dieser Saison.

BVB: Das "Wie" ist entscheidend

Für ein echtes Titelrennen fehlten aber konstant punktende Konkurrenten, womit sich in erster Linie der BVB angesprochen fühlen darf. Auch wenn das der eine oder andere im Klub vielleicht nicht gerne hören wird. Die Erwartungshaltung in Dortmund sei schon ein Problem, das hat der bald scheidende Sportchef Michael Zorc neulich noch einmal ausdrücklich betont und eine "Gefahr für den Klub und seine 800 Mitarbeiter" ausgemacht. "Wir müssen davon wegkommen, dass man als gescheitert gilt, wenn man nicht Meister wird. Letzteres wird der Normalfall sein, und wir müssen dennoch die Möglichkeit haben, Zufriedenheit zu erreichen."

Man kann Zorc da kaum widersprechen, nur ist das eben auch nur die halbe Wahrheit. Der zweite oder dritte oder zur Not auch der vierte Platz sichert zwar die finanziellen Pfründe und das stete Wachstum des Klubs und ist deshalb als "Erfolg" zu verbuchen. Die entscheidende Frage ist aber die nach dem "Wie". Der Platz hinter den Bayern ist dem BVB zugewiesen und tatsächlich ist es so, dass das im Klub, im Umfeld und von den Fans einigermaßen routiniert zur Kenntnis genommen wird. Es ist normal geworden.

Wann gibt es wieder BVB-Fußball?

Nicht normal sind aber einige der Leistungen, die die aktuelle Mannschaft und einige ihrer Vorgänger in den letzten Jahren auf den Platz brachten. Das hatte zu oft zu wenig mit Borussia Dortmund zu tun, mit Leidenschaft, Willen, Haltung, auch einer gewissen Schlitzohrigkeit, mit der man den übermächtigen Rivalen vielleicht nicht auf Strecke, aber zumindest vereinzelt mal piesacken könnte.

Der BVB hat es bisher auch unter Marco Rose nicht geschafft, wieder BVB-Fußball zu spielen. Diesen mitreißenden Stil mit seiner rotzigen Attitüde, der seinerzeit die Bayern so extrem reizte, dass die sich auf den Weg machten, den deutschen Fußball in Grund und Boden zu dominieren. Das Ergebnis ist nun die manifestierte Sitzverteilung: Die Bayern an eins, der BVB irgendwo dahinter.

Rose: "Wir werden uns schütteln und neu aufstellen"

Aber wenn schon sein Vorgesetzter nicht so recht an eine Umkehr in der Meisterfrage glauben mag, dann geht wenigstens Rose verbal ein wenig ins Risiko. "Wir reden über Fußball. Und im Fußball kann man durchaus mal zehn Jahre hintereinander Meister werden, vielleicht auch 15", sagte Dortmunds Coach bei "Sky", während um ihn herum der rote Mob tobte und den Titel feierte.

"Aber es gibt ja immer Mannschaften, die versuchen, das zu ändern - und dazu gehören wir. Ich glaube, dass wir alle versuchen sollten, die Meisterschaft auch nächstes Jahr wieder spannend und noch spannender zu gestalten und dem deutschen Rekordmeister ein Bein zu stellen. Da wird Borussia Dortmund sicherlich einer der ersten sein, die das versuchen. Wir werden uns schütteln und wieder neu aufstellen."

Verwendete Quellen:

  • Westdeutsche Zeitung: Sportdirektor Zorc warnt vor überzogener Erwartungshaltung (21.04.22)
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