Der 3. Dezember 2020: Stéphanie Frappart ist die erste Schiedsrichterin, die auch in der Champions League (m) ein Spiel leitet. Die Medien sind anschließend voll des Lobes und viele Frauen freuen sich über die Wertschätzung. Wer erinnert sich nicht an Kate Abdos “2020 is the year it matters to be a girl dad”, das viral ging.

Eine Kolumne
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Doch was passierte seitdem? Nichts. Stéphanie Frappart war die erste – und die bislang einzige in diesem Wettbewerb.

2021: Verändert sich nun etwas? Ja, bei der Europameisterschaft war Stéphanie Frappart als vierte Offizielle dabei.

Doch warum nicht mehr in der Champions League? War es nur eine Eintagsfliege? Hatte man gar nicht im Sinn, Frappart regelmäßig einzusetzen? Oder andere Frauen, die seit einigen Jahren in der Europa League eingesetzt werden, wie beispielsweise Kateryna Monzul, Sian Massey-Ellis oder Chrysoula Kourompylia?

Rein weibliche Spieloffiziellen-Teams im Top-Männerfußball

Dabei kann man 2021 gut und gern als Jahr der Schiedsrichterinnen im Männerfußball bezeichnen. Noch nie zuvor wurden so viele Frauen wie 2021 in den nationalen 1. Ligen im Männerfußball eingesetzt.

Dazu gab es 2021 mindestens zwölf Teams von Unparteiischen bei großen Männerturnieren mit mindestens drei Frauen – eine Vervierfachung zu 2020.

Zu diesen zwölf Teams gehörten:

  • Lidya Tafesse Abebe, Bernadettar Kwimbira, Mimisen Agatha Iyorhe bei der Afrikanischen Nationenmeisterschaft
  • Edina Alves Battista, Neuza Ines Back, Mariana de Almeida bei der FIFA-Klub-WM
  • Kateryna Monzul, Maryna Serhiivna Striletska, Svitlana Grusho, Liudmyla Telbukh bei der WM-Quali (UEFA)
  • Und gar ein Team mit fünf Frauen plus Schiedsrichterbeobachterin beim Copa Libertadores (m), nämlich Edina Alves Batista, Neuza Back, Cindy Nahuelcoy, Maria Belen Carvajal, dazu Ana Paula de Oliveira als VAR sowie Sabrina Lois als Beobachterin.

Auch in mehreren nationalen Ligen gab es erstmals Spieloffiziellen-Teams mit mindestens drei Frauen, so in Mosambik (1. Liga), Liberia (1. Liga), Kasachstan (1. Liga), Jordanien (1. Liga), den USA (2. Liga) sowie in Deutschland (3. Liga) mit Riem Hussein, Christina Biehl und Katrin Rafalski – den drei einzigen Schiedsrichterinnen im deutschen Männerprofifußball.

Fazit: Einen Schritt nach vorne – kommt da noch mehr?

Das erste Halbjahr 2021 war voller Monate, in denen Schiedsrichterinnen im Männerfußball einen guten Schritt nach vorne gingen. Vor allem dank der FIFA, denn nachdem erstmals Frauen Spiele der Klub-WM leiteten (ein Männerfußball-Wettbewerb), zog die FIFA im Frühjahr nach. Erstmals leiteten Frauen Spiele der Männer-WM-Quali in verschiedenen kontinentalen Verbänden.

Hier war Stéphanie Frappart die erste Schiedsrichterin, nicht aber die allererste Frau in diesem Wettbewerb. Bereits drei Tage vor ihr assistierten Karen Díaz Medina und Francia González bei zwei WM-Quali-Spielen im nord- und mittelamerikanischen Fußballverband CONCACAF.

Und bei der UEFA? Geht es tatsächlich weiter voran oder war Frapparts Einsatz in der Champions League (m) nur ein kurzes Auflodern der Glut, die bereits seit 30 Jahren nur glimmt?

Vor wenigen Tagen ein nächster Schritt der UEFA: Frappart und Monzul sind die ersten Schiedsrichterinnen, die dezidiert in der UEFA-Schiedsrichter*innenliste für Männerfußballwettbewerbe stehen.

So bleibt der Blick auf 2022 und die Hoffnung. Die Hoffnung, dass Schiedsrichterinnen im Männerfußball nicht noch weitere 30 Jahre immer und immer wieder Geschichte schreiben, sondern ihr Einsatz eine Normalität wird. Doch dafür müssten sie häufiger und regelmäßig eingesetzt werden.

Jetzt sind die Verbände gefragt. Ein heißer Tipp: Fördert Frauen und das ohne Gedanken an PR im Hinterkopf. Dann gibt es auch gutes Karma gratis dazu.

Stephanie Frappart, Frankreich, Ligue 1, Fußball
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Über Steinhaus-Webb und Frappard: Die besten Schiedsrichterinnen international

Am 11.11.2021 wird erstmals ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft von einer weiblichen Unparteiischen geleitet. Das Spiel des DFB gegen Lichtenstein wird von der kroatischen Schiedsrichterin Ivana Martincic gepfiffen. Doch welche Schiedsrichterinnen pfeifen noch im Männerfußball? Wir zeigen euch die besten!

Meilensteine 2021

  • 23. Januar 2021 - Lidya Tafesse Abebe (Äthiopien): Erste Schiedsrichterin in einem Länderwettbewerb im Männerfußball der CAF, nämlich der Afrikanischen Nationenmeisterschaft.
  • 7. Februar 2021 – Edina Battista Alves (Brasilien), Mariana de Almeida (Argentinien), Neuza Back (Brasilien): Erste Schiedsrichterin bzw. -assistentinnen in einem Clubwettbewerb im Männerfußball der FIFA, nämlich der Klub-WM.
  • 24. März 2021 – Karen Díaz Medina (Mexiko), Francia González (Mexiko): Erste weibliche Schiedsrichterassistentinnen sowie generell erste weibliche Spieloffizielle in einem internationalen Länderwettbewerb im Männerfußball der FIFA, nämlich der WM-Qualifikation.
  • 27. März 2021 – Stéphanie Frappart (Frankreich): Erste Schiedsrichterin in einem internationalen Länderwettbewerb im Männerfußball der FIFA, nämlich der WM-Qualifikation.
  • 10. April 2021 – Akhona Makalima (Südafrika): Erste Schiedsrichterassistentin sowie generell erste weibliche Spieloffizielle in einem Clubwettbewerb der CAF, nämlich der Champions League.
  • 19. Mai 2021 – Tori Penso (USA), Stephanie-Dale Yee Sing (Jamaica), Karen Diaz (Mexiko), Francia Gonzalez (Mexiko): Erste Schiedsrichterin bzw. -assistentinnen in einem Clubwettbewerb im Männerfußball der CONCACAF, nämlich dem 2021 Flow CONCACAF Caribbean Club Championship.
  • 11. Juni 2021 – Stéphanie Frappart (Frankreich): Erste weibliche 4. Offizielle sowie generell erste weibliche Spieloffizielle bei einem Länderwettbewerb im Männerfußball der UEFA, nämlich der Europameisterschaft.

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