Es ist ruhig geworden um Uli Hoeneß. Vor einem Jahr ging der Ex-Bayern-Boss ins Gefängnis – in einem Jahr wird er ein freier Mann sein. Was er dann macht, ist völlig offen. Für eine Rückkehr als Bayern-Präsident spricht aber wenig.

Nachdenken wollte er über sich, das hat Uli Hoeneß gesagt, als er vor 13 Monaten seine Abschiedsrede auf der Mitgliederversammlung seines FC Bayern München hielt. Schon damals richtete er den Blick auch nach vorn: "Wenn ich zurück bin, werde ich mich nicht zur Ruhe setzen. Das war’s noch nicht!"

Vor genau einem Jahr hat Uli Hoeneß seine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung angetreten. Mittlerweile ist er Freigänger und arbeitet im Nachwuchsbereich an der Säbener Straße, schon im März 2016 könnte er entlassen werden. Doch trotz der Kampfansage im Kreise des FC Bayern München – es sieht nicht so aus, als würde Uli Hoeneß noch einmal Präsident seines Vereins werden.

"Er wird Abstand gewinnen"

Seine Familie, seine Frau, seine Kinder, sie könnten der entscheidende Grund sein für Hoeneß, kein hohes Amt beim FC Bayern mehr anzunehmen. Das glaubt zumindest Günter Klein. Der Journalist vom "Münchner Merkur" hat sich in der Zeit des Steuerprozesses intensiv mit Hoeneß beschäftigt und die Geschehnisse für das Buch "Hoeneß – Die Biografie" (zusammen mit Patrick Strasser) aufgearbeitet.

"Ich glaube nicht, dass er noch einmal Präsident wird", sagt Klein. Die Zeit vor dem Haftantritt habe Hoeneß sehr zugesetzt. "Vor allem, dass seine Familienmitglieder in die Sache reingezogen wurden." Klein kann sich deswegen nicht vorstellen, dass Hoeneß in sein altes Amt zurückkehrt – zumal der ja 2009 durch den Wechsel vom Managerposten ins Präsidentenbüro signalisiert habe, dass er sein Leben genießen will. Wenn Hoeneß 2016 aus dem Gefängnis frei kommt, wird er 64 Jahre alt sein. "Er wird dann feststellen, dass er doch einige Jahre lang extrem an Lebensqualität eingebüßt hat."

In die selbe Kerbe schlägt auch Dieter Hoeneß in einem Interview mit dem Bayrischen Rundfunk. "Er wird Abstand gewinnen", sagte er über die Zukunft seines Bruders als freier Mann. "Er wird möglicherweise, was ich hoffe, reisen, mal wieder andere Dinge sehen, den Kopf frei bekommen." Erst dann werde er eine Entscheidung fällen, wie es weitergeht – aber nicht ohne die Familie zu befragen.

Herausforderung in der Jugendabteilung

Die Wiedereingliederung beim FC Bayern läuft bereits, seit Anfang dieses Jahres arbeitet Hoeneß tagsüber in der Nachwuchsabteilung. Das ist eine neue Rolle, sagt Biograf Günter Klein, die den Bestimmungen der Justiz geschuldet sei. Kein Freigänger dürfe in dem Bereich einsteigen, in dem er früher tätig war. Die bayrische Justiz ist dem ehemaligen Träger des Landes-Verdienstordens entgegengekommen - so darf er darf auch in seinem angestammten Büro sitzen, weil im Jugendbereich kein Platz war.

Genug zu tun hat Hoeneß mit Sicherheit: Die Jugendabteilung des FC Bayern ist ins Hintertreffen geraten, Klubs wie der VfB Stuttgart und die TSG Hoffenheim haben dem Rekordmeister den Rang abgelaufen. "Das ist ein wunder Punkt des Vereins", sagt Günter Klein. "Ich kann mir schon vorstellen, dass ihm die Arbeit dort Spaß macht."

Dass es Hoeneß aber Freude machen würde, sich wieder in die erste Reihe des FC Bayern zu stellen, kann sich Klein nicht vorstellen. "Wenn man nur daran denkt, wie er auswärts in den Stadien empfangen würde – ich glaube, das überlegt er sich sehr gut." Zumal noch völlig unklar ist, wie Hoeneß die Zeit im Gefängnis verkraftet hat. Dieter Hoeneß sagte dem "Bayerischen Rundfunk", es gehe seinem Bruder mittlerweile körperlich ganz gut. "Aber wie es ganz drinnen aussieht, wissen wir alle nicht."

Das Herz des FC Bayern

Die Frage, ob Uli Hoeneß noch einmal in eine hohe Position beim FC Bayern München zurückkehrt, stellt sich auch von der anderen Seite: Braucht der Verein seinen Ex-Boss überhaupt noch? In seiner Abwesenheit hat der Rekordmeister perfekt funktioniert, was Günter Klein als einen Verdienst von Hoeneß sieht. "Der Verein ist ein Selbstläufer", sagt der Biograf. Wirklich gefehlt habe er nur den Fans. "Weil er noch immer das Herz des FC Bayern ist." Als der Streit zwischen Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Josep Guardiola eskalierte, behaupteten viele Kritiker, so etwas hätte es unter Hoeneß nicht gegeben. "Vielleicht hätte er den Bruch zwischen den beiden Champions-League-Spielen verhindern können", sagt Klein. "Aber er hätte ihn auch nur vertagen können."

Mit seinem Standing bei den Fans und dem Wissen um die Befindlichkeiten im Verein könnte Hoeneß als Vermittler weiter wichtig sein, meint Klein. Aber viele operative Rollen wurden gerade erst neu vergeben, Leute wie Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen etablieren sich erst. Präsident Karl Hopfner hat zwar bislang immer betont, er würde nicht gegen Uli Hoeneß kandidieren – aber wer weiß, ob ihm die Rolle nicht doch zusagt. Günter Klein kann sich eine Lösung mit Hoeneß als Ehrenpräsident gut vorstellen: "Uli Hoeneß steht für ein gewisses Gefühl. An ihn könnten sich die Fans wenden, wenn sie Probleme sehen. Und seine Stimme würde im Verein gern gehört werden."