Wie im Jahr 2013 sind die Münchner Bosse dabei den Übergang von Jupp Heynckes zu seinem Nachfolger zu verstolpern. Warum zögern Hoeneß und Rummenigge so sehr mit einer Entscheidung?

Steffen Meyer
Eine Kolumne
von Steffen Meyer, Freier Autor

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Es ist beinahe auf den Tag genau fünf Jahr her, dass der FC Bayern mit einer simplen Pressemitteilung die Fußballwelt in Aufruhr versetzte. Es ist der 16.01.2013. 16:49 Uhr. "Guardiola ab Juli 2013 Trainer des FC Bayern", prangte es auf der Bayern-Homepage.

Damit schloss sich ein Kreis, denn der FC Bayern war seit Jahren auf der Suche nach einem jungen Konzepttrainer.

"Pep Guardiola ist einer der erfolgreichsten Trainer der Welt und wir sind sicher, dass er nicht nur dem FC Bayern, sondern auch dem deutschen Fußball viel Glanz verleihen kann", hieß es damals. Heynckes galt damals als Auslaufmodell. Guardiola als neues heißes Ding.

Die Münchner waren sichtlich bemüht den Trainerwechsel als einvernehmlich darzustellen - und verstolperten den Moment trotzdem.

Jupp Heynckes war vor den Kopf gestoßen

Dass in besagter Pressemitteilung nicht nur der Wechsel zu Guardiola, sondern auch das Karriereende von Jupp Heynckes verkündet wurde, stieß bei diesem nicht gerade auf Gegenliebe.

Im Gegenteil: Heynckes hätte sich durchaus vorstellen können noch mindestens ein Jahr weiterzumachen. Und wenn jemand sein Karriere-Ende verkünden könne, dann ohnehin nur er selbst.

Heynckes - so sagen es enge Wegbegleiter - war durchaus in seinem Stolz verletzt. Auch weil der Kontakt zu Guardiola schon lange lief, bevor Heynckes kurz vor Weihnachten 2012 darüber informiert wurde.

Als Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge Heynckes wenig später ein Berateramt beim FCB angeboten hat, wies dieser das beinahe empört zurück.

Jetzt ist die Situation eine andere

Nachtragend ist Heynckes jedoch nicht. Und heute, fünf Jahre später, ist die Situation eine ganz andere.

Der aktuelle FCB-Erfolgstrainer (inzwischen 72), der im Herbst 2017 aus dem Ruhestand reaktiviert wurde, hat klar gemacht, dass er kein gesteigertes Interesse hat, sein Aushilfsengagement über den Sommer hinaus fortzusetzen.

"Ich mache es bis zum 30. Juni. Man weiß nie, wie viel Zeit man noch hat, sein Leben zu genießen", sagte der Bayern-Trainer jüngst.

Viel klarer kann man es eigentlich nicht ausdrücken und doch werben Rummenigge und Uli Hoeneß immer heftiger um einen Verbleib des Altmeisters.

"Wir haben entschieden, dass wir einen deutschen Trainer wollen. Heynckes wäre der idealste deutsche Trainer", wurde Rummenigge am Wochenende zitiert. Hoeneß warb schon vor Weihnachten immer wieder um seinen "ziemlich besten Freund".

Der FC Bayern verstolpert den Übergang

Es wirkt fast ein wenig so als wollen die Münchner Bosse ihren Fehler aus dem Jahr 2013 doppelt und dreifach wiedergutmachen. So sehr umschmeicheln sie ihren Erfolgscoach.

Das ist aus mehreren Gründen nachvollziehbar. Heynckes ist für Hoeneß und Rummenigge die Nummer sicher. Heynckes ist für sie ein Partner auf Augenhöhe und eine Garantie auf eine optimale Mannschaftsführung.

Für den Verein ist Heynckes ein Wohlfühlprogramm nach der stressigen Zeit unter Perfektionist Guardiola und dem bis zuletzt für viele rätselhaften Carlo Ancelotti.

Auf jeden Fall zeigen die letzten Tage, wie sehr die Münchener Verantwortlichen mit der Trainer-Entscheidung hadern. Ein deutscher Trainer soll es werden.

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Die Gedanken sind nachvollziehbar. Trotzdem sollten die Münchner Bosse erkennen, dass sie dabei sind einen Fehler zu wiederholen. Sie verstolpern den Übergang.

Sie zwingen Heynckes sich immer wieder zu den gleichen Fragen zu positionieren und sie machen es einem möglichen Nachfolger schwer, der nach dem öffentlichen Werben um Heynckes wie eine 1b-Lösung wirkt.

Die Bayern sollten Heynckes Nein akzeptieren und möglichst bald Fakten schaffen. Ansonsten wird der Übergang zur Hängepartie.