Ist RB Leipzig der beste Bundesliga-Aufsteiger aller Zeiten? Zumindest statistisch könnte die Mannschaft am Freitag eine neue Bestmarke setzen. Der Erfolg ist das Ergebnis eines gut durchdachten Konzepts.

RB Leipzig hat in der Bundesliga voll eingeschlagen. Nach fünf Ligaspielen sind "die roten Bullen" noch immer ungeschlagen. Sollte die Mannschaft auch heute Abend gegen den FC Augsburg unbesiegt bleiben, wäre das eine neue Bestmarke. Nie zuvor war ein Bundesliga-Aufsteiger nach sechs Saisonspielen noch ohne Niederlage.

Der Erfolg wird häufig auf die finanziellen Möglichkeiten zurückgeführt. Richtig ist: RB Leipzig hat im Sommer 50 Millionen Euro in die Mannschaft investiert. Einnahmen durch Spielerverkäufe wiederum hat es nicht gegeben. Kein anderer Verein der Bundesliga hat so ein dickes Transfer-Minus wie die Ostdeutschen.

Geld allein schießt keine Tore

Doch wurde das Geld nicht aus dem Fenster geworden, um irgendwelche große Namen nach Leipzig zu holen.

Jeder Schritt bei RB Leipzig scheint gut durchdacht zu sein. Sportdirektor Ralf Rangnick hat die Philosophie vorgegeben, keine Spieler über 24 Jahre zu verpflichten. Mit einem Durchschnittsalter von 23,5 Jahren hat RB Leipzig die jüngste Mannschaft der Bundesliga.

Gegenüber der Sport Bild erklärt Rangnick: "Junge Spieler regenerieren schneller, sind lern- und einsatzwillig." Der Spielstil ist kräftezehrend: Verlorene Bälle sollen sofort zurückerobert werden. Nach Ballgewinnen findet ein blitzschneller Konter statt. Innerhalb von zehn Sekunden soll der Angriff möglichst abgeschlossen sein.

Die Laufwege beim Konterspiel werden immer wieder trainiert. Linksaußen Emil Forsberg sagte gegenüber unserer Redaktion: "Bei uns weiß jeder, was er nach der Balleroberung zu tun hat. Und dann geht es ganz schnell."

Überhaupt ist Laufarbeit bei RB Leipzig das A und O. In den ersten fünf Spielen liefen die Akteure 579 Kilometer – Platz zwei in der Bundesliga. Pro Spiel kamen die Akteure durchschnittlich auf 212 Sprints. Das ist der dritthöchste Wert im Fußball-Oberhaus.

Trotz der intensiven Laufarbeit scheinen die Leipziger nie müde zu werden. Im Gegenteil: Je mehr sich das Spiel dem Ende zuneigt, desto gefährlicher wird es für den Gegner. Sieben ihrer neun Tore fielen in der zweiten Halbzeit.

Der Schlüssel zum Erfolg

Die jugendliche Frische ist ein Grund dafür. Zudem wurde der Mannschaft eingetrichtert, gelegentlich Ruhepausen einzulegen. Die Mannschaft lässt den Ball dann einfach mal laufen.

Doch ist die Überfall-Taktik nicht der einzige Trumpf von RB Leipzig. Auch die Verteidigung steht bombensicher. Beeindruckend: In den ersten fünf Saisonspielen ließ die Abwehr insgesamt nur acht Torschüsse zu, die auch wirklich auf den Kasten kamen.

"Solange wir diese Statistik niedrig halten, sind Punkte vorprogrammiert", sagt Innenverteidiger Marvin Compper gegenüber dem "kicker".

Die Viererkette ist total eingespielt. Compper und Willi Orban standen in bislang allen Ligaspielen in der Innenverteidigung, Marcel Halstenberg lief immer als Linksverteidiger auf. Nur auf der Position des Rechtsverteidigers fanden aus Verletzungsgründen Wechsel statt. Vor einigen Wochen galt die Defensive noch als Schwachstelle. Die Pokal-Pleite bei Dynamo Dresden hatte dies offenbart. Doch sind die Verteidiger in der Bundesliga mit ihren Aufgaben gewachsen.

Die bombensichere Verteidigung in Verbindung mit den Überfall-Kontern und der wahnsinnigen Laufarbeit machen RB Leipzig so unbequem. Trainer Ralph Hasenhüttl sagt: "Wir wollen kein 0:0 über die Zeit bringen, sondern spät den Todesstoß setzen." Ein Paradebeispiel dafür war der Sieg gegen Borussia Dortmund, wo das 1:0 in der 89. Minute gelang.

Aufgrund des jungen Kaders ist die Mannschaft entwicklungsfähig. Alleine in der Offensive stehen mit dem 20-jährigen Timo Werner und dem ein Jahr älterem Davie Selke zwei U-Nationalspieler zur Verfügung, die mittelfristig auch Chancen bei der deutschen Nationalmannschaft haben. Die beiden Stürmer könnten so zu den Gesichtern des bislang sehr unbeliebten Vereins werden.

Ein weiterer Pluspunkt: Die Chemie innerhalb der Mannschaft gilt als hervorragend. Ralf Rangnick, der die Mannschaft in Doppelfunktion als Trainer in die Bundesliga geführt hat, arbeitetet mit Hasenhüttl eng zusammen und hat einen guten Draht zum Team.

Der Sportdirektor nutzt die Halbzeitpause gelegentlich sogar, um Einzelgespräche mit den Spielern zu führen. Möglich ist das nur, weil Trainer und Sportdirektor taktisch voll auf einer Wellenlänge sind – das ist nicht bei allen Bundesligisten so.

Überhaupt sind Hasenhüttl und Rangnick echte Taktik-Füchse. Sieht man einmal von den Innenverteidigern und dem Linksverteidiger ab, wird sogar nach erfolgreichen Spielen viel rotiert. Der Matchplan wird immer an den Gegner angepasst.

Gut möglich also, dass RB Leipzig auch gegen weitere stark besetzte Mannschaften wie den VfL Wolfsburg (16.10.), Bayer 04 Leverkusen (18.11.) oder den FC Bayern München (20. oder 21.12.) eine gute Figur abgeben wird. Dann wird sich zeigen, wie stark der Neuling wirklich ist.