Jahrelang hat Thorsten Kinhöfer als Bundesliga-Schiedsrichter Respektlosigkeiten, Betrugsversuche und - vor allem - verbale und körperliche Reklamationen der Spieler ertragen und geahndet. Heute spricht der Referee von Krieg auf dem Platz, klagt aber auch drei Startrainer namentlich an.

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Nicht erst seit David Abrahams Bodycheck gegen Freiburgs Trainer Christian Streich wird über die Verrohung der Sitten auf den Bundesliga-Spielfeldern geklagt.

Diese außergewöhnlich unfaire Aktion aber rückte das Verhalten der Spieler - und auch der Trainer - zurück ins Rampenlicht.

Thorsten Kinhöfer: "Was nehmen die Bundesligaspieler eigentlich?"

Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer nutzt diesen Moment, um seinem Ärger in drastischen Worten Luft zu verschaffen: "Wir haben eine unfassbare Aggression auf dem Platz. Bei jeder Hand-Entscheidung rennen sieben oder acht Spieler auf den Schiri zu, schreien auf ihn ein", sagte der 51-Jährige aus Herne in einem "Bild"-Interview (Donnerstag).

"Das sind mittlerweile kriegsähnliche Zustände!" Er frage sich immer, "was die genommen haben, um so von 0 auf 100 zu kommen. Mich – und viele, viele Leute, mit denen ich rede – kotzt das Verhalten auf dem Platz inzwischen an", meinte Kinhöfer.

Auch das Verhalten von Trainern an der Seitenlinie regt Kinhöfer auf - als Beispiele nennt er Friedhelm Funkel, Pep Guardiola und Jürgen Klopp.

Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer, rechts, ermahnt und beruhigt den damaligen Trainer des TSV 1860 München, Friedhelm Funkel. Kinhöfer hält den

"Bei Schalke gegen Düsseldorf werden fünf Minuten Nachspielzeit angezeigt. Nach zwei Minuten führt Funkel an der Linie einen Veitstanz auf, will so den Abpfiff erzwingen", sagte der ehemalige FIFA-Referee, der von 2001 bis 2015 in der Bundesliga gepfiffen hat.

Thorsten Kinhöfer: "Jürgen Klopp verliert jedes Maß"

"Auch wie sich Guardiola im Spiel gegen Liverpool aufgeführt hat – unfassbar! Und Klopp, den jeder mag, verliert jedes Maß, wenn etwas gegen seine Mannschaft entschieden wird."

Die siebenwöchige Sperre für Eintracht Frankfurts Kapitän David Abraham ist für Kinhöfer "das untere Strafmaß. Aber: Die Spieler schalten auf dem Platz alles aus, ihnen ist alles egal. Auch hohe Strafen. Deshalb zweifele ich an, dass höhere Strafen im Profifußball die gewünschte Abschreckung haben."

Abraham ist für die Rote Karte wegen seiner Attacke gegen Freiburgs Trainer Christian Streich bis zum 29. Dezember gesperrt worden. Zudem muss er 25.000 Euro Geldstrafe zahlen. Eintracht Frankfurt hat Einspruch gegen das Urteil eingelegt. (hau/dpa)

Rot-Aufreger: Freiburg-Trainer beim Spiel umgenietet

Der 1:0 -Sieg des SC Freiburg gegen Eintracht Frankfurt ist am Sonntag im Chaos zu Ende gegangen. Der Frankfurter Spieler Abraham rannte den Freiburger Trainer Christian Streich um. Danach entwickelten sich tumultartige Szenen. © ProSiebenSat.1