• Erling Haalands provokante Aussagen schütteln den BVB gehörig durch.
  • Die Verantwortlichen sind bemüht, die gefährliche Situation schnell wieder einzufangen - im Ringen um den Torjäger dürfte die Borussia aber kaum noch eine Chance haben.
Eine Analyse
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Seit Freitagabend, so gegen 22:30 Uhr, hat Borussia Dortmund wieder eine gewaltige Erling-Haaland-Debatte. Der provokante Auftritt des Torjägers am Mikrofon des Haaland-Familien-Freundes Jan Aage Fjörtoft hat den BVB am Wochenende kräftig durchgeschüttelt.

Noch in der Nacht nach dem spektakulären 5:1-Sieg über Verfolger Freiburg musste sich Hans-Joachim Watzke einschalten. Am Samstag sprachen Trainer Marco Rose und Sportchef Michael Zorc zur Causa Haaland, am Sonntag war Zorcs Nachfolger Sebastian Kehl über eine Stunde lang im Sport1-Doppelpass zugeschaltet.

Haaland fühlt sich vom BVB unter Druck gesetzt

Haaland treibt den BVB jetzt vor sich her, das ist die Nachricht der letzten Tage. Der Klub setze ihn unter großen Druck, er solle endlich eine Entscheidung treffen, erzählte Haaland. Dabei wolle er nur Fußball spielen.

Haaland geriert sich in einer Opferrolle, er gibt dem ohnehin schon sehr lästigen Thema eine neue Richtung. Der Sündenbock ist nun nicht mehr der Spieler samt Berater, sondern der BVB. Und der Klub kann im Moment nicht mehr tun, als das Thema so klein wie möglich zu halten.

"Wir setzen Erling überhaupt nicht unter Druck. Es gibt aktuell weder Gespräche noch Termine, daher kann ich das nicht nachvollziehen", sagte Geschäftsführer Watzke der Funke Mediengruppe. "Aktuell gibt es keine Deadline, keine Fristen, es gab noch nicht mal Gespräche", sagte Zorc dem "Kicker". "Ein Ultimatum gibt es keines. Aus unserer Sicht ist kein Druck entstanden, es wurden zuletzt keine Gespräche geführt. Und wir setzen ihn nicht unter Druck, sich jetzt in den nächsten Wochen entscheiden zu müssen", sagte Kehl im Doppelpass.

Kehl zeigt Verständnis und Unverständnis zugleich

Das sind nachvollziehbare Argumente, die der BVB da vorbringt, um die Wogen etwas zu glätten. Mehr als Schadensbegrenzung ist aber nicht möglich. Denn in der Sache selbst hat Dortmund nahezu keine Handhabe. Haaland willigte vor zwei Jahren nur wegen der bestätigten Ausstiegsklauseln in seinem Vertrag zu einem Wechsel von Salzburg nach Dortmund ein. Schon damals war klar, dass der BVB nur eine Durchgangsstation sein würde und Haaland ein Reisender ist.

"Er hat die Möglichkeit zu wechseln, das hat er vertraglich zugesichert bekommen", sagte Kehl, der auch deshalb den medialen Vorstoß seines Spielers nicht nachvollziehen kann. "Ich verstehe das nicht so ganz und werde deshalb mit ihm darüber reden. Ich werde die Gelegenheit nutzen und ihn fragen, was ihn bewegt und wieso er dieses Thema des Drucks nach dem Spiel so kommuniziert, weil ich das nicht so wahrgenommen habe. Dass die Situation auch etwas mit ihm macht, verstehe ich. Er ist auch noch jung. Aber wir benötigen auch Planungssicherheit. Wie soll ich denn die Kaderplanung vorantreiben, wenn wir bei einem so wichtigen Spieler nicht ab einem gewissen Zeitpunkt eine Tendenz mitbekommen, ob er bleibt oder nicht?"

Auch sein Chef Watzke appellierte deshalb an den Spieler: "Wir können nicht bis Mai warten, das wird ihm auch einleuchten. Dass man irgendwann mal über die Zukunft spricht, muss er als Profi auch verstehen", sagte Watzke.

Haaland hat den BVB in der Hand

Etwas überspitzt formuliert hat Haaland den Klub in der Hand. Die Zeit spielt klar für Haaland, der über seinen Berater Mino Raiola in den nächsten Wochen in Ruhe Angebote der Konkurrenz einholen kann und der mit seinem schlecht gewählten Timing nun die vermeintliche Gemengelage umkehrt: Tatsächlich setzt Haaland den BVB unter Druck und nicht umgekehrt.

Das ist eine brisante Ausgangslage für die entscheidende Phase der Saison, in der Dortmund auf die Leistungsbereitschaft und die Tore seines mit Abstand wichtigsten Spielers angewiesen sein wird. Und sie bietet genug Konfliktpotenzial zwischen dem Klub und der Haaland-Seite, auch wenn Kehl das Verhältnis zum umtriebigen Raiola als "gut und offen" einschätzt.

"Bisher war da alles sehr, sehr sauber, er ist sehr klar und man weiß, woran man ist. Wir wissen schon die Schlitzohrigkeit von Mino einzuschätzen. Aber am Ende wird es eine Klarheit geben, wohin die Reise geht", sagte Kehl.

Das wird definitiv so sein. Die Frage ist nur, wann das der Fall sein wird - und was bis dahin noch alles passiert.

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Verwendete Quellen:

  • kicker.de: Haaland fühlt sich vom BVB unter Druck gesetzt: "Muss mich bald entscheiden"
  • sport.sky.de: Brisante Haaland-Aussagen: Watzke reagiert mit Unverständnis
  • sport1.de: Kehl: Bei Haaland ist der Hals voll
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