Franck Ribéry bleibt weiter das Sorgenkind beim FC Bayern München. Jetzt ist sogar mehr als "nur" der Trainingsstart in ernster Gefahr. Die Verletzungsanfälligkeit des Franzosen lässt die Bayern längst an einem Plan B arbeiten.

Am Anfang war alles noch recht harmlos. "Nichts Schlimmes, ein bisschen Flüssigkeit im Sprunggelenk. Drei oder vier Tage Pause", sagte Franck Ribéry. Der FC Bayern München twitterte von einer "Stauchung im Sprunggelenk" beim Franzosen. Das war im März.

Aus den vermuteten drei oder vier Tagen Pause für Franck Ribéry sind mittlerweile drei Monate geworden. Das 7:0 gegen Schachtjor Donezk am 11. März war Ribérys 310. Pflichtspiel im Bayern-Dress. Und mittlerweile häufen sich die Befürchtungen, dass es auch das letzte gewesen sein könnte.

Der Franzose wird die Schmerzen in seinem rechten Fuß offenbar nicht mehr los. Seit Wochen quält er sich in der Reha, hat wie vor Beginn der vorletzten Saison auch dieses Mal seinen Urlaub in Paris und auf Ibiza zusammen mit Bayern-Physiotherapeut Gianni Bianchi verbracht, um ja keine Minute zu verschenken und den Heilungsprozess voranzutreiben. Offenbar ohne den gewünschten Erfolg.

"Ich hatte keinen Spaß im Urlaub"

"Ich habe im Urlaub kaum Spaß gehabt. Ich saß meist nur drinnen, war höchstens einen Tag am Strand. Normalerweise liebe ich es, Boot zu fahren. Und Jet-Ski. Aber ich habe es nicht gemacht, weil ich Angst um meinen Fuß hatte. Ich war im Urlaub, aber ich konnte nicht machen, wozu ich Lust hatte. Das ist doch Mist!", klagte er in der "Bild" sein Leid. Für einen wie Ribéry, der nicht nur für sein Spiel Freude und Leichtigkeit benötigt, eine einzige Qual.

Rund ein halbes Dutzend Male gab es in den letzten Monaten die Hoffnung auf ein Comeback, immer wieder wurden er, die Mannschaft und die Fans enttäuscht. Derzeit sei es eine Zerrung, die ihn behindere und seine Rückkehr zum Trainingsauftakt am 1. Juli stark in Frage stellt. Eine klare Diagnose wurde seit März nicht mehr gestellt, vielmehr sind es offenbar die Spätfolgen der ursprünglichen Verletzung, die immer wieder für neue Krankheitsbilder sorgen.

"Mir geht es deutlich besser, aber es ist noch immer nicht perfekt", sagt Ribéry. "Ich bleibe die ganze Woche in München und werde alles für meinen Fuß tun. Sollte ich kommende Woche noch mal in den Urlaub fliegen, dann werde ich wohl wieder einen Fitnesstrainer mitnehmen. Ich hoffe, dass ich bald wieder laufen kann. Ich muss am 1. Juli hundert Prozent gesund sein. Ob das klappt, weiß ich nicht. Aber ich probiere alles."

Bayern bastelt an Plan B

Lediglich 23 Pflichtspiele hat der 32-Jährige in der abgelaufenen Saison für die Bayern bestritten, so wenige wie nie zuvor in nunmehr acht Jahren beim FCB. Auch den Bossen ist nicht verborgen geblieben, dass der Flügelspieler immer öfter an großen und kleinen Blessuren litt. "Bei Franck müssen wir tatsächlich hinbekommen, dass er wieder stabiler wird. Statistisch betrachtet ist es leider ein Fakt, dass Franck in den vergangenen zwei Jahren oft verletzt war", sagte Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge der "Sport-Bild".

Die Spekulationen, auch die "Causa Ribéry" wäre im immer noch nebulösen Rücktritt von Ex-Bayern-Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ein Mosaikstein, halten sich hartnäckig. Dass die Bayern - deren Spieler in der letzten Saison die drittmeisten Fehltage aller Bundesligisten ausweisen mussten - nun seit einigen Tagen ihre medizinische Abteilung an der Säbener Straße umkrempeln, neue Gebäude errichten und Maßnahmen einführen, passt ins Bild.

Eine Kältekammer, erweiterte Saunaräume, ein neues Schwimmbad, ein eigenes MRT-Gerät sind in Arbeit oder bereits funktionsfähig. Ab der kommenden Saison sollen Blut- und Urintests sofort Aufschluss über den Leistungsstand des Spielers geben und dem Trainerteam die Möglichkeit geben, schnell zu reagieren.

Ribéry hat keine Angst vor Nachfolgern

Das alles kommt im Fall Ribéry vorerst zu spät. Die Bayern sondieren nicht erst seit einigen Tagen den Markt, immer mal wieder wurden oder werden die Namen von Schwergewichten wie Angel di Maria (Manchester United), Raheem Sterling (FC Liverpool) oder Antoine Griezman (Atletico Madrid) mit dem Rekordmeister in Verbindung gebracht, auch Yasine Brahimi (FC Porto) und Sadio Mané vom FC Southampton sollen angeblich in der Verlosung sein.

Dass auf Ribérys - und auch Arjen Robbens - Position in naher Zukunft etwas passieren muss, ist keine neue Erkenntnis. Das Spiel der beiden prägenden Figuren der letzten Bayern-Jahre lebt sehr von Explosivität und Schnellkraft, und es gibt einige Zweifel daran, ob zwei Bald-Mitdreißiger auf absolutem Toplevel da noch längere Zeit mithalten können.

Die Gerüchte um mögliche Nachfolger oder Konkurrenten lassen Ribéry zumindest äußerlich kalt. "Das ist überhaupt kein Problem. Wirklich nicht! Wenn ich keine Verletzung habe, wenn ich zu 100 Prozent fit bin, dann kann kommen, wer will." Genau da liegt aber das große Problem. Der Ausgang von Franck Ribérys Verletzungsodyssee erscheint derzeit völlig offen.