Die Erwartungen vor der ersten Bundesliga-Saison waren riesig - und RB Leipzig hat sie übertroffen. Mit der Vizemeisterschaft und der damit verbundenen direkten Champions-League-Qualifikation erwies sich der Aufsteiger gleich im ersten Jahr als neuer Top-Klub - doch ob das so bleibt, ist fraglich.

Champions-League-Dauergast, Bayern-Jäger, Meisterschaftskandidat - Zuschreibungen, die sich RB Leipzig gerne auch in den kommenden Jahren ans Revers heften möchte.

"Zynisch und unsolidarisch": Bayern-Boss kritisiert Leipzigs Coach.


"Auf Dauer wollen wir in den nächsten fünf bis zehn Jahren regelmäßig international spielen und natürlich auch Deutscher Meister werden", sagte RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff bereits Anfang des Jahres der Zeitung "Die Welt" und setzte sein Team damit einigermaßen unter Druck.

Die Erwartungen und Voraussetzungen vor der zweiten Erstligasaison könnten Cheftrainer Ralph Hasenhüttl die Sorgenfalten ins Gesicht treiben. Denn RasenBallsport steht vor einem schwierigen Jahr.

Mehr Partien durch Dreifachbelastung

Zum einen ein Segen, denn zusätzliche Einnahmen durch die Champions League und den DFB-Pokal kann jeder Klub gut gebrauchen. Doch nicht selten wirkt sich die Dreifachbelastung negativ auf die Meisterschaftsrunde aus.

Leverkusen, Gladbach, Schalke und Mainz traten 2016 allesamt international an - unter den Top acht der Bundesliga suchte man sie am Ende der Saison vergebens.

Gut möglich, dass auch Leipzig mit der krassen Umstellung des Spielbetriebs Probleme haben könnte - zumal im Pokal auch sicherlich mehr Partien drin sind als das frühe Erstrunden-Aus gegen Dresden im vergangenen Jahr.

Team-Harmonie dahin

Ob die Leipziger in der kommenden Saison erneut so harmonisch aufspielen, wie über große Teile der 2016er Saison, steht ohnehin in den Sternen.

Erst vor wenigen Tagen sorgte Naby Keita mit einem brutalen Revanche-Foul gegen Teamkollege Diego Demme für Aufruhr.

"Ich bin ein Fan davon, wenn es zur Sache geht, aber in dem Moment hat Naby ein bisschen über dem Limit agiert", kritisierte auch Kapitän Willy Orban die Aktion bei "Sport1". Nationalspieler Demme hat Glück, eine Knieprellung wird ihn nicht allzu lange aus der Bahn werfen.

Unruhen durch Wechselabsichten

Es ist nicht die einzige Aktion, mit der Keita in der Sommerpause auf sich aufmerksam machte. Der 22-jährige Guineer liebäugelte öffentlich mit einem Wechsel nach Liverpool. Daraus wird nichts, sagt RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff und schiebt dem wechselwilligen Keita einen Riegel vor.

"RB Leipzig freut sich auf die nächste Saison zusammen mit Naby Keita", sagte Mintzlaff dem "SID".

Ralf Rangnick: "Jemand muss die Jungs einnorden"

Seitdem agiert der Mittelfeldmann lustlos im Training. RB-Sportdirektor Ralf Rangnick sieht das Problem allerdings weniger beim Spieler selbst.

"Es braucht jemanden, der sie einnordet. Die Jungs selber sind gar nicht das Problem. Das Problem ist das Umfeld, das ganze Dorf in Guinea oder irgendwelche Leute im Umfeld, die den Spielern erklären, warum sie das jetzt gleich machen müssen", sagt Rangnick.

RB Leipzig nur als Sprungbrett?

Dabei spielt der 59-Jährige auch auf Offensiv-Star Emil Forsberg an. Der Schwede schwärmte öffentlich vom AC Mailand. Ein Sommer-Wechsel stand im Raum. Auch dem wurde ein Riegel vorgeschoben. Sein Berater? Enttäuscht.

In diesem Bereich liegen FCB und Vizemeister noch weit auseinander.

"Sie (RB Leipzig, Anm. d. Red.) müssen damit leben, dass sie seinen Traum zerstört haben. Es gibt Interesse von einem der weltgrößten Klubs. Aber ich muss denen leider sagen, dass es nicht klappen wird. Wir gehen davon aus, dass er bleiben muss“, wird Berater Hasan Cetinkaya in der schwedischen Zeitung "Sportbladet" zitiert.

Ein unzufriedener Forsberg – keine gute Voraussetzung.

Anscheinend sehen viele Spieler RB Leipzig momentan nur als Sprungbrett für die weitere Karriere - zumindest, wenn es nach einigen Beratern geht, die auf das große Geld aus sind. Ein Zustand, der Unruhe in das Mannschaftsgefüge bringt.

Steht die Abwehr?

Personell gesehen hat Leipzig keinen Stammspieler abgegeben. Für das Mittelfeld wurde Konrad Laimer vom Schwester-Klub RB Salzburg verpflichtet, für die Offensive Bruma von Galatasaray und Top-Talent Jean-Kevin Augustin von PSG geholt. Doch der spielte vergangene Saison nur 189 Minuten.

Für die Verteidigung wurde lediglich der ablösefreie Innenverteidiger Ibrahima Konaté vom französischen Zweitligisten FC Sochaux verpflichtet.

Riskant, da Hasenhüttl vergangene Saison vor allem in der Abwehr mit Verletzungssorgen zu kämpfen hatte.

Ein schweres Jahr wartet

Mehr Spiele, noch mehr Druck und vor allem noch mehr internationale Top-Klubs, die Spieler von RB Leipzig abwerben wollen. Die Sachsen stehen vor einer harten Saison.

Der Kader hat sich nicht verschlechtert, wurde in der Breite aber nur gering erweitert. Die Erwartungen sind auch für die kommende Saison groß – die teaminternen Probleme allerdings auch.

Das war wieder ziemlich Bayern-like. Mit 3:2 besiegt der deutsche Meister Englands Champion FC Chelsea nach starkem Start in Singapur. Es war der erste Erfolg auf der so strapaziösen Asientour.